PersonalauswahlSind externe Kandidaten immer besser geeignet?

Eine wichtige Stelle ist zu besetzen. Es gibt einen guten internen Bewerber und einen externen Kandidaten. Was bei der Auswahl zu beachten ist, erklärt Sabine Hockling. von 

"Wir haben eine wichtige Stelle zu besetzen. In der engeren Auswahl stehen jetzt ein interner Kandidat sowie ein externer Bewerber. Was bringt mehr Vorteile, den bekannten Kandidaten zu fördern oder mit dem externen Bewerber frischen Wind ins Unternehmen holen?", fragt Jan Schuster, Geschäftsführer eines Einrichtungshauses.

Sehr geehrter Herr Schuster,

eine pauschale Aussage, dass interne Kandidaten geeigneter sind oder externe Bewerber grundsätzlich frischen Wind ins Unternehmen bringen, ist nicht zu treffen. Es ist richtig, dass interne Kandidaten ihren Arbeitgeber und die Unternehmensprozesse kennen sowie in vielen Fällen auch bereits Umbrüche miterlebt haben. Sie passen zur Unternehmenskultur und können eine höhere Akzeptanz bei Kollegen erzielen als ein unbekannter, neuer Bewerber.
Es kann allerdings auch durch den Aufstieg eines Kollegen genau das Gegenteil erreicht werden. Verschieben sich Hierarchien, können aus guten Beziehungen Probleme entstehen, wenn einer plötzlich Vorgesetzter wird.

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Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Nicht zu unterschätzen ist bei internen Besetzungen die positive Signalwirkung. Kommt der Mitarbeiter in den Genuss einer Weiterbildung sowie einer persönlichen Förderung durch Vorgesetzte, werden diese Entwicklungsmöglichkeiten in der Regel positiv aufgefasst: Die Zufriedenheit mit dem Unternehmen und die Motivation der Belegschaft steigen, Leistungsträger binden sich langfristig an ihren Arbeitgeber.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Auch sind Veränderungsprozesse nachhaltig erfolgreich, wenn die Belegschaft diese mitträgt. Ein interner Kandidat mit einer hohen Akzeptanz verfügt über Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Daher kann er in solchen Situationen hilfreicher sein als ein unbekannter Bewerber, der noch kein Beziehungsnetzwerk innerhalb des Unternehmens aufbauen konnte.

Für externe Bewerber spricht, dass sie neue Kompetenzen ins Unternehmen bringen sowie mit ihrem Blick von außen in der Regel Abläufe kritischer hinterfragen. Auch kann das Fehlen alter Allianzen Vorteile mit sich bringen. Sie fühlen sich alten Kollegen nicht verpflichtet und treffen so durch fehlende Beziehungen gegebenenfalls neutralere Entscheidungen. Möchte ein Unternehmen einen Wandel hervorrufen, kann ein externer Kandidat daher sinnvoller sein.

Auch "Hausgewächse" pflegen

Am Ende ist ein ausgewogenes Verhältnis in der Belegschaft wichtig. Zu viele Externe fördern nicht die Unternehmenskultur. Setzt ein Unternehmen allerdings zu stark auf interne Personallösungen, wirkt es schnell inzestuös.

Ihre Entscheidung sollte daher nachhaltig sein und auf die Unternehmensentwicklung abzielen, und dabei das Potenzial der Mitarbeiter voll ausschöpfen. Strukturierte Interviewverfahren, die Anforderungsprofile und notwendige Kompetenzen abfragen, können Sie dabei unterstützen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ihre Sabine Hockling

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Leserkommentare
    • shtok
    • 03. Mai 2013 15:46 Uhr

    an nimmt, dass die präsentierten Fragen wirklich Fragen von Geschäftsführern oder leitenden Angestellten sind. Welche Qualifikation muss man in D haben, um in diese Positionen zu kommen, wenn man nicht mal weiß, wie man sein Unternehmen oder Fachbereich zu leiten oder zu besetzen hat.

    Es hat natürlich den Vorteil, wenn man sich einen/eine Consultant ins Haus holt oder befragt, denn dann kann man vom Versagen ablenken, wenn es gegen den Baum geht.

    Da die Autorin das strukturierte Interview ins Spiel gebracht hat, vlt. eine Anwort von ihr, gibt es Untersuchungen inwieweit Psychologie bei Personalbsesetzungen nachhaltig für den Erfolg eines Unternehmens verantwortlich waren oder sind.

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  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitgeber
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