Reputation : Das Geheimnis eines guten Rufs

Helfen macht beliebt. Aber nicht die Hilfe selbst, sondern die Zahl der Hilfsempfänger ist entscheidend, das fanden Forscher in einer neuen Studie heraus.

Ein guter Ruf ist bekanntlich leicht zu ruinieren. Viel schwieriger und interessanter ist die Frage, wie er zu erlangen ist. Eine einfache und überall gültige Antwort dürfte darauf kaum zu geben sein. Aber zumindest für ein 500-Einwohner-Dorf auf der Karibikinsel Dominica scheint die Frage nun geklärt zu sein.

Die drei amerikanischen Anthropologen Shane Macfarlan, Robert Quinlan und Mark Remiker haben rund 20 Monate lang die als Selbstversorger lebenden Einwohner beobachtet. Sie kommen in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences  zu dem Schluss, dass die "prosoziale Reputation" nicht einfach dadurch zustande kommt, dass man viel Gutes tut, sondern dass man es möglichst vielen antut.

Die Dorfbewohner leben vom Obstanbau und Fischfang. Zusätzliches Geld verdienen sie sich mit dem Verkauf von ätherischen Ölen, die sie aus den Blättern des Lorbeer-Baumes gewinnen. Diese werden in einer Art Pachtsystem bewirtschaftet. Die Männer des Dorfes sind für unterschiedliche Bäume zuständig, was sie damit verdienen, dürfen sie behalten. Allerdings ist die Arbeit nicht alleine zu schaffen. Alle zehn Monate braucht man zur Destillation des Öls Hilfe von zwei anderen Männern. Sie sind also auf einander angewiesen.

Nicht viel Gutes tun, sondern vielen Gutes tun

Dennoch ist es üblich, dass der Besitzer eines Baumes erst einmal allein mit dieser Arbeit beginnt, anstatt um Hilfe zu bitten. Dann kommen andere und helfen. Die Regel im Dorf lautet: Hilft dir jemand beim Destillieren, musst du ihm später auch assistieren. "Weil das Dorf klein und die Arbeit nicht zu übersehen ist, erkennen die Menschen, wann sie verpflichtet sind zu assistieren", sagen Macfarlan und Kollegen. Wer einen Dorfgenossen unterstützt, gewinnt dadurch dessen Hilfe zu einem späteren Zeitpunkt – das Öl selbst behält der Besitzer allein.

Die Forscher dokumentierten, wer wem beim Destillieren half. In den ersten zehn Monaten wurde 193 Mal Öl aus den Lorbeerblättern destilliert, 92 Männer arbeiteten mit. In der zweiten Phase waren an 272 Destillationen 101 Männer beteiligt. Es bekommt also längst nicht jeder dieselbe Hilfe. Die Forscher ermittelten den Ruf von jenen 53 Männern, die in beiden Phasen mitgearbeitet hatten.

Die Analyse ergab: Einen guten Ruf genossen vor allem diejenigen, die besonders vielen anderen geholfen hatten. Mehrmals einer Person zu helfen bessert den Ruf aber nicht so sehr auf wie jeweils einmal verschiedenen Männern beizustehen. Das führt aber dazu, dass sich diese kooperativen wie beliebten Arbeiter nicht bei allen Helfern revanchieren konnten. Das wiederum könne dafür sorgen, dass jene Kollegen bald wieder als unkooperativ gelten würden.

Ein weiteres Problem: Jüngere Destillateure waren besser angesehen als ältere. Ein Grund könnte den Forschern zufolge sein: Die Öl-Destillation ist eine anstrengende Arbeit und deswegen ließen sich manche lieber von jungen Kollegen helfen.

Erschienen in der Wirtschaftswoche

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Unklare Formulierungen

Leider sind am Ende des Beitrages die aussagen etwas schwer verständlich.

Was ich mir mitnehme ist, dass es vorteilhafter sei vielen verschiedenen zu helfen u weniger immer den gleichen. Aus meiner Einschätzung würden aber gerade wiederholtes Helfen Sinn machen, weil die erfolgreiche arbeitsbezieung und eine gelungene zusammenarbeit zu erneuten helfen führen könnte. Also zu fixen Teams.
Ein anderes Ergebnis passt ganz gut dazu, dass es für den eigenen guten ruf wichtig sei, dass viele in der Gruppe von dem altruistischen handeln erfahren. Grundsätzlich finde ich die Ergebnisse, dass kooperatives verhalten sich auch evolutionär beweisen könnte, als hoffnungsvoll für die Spezi Homo sapiens.

Mal wieder bahnbrechende Erkenntnisse :-)))

Wobei ich den Forschern natürlich ihren längerfristigen Aufendhalt an so exotisch netten Orten gönne :-))

Auf die Idee das "Reputation" in ihrer heutigen Bedeutung zumeist mit einem hohen Ansehen egal auf welcher Ebene gleichgesetzt , vor allem durch die Anzahl positiv wahrgenommener Tätigkeiten und weniger durch den Umfang der Einzeltat erzeugt wird , kann man nun auch bequem und mit ein bisschen Lebenserfahrung ohne Studie kommen .

Allein das kollektive Gedächnis der Menschen bedingt einen solchen Effekt , da die größere Einzeltat erheblich schneller in Vergessenheit gerät , als eine Vielzahl kleinerer Taten über einen längeren Zeitraum von dem auch eine größere Anzahl von Menschen profitiert , die einem durch Mundpropaganda eben diese Reputation sichern .

Das Offensichtliche zu studieren mausert sich scheinbar zu einer unter Forschern beliebten Methode , um mal aus den Elfenbeintürmen an die frische Luft zu kommen.

Na, anderen Ortes heißt das "Seilschaft" oder ...

... "Klientel", auch Nachbarschaftshilfe und was es dergleichen Beschreibungen dafür gibt. Bei den Römern war das üblich, im politischen System und man sprach vom "do ut des". In der Steinzeit und schon davor war das die einzige Art zu Überleben.