ZigarrenmacherGut gewickelt ist schon fast verkauft

Nur ein gutes Dutzend Zigarrenmacher gibt es hierzulande noch. Die Letzten ihres Standes verstehen ihren Job als Genuss-Handwerk, zeigt der Beruf der Woche. von 

Stefan Appel ist der letzte Zigarrenmacher Hamburgs und einer der Letzten seines Standes, denn der Beruf ist in Deutschland sehr selten geworden. "Bundesweit gibt es von uns vielleicht noch ein Dutzend", sagt der Zigarrenmacher.

Vor 22 Jahren hat er den 1922 gegründeten Zigarrenladen von Otto Hatje in der Hansestadt übernommen. Zwar macht heute der Handel mit Zigarren einen Großteil der Arbeit aus, aber Appel lässt es sich nicht nehmen, seine eigenen Zigarren in Kleinstserien herzustellen. "Ich halte damit eine Tradition aufrecht", sagt er.

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Zigarren unterscheiden sich in Form, Länge und Dicke. Generell gibt es zwei verschiedene Herstellungsarten, die sogenannten Shortfiller, die aus geschnittenen oder gerissenen Tabakschnipseln bestehen, sowie die sogenannten Longfiller, die im Inneren ganze Tabakblättern enthalten. Letztere werden komplett von Hand gerollt, während Erstere mithilfe von Maschinen gefertigt werden.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Jede Zigarre besteht aus drei Teilen: dem Einlagetabak, dem Umblatt, mit dem die Einlage umrollt wird sowie dem Deckblatt, das die äußere, sichtbare Schicht der Zigarre bildet.

Eine Mischung aus zwölf Sorten

Appel fertigt für seine eigene Zigarrenmarke ausschließlich Shortfiller. Der Tabak stammt aus Indonesien, Brasilien, Mexiko und Kuba. Gefüllt sind die handgemachten Zigarren mit einer Mischung aus zwölf unterschiedlichen Tabaksorten.

Im ersten Schritt trennt Appel den mittleren Teil des Tabakblattes heraus. Dieser Teil wird Rippe genannt. "Das ist der einzige Abfall, der beim Zigarrenmachen anfällt", sagt er. Die Blatthälften werden anschließend in der für die Zigarren benötigten Größe zugeschnitten, die Reste werden für die Einlage verwendet. Die Oberfläche der Tabakblätter ist geschmeidig und gummiartig, ein wenig wie dünnes Leder. Die Blätter hält der Zigarrenmacher mit einem mit Wasser getränkten Tuch feucht. "Aber ich muss vorsichtig sein und darauf achten, dass der Einlagetabak nicht zu feucht wird. Ansonsten verklebt der Tabak und die Zigarre wird zu fest." Auch muss Appel die Menge an Einlagetabak richtig dosieren, sonst wird die Zigarre im Durchmesser zu dick und zu fest und die Luft geht nur noch schwer hindurch.

Für das Rollen benutzt der Zigarrenmacher eine Drehmaschine. Sie heißt Wickelbock. Appel benutzt einen, der bald 70 Jahre alt ist. Die Maschine arbeitet wie eine Zigarettendrehmaschine, die natürlich viel kleiner ist.

Leserkommentare
  1. Wohl war, das des Beruf der Zigarrenroller in Deutschland ausstirbt.
    Die Behauptung, dass aber nur noch wenige Zigarren von Hand gerollt werden ist schlichtweg falsch. Gerade die Zigarre als Genußmittel, hierum geht es im Artikel, ist in der Regel handgerollt und nicht maschinell gefertigt. Schaut man sich auch in diversen Zigarren Online Shops, wie z.B. http://www.ZigarrenWelt.de um, sieht man das fast ausschließlich alle Zigarren handgerollt sind.
    Das Tankstellen-Zigarren und Eco-Zigarren und Eco-Zigarillos die als Ersatz für Zigaretten stehen, nicht zum Genussmittel Zigarre gehört, ist dabei denke ich selbstredend.

    Eine Leserempfehlung

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