PersonalsucheToppt die Facebook-Suche die Stellenanzeige?

Arbeitgeber tun sich schwer damit, Schlüsselpositionen zu besetzen. Sollten sie besser per Social Media oder klassisch per Anzeige suchen? von 

Wie ist meine Chance größer, qualifizierte Bewerber zu finden: mit klassischen Stellenanzeigen oder mit einer aktiven Kandidatenansprache?, fragt Denis Klein, Geschäftsführer einer Immobilienverwaltung.

Sehr geehrter Herr Klein,

die aktive Kandidatenansprache wird aktuell in vielen Medien diskutiert. Ob es allerdings als Allheilmittel anzusehen ist, um passive geeignete Kandidaten zu finden, ist fraglich. Denn bei der Bewerbersuche sollte jedes Unternehmen individuell vorgehen.

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Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Der ICR Social Media Recruiting Report 2012 zeigt, dass bislang wenige Unternehmen die aktive Kandidatenansprache anwenden. Demnach suchen lediglich 24 Prozent aktiv per Social Media nach potenziellen Bewerbern. Und auch wenn sich diese Zahl seit 2010 verdoppelt hat, rekrutiert der überwiegende Teil noch passiv. 

Arbeitgeber und Bewerber funken oft noch aneinander vorbei

Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits gibt es Branchen, die nach wie vor mit Stellenanzeigen auf ihren Websites, in Jobbörsen und in Stellenmärkten der Zeitungen noch genügend Bewerber finden. Andererseits nutzen nicht alle potenziellen Kandidaten auch Soziale Netzwerke und sind dementsprechend dort gar nicht zu finden. Oder aber sie verfügen über einen Account, nutzen diesen aber nicht aktiv. Die Folge: Nachrichten zur Kontaktaufnahme versanden.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Unternehmen bei der Bewerbersuche per Social Media nicht über das notwendige Know-how verfügen. Ist nämlich ein Kandidat gefunden, fängt die eigentliche Herausforderung erst an. Denn wer bei der Direktansprache plump vorgeht, verschreckt potenzielle Bewerber in der Regel. Eine individuelle Ansprache mit Argumenten, die auf die jeweilige Person bezogen sind, ist daher unerlässlich. Hier scheitern viele Arbeitgeber. Das heißt aber nicht, dass die aktive Kandidatenansprache keine Vorteile hat. Liegen nämlich konkrete Suchkriterien vor, sind latent Stellensuchende gut zu erreichen und anzusprechen, was die Bewerberqualität steigern kann. Dafür müssen Unternehmen allerdings exakt definieren, wen sie suchen. Mit dem daraus erstellten Profil ist dann in den Netzwerken nach möglichen Bewerbern zu suchen.

Unternehmen, die sich als Arbeitgeber gut verkaufen können und routiniert sind im Umgang mit Sozialen Medien können mit aktiver Kandidatenansprache Zeit und Kosten ihrer Personalsuche senken. Wer noch nicht so weit aufgestellt ist, kann Expertise einkaufen. In jüngerer Zeit haben sich zahlreiche Personalberatungen am Markt etabliert, die sich auf Recruiting mit Social Media spezialisiert haben. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn nach der aktuellen Studie Bewerbungspraxis 2013 wartet fast jeder zweite Arbeitnehmer darauf, angesprochen statt selbst aktiv zu werden.

Ihre Sabine Hockling

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Leserkommentare
  1. Die Firmen verpassen bei der Suche via Social Media die, die diese "Angebote" nicht nutzen. Wenn man nur angepasste Mitarbeiter haben will: Auf geht's zu Facebook!

    3 Leserempfehlungen
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    Ich als Chef stelle ganz sicher lieber Leute ein die mitdenken, auf der Höhe der Zeit sind und sich aktiv online praesentieren und in Diskussionsforen als Experte zu überzeugen wissen. Mit Überanpassung hat das nichts zu tun. Eher positionieren Sie sich mit ihrer selbstgefaelligen Widerstandshaltung in die Ecke der Stellenbewerber die zu einer modernen Unternehmenskultur weniger passen.

  2. Ich als Chef stelle ganz sicher lieber Leute ein die mitdenken, auf der Höhe der Zeit sind und sich aktiv online praesentieren und in Diskussionsforen als Experte zu überzeugen wissen. Mit Überanpassung hat das nichts zu tun. Eher positionieren Sie sich mit ihrer selbstgefaelligen Widerstandshaltung in die Ecke der Stellenbewerber die zu einer modernen Unternehmenskultur weniger passen.

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    • Ling
    • 25. Mai 2013 3:56 Uhr

    Ui... Gerade die neueste Phrasen-App ausprobiert?

    Wie kommt es, dass Sie im Januar noch ihre Vorgesetzten und Arbeitgeber gelobt haben und jetzt auf einmal selber Chef sind, der Leute einstellt? Eine beachtliche Karriere, die auf wunderbare Weise bestätigt, was bei Leuten die aktiv online sind, alles machbar ist.

    Ehrlich gesagt bin ich da ganz froh, dass ich nicht "auf der Höhe der Zeit" bin. Bei einer Firma zu arbeiten, die ihre Mitarbeiter via Social Media aussuchen, kommt für mich nicht infrage. Nennen Sie es ruhig "elitär", ich bin aber, wie alle anderen in der Vor-Facebookzeit (ja, die gab's mal) mit meinem Leben genauso glücklich, wie es Menschen sind, die dieses Medium nutzen. Für mich brauchen aber keine umweltverschmutzenden Server laufen, werden sich keine amerikanische Nerds die Taschen voll stopfen, werden meine Freunde mich weniger online als von Angesicht zu Angesicht erleben. Welche Vorteile bietet mir jetzt gleich noch mal Facebook? Achja, dass mich vielleicht Chefs einstellen, die mich - ohne mich zu kennen - als elitären Widerstandskämpfer entlarven, ohne dass sie meine Beweggründe kennen.

    Ich glaube, wir werden mal nicht in ein Beschäftigungsverhältnis treten. Ich wünsche Ihnen aber viel Glück bei der Auswahl Ihrer Mitarbeiter.

    • Ling
    • 25. Mai 2013 3:56 Uhr

    Ui... Gerade die neueste Phrasen-App ausprobiert?

    Antwort auf "Elitaeres Gehabe"
  3. Wie kommt es, dass Sie im Januar noch ihre Vorgesetzten und Arbeitgeber gelobt haben und jetzt auf einmal selber Chef sind, der Leute einstellt? Eine beachtliche Karriere, die auf wunderbare Weise bestätigt, was bei Leuten die aktiv online sind, alles machbar ist.

    Antwort auf "Elitaeres Gehabe"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich hatte für knapp 5 Jahre meine eigene (zugegebenermaßen kleine) Firma, bin heute aber wieder angestellt. Ich hatte nur 4 Mitarbeiter, trotzdem konnte ich mir meine Meinung bilden aus dem Blickwinkel desjenigen, der auf der Suche nach qualifiziertem Fachpersonal ist (eine Aufgabe die mir im übrigen auch heute als Angestellter öfter Wiedereröffnung zufällt). Der Punkt ist, dass ein Lebenslauf auf meinem Schreibtisch dessen Expertise sich anhand von Social Media unterfuettern lässt, deutlich mehr Gewicht bei mir hat. Das mag ihnen nicht gefallen, ist aber die Realität vieler Personaler. Wie immer hat jeder die Wahl auf welcher Seite der Geschichte man sich positionieren will.

  4. Und was ist mit den Millionen von Leuten, die aus gutem Grund nichts mit Facebook zu tun haben wollen?

    Meiner Meinung nach sollten Bewerbungen und Kontaktaufnahmen nicht über solche Seiten stattfinden, die notorisch bekannt dafür sind, solche sehr interessanten Daten für ihre Zwecke auszubeuten. Stellenanzeigen und dergleichen sollten auf den Webseiten der jeweiligen Unternehmen zu finden sein bzw. die Kontaktaufnahme über die Seite laufen. Vorstellen und bekannt machen ist eine Sache, aber aktiv nach Kandidaten fahnden halte ich für problematisch.

  5. zumindest keine größere firma für tatsächliche "schlüsselpositionen". für private zweck ist ein fb account ja noch verzeihlich, aber wer es nötig hat dort sein bewerberprofil öffentlch hinzustellen, der ist ganz bestimmt nicht jemand, der einen super job hat und "abgeworben" werden muss. so jemand liest dann auch die stellenanzeigen.

    gute positionen werden über beziehungen besetzt und nicht weil jemand sich irgendwo im internet herumtummelt. insbesondere nicht in irgendwelchen foren unter klarnamen. da sieht man doch schon, dass die leute ansonsten nichts zu tun haben oder ihnen sonst keiner zuhört;)

    ich finde, man sollte leuten nicht die hoffnung machen und dazu ermuntern sich öffentliche job-profile in fb zuzulegen. wenn sie sich dann irgendwo bewerben und jemand googelt sie vorher, dann kann das eher schädlich sein.

  6. Ehrlich gesagt bin ich da ganz froh, dass ich nicht "auf der Höhe der Zeit" bin. Bei einer Firma zu arbeiten, die ihre Mitarbeiter via Social Media aussuchen, kommt für mich nicht infrage. Nennen Sie es ruhig "elitär", ich bin aber, wie alle anderen in der Vor-Facebookzeit (ja, die gab's mal) mit meinem Leben genauso glücklich, wie es Menschen sind, die dieses Medium nutzen. Für mich brauchen aber keine umweltverschmutzenden Server laufen, werden sich keine amerikanische Nerds die Taschen voll stopfen, werden meine Freunde mich weniger online als von Angesicht zu Angesicht erleben. Welche Vorteile bietet mir jetzt gleich noch mal Facebook? Achja, dass mich vielleicht Chefs einstellen, die mich - ohne mich zu kennen - als elitären Widerstandskämpfer entlarven, ohne dass sie meine Beweggründe kennen.

    Ich glaube, wir werden mal nicht in ein Beschäftigungsverhältnis treten. Ich wünsche Ihnen aber viel Glück bei der Auswahl Ihrer Mitarbeiter.

    Antwort auf "Elitaeres Gehabe"
  7. 8. Firma

    Ich hatte für knapp 5 Jahre meine eigene (zugegebenermaßen kleine) Firma, bin heute aber wieder angestellt. Ich hatte nur 4 Mitarbeiter, trotzdem konnte ich mir meine Meinung bilden aus dem Blickwinkel desjenigen, der auf der Suche nach qualifiziertem Fachpersonal ist (eine Aufgabe die mir im übrigen auch heute als Angestellter öfter Wiedereröffnung zufällt). Der Punkt ist, dass ein Lebenslauf auf meinem Schreibtisch dessen Expertise sich anhand von Social Media unterfuettern lässt, deutlich mehr Gewicht bei mir hat. Das mag ihnen nicht gefallen, ist aber die Realität vieler Personaler. Wie immer hat jeder die Wahl auf welcher Seite der Geschichte man sich positionieren will.

    Antwort auf "Ueberflieger"

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  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Soziale Netzwerke | Arbeitgeber | Personalberatung | Stellenanzeige | Stellenmarkt | Arbeitnehmer
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