"Wir haben eine wichtige Stelle zu besetzen. In der engeren Auswahl stehen jetzt ein interner Kandidat sowie ein externer Bewerber. Was bringt mehr Vorteile, den bekannten Kandidaten zu fördern oder mit dem externen Bewerber frischen Wind ins Unternehmen holen?", fragt Jan Schuster, Geschäftsführer eines Einrichtungshauses.

Sehr geehrter Herr Schuster,

eine pauschale Aussage, dass interne Kandidaten geeigneter sind oder externe Bewerber grundsätzlich frischen Wind ins Unternehmen bringen, ist nicht zu treffen. Es ist richtig, dass interne Kandidaten ihren Arbeitgeber und die Unternehmensprozesse kennen sowie in vielen Fällen auch bereits Umbrüche miterlebt haben. Sie passen zur Unternehmenskultur und können eine höhere Akzeptanz bei Kollegen erzielen als ein unbekannter, neuer Bewerber.
Es kann allerdings auch durch den Aufstieg eines Kollegen genau das Gegenteil erreicht werden. Verschieben sich Hierarchien, können aus guten Beziehungen Probleme entstehen, wenn einer plötzlich Vorgesetzter wird.

Nicht zu unterschätzen ist bei internen Besetzungen die positive Signalwirkung. Kommt der Mitarbeiter in den Genuss einer Weiterbildung sowie einer persönlichen Förderung durch Vorgesetzte, werden diese Entwicklungsmöglichkeiten in der Regel positiv aufgefasst: Die Zufriedenheit mit dem Unternehmen und die Motivation der Belegschaft steigen, Leistungsträger binden sich langfristig an ihren Arbeitgeber.

Auch sind Veränderungsprozesse nachhaltig erfolgreich, wenn die Belegschaft diese mitträgt. Ein interner Kandidat mit einer hohen Akzeptanz verfügt über Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Daher kann er in solchen Situationen hilfreicher sein als ein unbekannter Bewerber, der noch kein Beziehungsnetzwerk innerhalb des Unternehmens aufbauen konnte.

Für externe Bewerber spricht, dass sie neue Kompetenzen ins Unternehmen bringen sowie mit ihrem Blick von außen in der Regel Abläufe kritischer hinterfragen. Auch kann das Fehlen alter Allianzen Vorteile mit sich bringen. Sie fühlen sich alten Kollegen nicht verpflichtet und treffen so durch fehlende Beziehungen gegebenenfalls neutralere Entscheidungen. Möchte ein Unternehmen einen Wandel hervorrufen, kann ein externer Kandidat daher sinnvoller sein.

Auch "Hausgewächse" pflegen

Am Ende ist ein ausgewogenes Verhältnis in der Belegschaft wichtig. Zu viele Externe fördern nicht die Unternehmenskultur. Setzt ein Unternehmen allerdings zu stark auf interne Personallösungen, wirkt es schnell inzestuös.

Ihre Entscheidung sollte daher nachhaltig sein und auf die Unternehmensentwicklung abzielen, und dabei das Potenzial der Mitarbeiter voll ausschöpfen. Strukturierte Interviewverfahren, die Anforderungsprofile und notwendige Kompetenzen abfragen, können Sie dabei unterstützen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ihre Sabine Hockling