KonferenzenSo gehen Chefs mit Meeting-Nörglern um

In den Arbeitsmeetings fallen einige Mitarbeiter durch ständiges Nörgeln auf. Wie Führungskräfte die Treffen produktiver gestalten können, erklärt Sabine Hockling. von 

Unsere Meetings sind eine Katastrophe: Sie halten uns regelmäßig zu lange von der Arbeit ab, die besprochenen Themen betreffen selten alle Teilnehmer und vor allem wird nur gemeckert. Wie erreiche ich eine Meeting-Disziplin?, fragt Sebastian Wald, Abteilungsleiter bei einem Nahrungsmittelkonzern.

Sehr geehrter Herr Wald,

hapert es an Vorbereitung, Kommunikation und Disziplin, verfehlen Meetings häufig ihr Ziel. Eine aktuelle Studie der TU Braunschweig kommt zu dem Ergebnis, dass Teilnehmer die Hälfte ihrer Meetings als reine Zeitverschwendung empfinden.

Anzeige

Ein Grund dafür ist laut der Organisationspsychologin Simone Kauffeld und der Psychologin Eva-Maria Schulte, dass zu viel kritisiert wird. So zeigt die Untersuchung, dass in Arbeitstreffen 16-mal mehr genörgelt als an Lösungen gearbeitet wird! Lösungsorientiert sieht anders aus. Dieses problemorientierte Verhalten erfolgt zumeist unbewusst, denn die Mitarbeiter passen sich nach und nach den nonverbalen Signalen anderer an und übernehmen ihre Situationsdeutungen.

Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Für ihre Studie zeichneten die Wissenschaftlerinnen Meetings von über 400 Gruppen (mit bis zu zehn Teilnehmern) auf Video auf. Dass die untersuchten Arbeitssitzungen durch die Beobachtung verfälscht wurden, schließen die Wissenschaftlerinnen aus. Denn für die Teilnehmer spielte die Beobachtungssituation nach kurzer Zeit keine Rolle mehr. Einige Teilnehmer beschäftigten sich mit ihren Mobiltelefonen, um private Angelegenheiten zu erledigen, andere flirteten miteinander und manche zogen sogar über ihre Vorgesetzten her oder schliefen gar ein.

Ergebnisorientiertes Vorgehen

In ihrer Auswertung konnten die Forscherinnen mehrere Aspekte festhalten, die wichtig für eine effiziente Meeting-Disziplin sind:

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Führungskräften gibt sie in der Serie Chefsache Tipps zur Mitarbeiterführung. Sie bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Arbeitstreffen verlaufen produktiver, wenn die Führungskräfte vorab überlegen, was das Ergebnis des Meetings sein soll und wenn es einen Themenplan gibt, der allen Teilnehmern vorliegt. Hilfreich für eine effiziente Struktur ist auch, wenn pro Besprechungspunkt ein Zeitrahmen festgelegt ist.

Natürlich sollten die Meetings pünktlich beginnen und enden, auch sollte der Konferenzraum entsprechend vorbereitet sein. Grundsätzlich sollte jedes Meeting einen Moderator oder Besprechungsleiter haben, der für den reibungslosen Ablauf sorgt.

Ferner ist es hilfreich, wenn Sie Ihre Mitarbeiter, die an den Besprechungen teilnehmen, zu einer aktiven Beteiligung aufrufen. Wer nichts zu sagen hat, braucht auch nicht teilnehmen, sondern kann am Ende das Protokoll zur Kenntnis erhalten. Denn ein Ergebnisprotokoll ist ratsam. 

Leserkommentare
  1. Ergebnisprotokoll, Aufrufe zu "aktiver Beteiligung" und Zielorientierung - das ist jetzt aber ein wenig arg kurz gesprungen. Hätte von dem Beitrag mehr erwartet. Ein Ansatz dafür: Nach meiner Erfahrung haben hohe Nörgler-Anteile in Meetings massive Ursachen außerhalb der Meetings. Wie ist es zum Beispiel um die Autorität der Moderatoren und Besprechungsleiter bestellt? Gibt es eine Entwicklungsperspektive, für die das einzelne Meeting und sein Thema ein genau passender Baustein ist? Ist die Perspektive und die Rolle des Bausteins allen klar? Wurde die Perspektive nur verordnet oder gemeinsam erarbeitet? Nur mal so ein paar Anregungen...

    3 Leserempfehlungen
    • aapple
    • 10. Mai 2013 21:07 Uhr

    ...hier so negativ besetzt? Sog. "Nörgler" sind doch nicht unproduktiv, nur weil sie eine andere Meinung vertreten oder konstruktive Gegenvorschläge machen. Stomlinienförmigkeit ist ggf. in der Technik gefragt, in Arbeitsdisskusionen jedoch absolut unkreativ und lösungsabgewand. Erfolgreiche Leiter von Meetings müssen mit "Nörglern" leben und diese motivieren.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • paland
    • 12. Mai 2013 9:42 Uhr

    Das Problem mit "Nörglern", oder besser "Bedenkenträgern", ist doch, dass sie vor allem Probleme suchen. Sie sind damit zufrieden, die Unmöglichkeit von vorgeschlagenen Lösungen darzustellen. Dieses destruktive Verhalten hilft nicht weiter, wenn es darum geht, welcher Weg einzuschlagen ist.

    • Kauri
    • 10. Mai 2013 21:17 Uhr

    Einer der erfolgreichsten Manager der deutschen Industrie, Herr von Kuenheim, CEO von BMW, hat mal einen berühmten Ausspruch getan: " Jedes Meeting über 20 min. ist ein Verbrechen am Unternehmen! Er hat so Recht!
    Da wollen doch nur schwache Vorgesetzte mal wieder den Haufen um sich herum haben!
    Die müssen ihm ja qua Gehalt und Abhängikeit zuhören! Sie sitzen da und träumen, Blättern in Akten, spielen mit dem iPad , quatschen mit dem Nachbarn und langweilen sich ansonsten zu Tode!
    Nur die Hälfte weis wirklich , worum es geht! Die Schauspieler haben ihre grosse Stunde!
    Alle menschlichen Schwächen kondensieren sich in diesen Meetings!
    Dann trifft einer, der Chef natürlich, eine Entscheidung und alle nicken die ab!
    In der Zwischenzeit bleibt für 10 - 20 Leute die eigentliche Arbeit unerledigt! Wenn von außen einer anruft, heißt es bedeutungsvoll, der/die ist im Meeting.
    Je größer der Laden, um so mehr Ineffizienzen werden da gepflegt!
    So sind Menschen in Hierarchien eben! Motto: Gut, dass wir darüber gesprochen haben!
    Wobei natürlich die wirklich wichtigen Dinge lieber nicht angesprochen werden!

    2 Leserempfehlungen
  2. Andererseits wäre der Text auch eine Anleitung für folgendes Thema: Auf welche Art und Weise umgeht die Redaktion die Kommentar-Nörgler?
    Man veröffentlicht ergebnisorientierte Artikel.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • aapple
    • 11. Mai 2013 10:46 Uhr

    ...statt: "Man veröffentlicht ergebnisorientierte Artikel." muss es heißen: Man veröffentlicht genehme, politisch korrekte Artikel.

    • inecht
    • 11. Mai 2013 7:22 Uhr
    5. Chef?

    ein Unox-Artikel.
    Nach Gutsherrenart.
    Anstatt die Sinnhaftigkeit von Plapperstunden und Selbtsbeweihräucherung in Frage zu stellen, werden die bösen Kritiker angeprangert.

    • aapple
    • 11. Mai 2013 10:46 Uhr
    6. Nee...

    ...statt: "Man veröffentlicht ergebnisorientierte Artikel." muss es heißen: Man veröffentlicht genehme, politisch korrekte Artikel.

  3. Vielleicht liegt das Problem ja tatsächlich beim Anfragenden? Dieser Artikel ist jedenfalls sehr Mainstrream angelegt, versäumt aber etwas anzusprechen, was ich unter Streitkultur verstehe.

    In einem Forum habe ich einmal einen interessanten Beitrag zum Thema gefunden. Hier antwortete der Autor auf einen Foristen, der sich als Deutscher über das, was er in Österreich erlebt hatte, bitter beklagte. Der Autor führte ihn vor Augen, dass es hierzu auch eine andere Sichtweise der Dinge gibt. Er schilderte ihm, wie in einer ergebnisorientierten Sitzung in Deutschland alle um den heissen Brei herumredeten und es ihm als Moderator viel Mühe kostete, den Workshop nach zwei Tagen zu einem allgemeinen Ergebnis zu führen. Dagegen fand er die beklagte Situation in Österreich sehr hilfreich, denn am ersten Tag knallten sich die Teilnehmer nur so mit Kritik voll, das Wort vom Auskotzen hätte wohl gut gepasst. Der Moderator war am esten Tag etwas verstört, merkte aber bald, dass nach dem ersten Tag die Seiten und Ansichten geklärt waren. Der zweite Workshop-Tag konnte daher zügig dafür verwendet werden, ein allgemein anerkanntes Ergebnis zu besprechen. Fazit: in beiden Fällen brauchte es zwei Tage, waren in Österreich der erste Tag überaus anstrengend, waren es in Deutschland beide Tage und in Deutschland war am Ende unklar, ob eine Einigung wirklich erreicht worden war.

    • paland
    • 12. Mai 2013 9:42 Uhr

    Das Problem mit "Nörglern", oder besser "Bedenkenträgern", ist doch, dass sie vor allem Probleme suchen. Sie sind damit zufrieden, die Unmöglichkeit von vorgeschlagenen Lösungen darzustellen. Dieses destruktive Verhalten hilft nicht weiter, wenn es darum geht, welcher Weg einzuschlagen ist.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Chefsache
  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Kommunikation
Service