KüstenfischerKnochenjob nachts auf dem Meer

Von Krabben bis Kabeljau: Küstenfischer suchen auf Nord- und Ostsee nach Meerestieren. Die Arbeit ist hart, ein festes Gehalt gibt es nicht, zeigt der Beruf der Woche. von 

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE  |  © Tim Boyle/Getty Images

Arbeiten bei Nacht und Wind und Wetter und dann auch noch auf hoher See: Die Arbeitsbedingungen von Küstenfischern sind nichts für jedermann. Dirk Sander könnte sich kaum etwas anderes vorstellen. Er ist Präsident des Landesfischereiverbandes Weser-Ems und hat mehr als 40 Jahre in der südlichen Nordsee, nahe den ostfriesischen Inseln, als Kapitän seines eigenen Kutters Krabben, Seezungen, Schollen und Kabeljau gefischt.

Der Arbeitstag beginnt am Abend. In der Dämmerung fahren die Fischer raus auf See. Ihre Fanggebiete erreichen sie im Dunkeln. Je nachdem, was gefangen werden soll, setzen die Fischer spezielle Schleppnetze ein. Für Seezungen etwa braucht man andere Netze als für Schollen. Die Netze werden hinter dem Kutter hergezogen. Aktive Fischerei wird dies genannt. Denn im Gegensatz zur stillen Fischerei ist das Fanggerät nicht fix und unbeweglich.  

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Wenn die Netze ausgeworfen sind, machen die Fischer erst einmal Pause. Dann heißt es warten. "Wir trinken Tee und kontrollieren alle 45 bis 60 Minuten die Netze, bis es Zeit wird, sie wieder an Bord zu hieven", sagt Sander.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Jede Woche stellt unser Autor Markus Schleufe einen ungewöhnlichen Job in unserer Serie "Beruf der Woche" vor. 

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Jedes Mal, wenn ein Fang eingeholt wird – das nennt man in der Branche "Hol" – prüfen die Fischer, was sich im Netz tummelt. Die Männer sortieren alle brauchbaren Fische aus, den "Beifang", also unerwünschte oder noch zu kleine und junge Fische, werfen sie wieder zurück ins Meer. Was übrig bleibt, wird an Ort und Stelle gereinigt, ausgenommen und in Kisten im schiffseigenen Kühlraum gelagert. Auf diese Weise fischen die Männer die ganze Nacht. Im Morgengrauen geht es zurück in den Hafen. Hier wird der Fang an die Abnehmer übergeben. Pro Fangtag können das schon mal 5 bis 6 Zentner Scholle oder 3 bis 4 Zentner Seezunge sein.

Fische können tagsüber die Netze sehen

Aber warum wird eigentlich nachts gefischt? "Ganz einfach", sagt Sander. "Die Fische sind ja nicht blind, am Tag können die das Netz sehen, dann lohnt sich das Fischen nicht."

Und woher weiß man, wo es sich lohnt? Das wiederum habe, so Sander, in erster Linie mit Erfahrung und Gefühl zu tun. "Als junger Fischer hält man sich an die erfahrenen Männer, die genau wissen, wo gute Fanggebiete sind. Mit den Jahren entwickelt man selbst ein Gefühl dafür", sagt Sander. Eine Rolle dabei spielen die Gezeiten und die Windrichtung. "Wenn der Wind mit Regen aus Südwest kommt, war der Fang meistens gut."

Küstenfischer sollten teamfähig sein, müssen gut schwimmen können und seefest sein. Körperliche Fitness ist außerdem notwendig. Die Netze und Kisten sind schwer. Trotz moderner Technik ist die Küstenfischerei noch immer ein Knochenjob.

Leserkommentare
    • Lefty
    • 07. Mai 2013 18:37 Uhr

    und sehen will,der sehe sich dieses Video an.
    http://www.youtube.com/wa...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dies zu sehen. Danke!

  1. dies zu sehen. Danke!

    Antwort auf "Ist hart,doch wers mag"
  2. 3. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

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