ParfumeurDer neue Duft wird am Computer entwickelt

Parfumeure entwickeln neue Parfüms am Computer. Die Nase ist für sie nur ein Kontrollwerkzeug. Jobs sind rar, die Konkurrenz ist groß, zeigt der Beruf der Woche. von 

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE  |  © Tim Boyle/Getty Images

Marc vom Endes Kapital ist seine Nase. Er arbeitet als Parfumeur. "Ausschließlich auf meinen Geruchssinn bin ich aber nicht angewiesen", sagt vom Ende, der als Senior Perfumer bei Symrise tätig ist. Auch der Computer kommt zum Einsatz.

"Viele denken, wir stehen in einem Labor mit vielen Fläschchen voller wohlriechender Flüssigkeiten und mixen hier neue Düfte an." Zwar gebe es Labore, in denen die Inhaltsstoffe eines neuen Produkts vermischt und getestet werden.

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"Ich muss aber nicht jedes Mal ins Labor, um am Rosenöl zu schnuppern, ich kennen die Düfte und weiß, welche Wirkung ich damit erziele", sagt vom Ende.

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Daher erfolgt die Entwicklung einer Rezeptur am Computer. In einer umfangreichen Datenbank sind alle wichtigen Infos über die zur Verfügung stehenden Rohstoffe gespeichert. Vom Ende kann die aktuellen Preise einsehen und physikalische Werte sowie chemische Eigenschaften über Rohstoffe abrufen.

Weiteres wichtiges Werkzeug: Seine Erfahrung. Ein erfahrener Parfumeur hat den Duft und die Eigenschaften mehrerer Hundert Rohstoffe im Kopf gespeichert und weiß genau, in welcher Konzentration er welchen Stoff einsetzen muss. 

Gerüche auf der Welt sind unterschiedlich

Die am Computer entwickelte Rezeptur kann er dann per Mausklick an den Auftraggeber schicken. Die kommen aus aller Welt, mal von einem Hersteller aus Indien, mal aus Frankreich oder den USA. Nach Schema F kann vom Ende dabei aber nicht arbeiten. "Ein blumiger Duft, der in Deutschland bei den Kunden gut ankommt, kann in einem anderen Land ein Ladenhüter sein. Blumig ist nicht überall gleich blumig. Die Geschmäcker sind sehr unterschiedlich."

Außerdem muss er wissen, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Soll ein Duft sportlich sein, riecht er anders als ein Duft, der Eleganz transportieren soll. Beim Feintuning kommt schließlich die Nase zum Einsatz. Dann überprüft der Parfumeur, ob der am Computer erstellte Duft auch in der Realität so riecht wie gewünscht. 

"Mal stellt man fest, dass gewisse Stoffe von anderen überlagert werden, oder dass ein Stoff zu dominant ist. Dann muss bei der Rezeptur korrigiert werden. Die Nase ist das Kontrollwerkzeug." Parfumeure benötigen gleich im doppelten Sinne eine gute Spürnase: Sie müssen gut riechen können, müssen aber auch immer ein Gespür für kommende Trends haben.  

Für die Arbeit als Parfumeur ist Neugierde, viel Kreativität sowie Fantasie notwendig. Zudem ist auch Wissen über die Geschmäcker in unterschiedlichen Regionen der Erde wichtig. Viele Bewerber für eine Ausbildung zum Parfumeur kommen aus der chemischen Industrie, haben einen artverwandten Beruf erlernt oder sogar Chemie studiert. Grundkenntnisse der Chemie sind zwar hilfreich im beruflichen Alltag, unbedingte Voraussetzung sind sie aber nicht.

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