Führungsstil : Wie Chefs Social Media nutzen sollten

Social Media hat sich als Strategie-Werkzeug im Management etabliert. Welche Erwartungen Unternehmen an Führungskräfte haben, erklärt Sabine Hockling.

Wie haben sich die Anforderungen an Führungskräfte aufgrund von Social Media verändert und was sollten Entscheider im Umgang mit der Technologie beherrschen?, fragt Adam Maler, Geschäftsführer bei einem Werkzeughersteller.

Sehr geehrter Herr Maler,

die Erwartungen an Führungskräfte haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Besonders Berufseinsteiger und junge Mitarbeiter (die sogenannte Generation Y) sind es gewohnt, Informationen schnell zu teilen und Feedback offen zu geben. Sie erwarten dies auch von ihren Führungskräften.

In vielen Branchen gehört eine ständige, schnelle und multilaterale Kommunikation mittlerweile zum Alltag. Interaktive Intranets, Kollaborationssoftware, eigene Wikis und natürlich die Nutzung von sozialen Netzwerken für Produktwerbung, Unternehmenskommunikation, aber auch als Werkzeug zur Kunden- und Mitarbeiterbindung sind in den meisten Unternehmen Standard geworden. Für Manager bedeutet das, für neue Technologien offen zu sein und sie klug einzusetzen. Kaum ein Unternehmen kann es sich erlauben, bei wichtigen strategischen Entscheidungen auf Social Media zu verzichten. 

Interne Bedeutung von Social Media nimmt zu

Der Managementprofessor Thorsten Petry von der Hochschule RheinMain hat über 200 Führungskräfte und Personaler befragt, was sie unter "Führung 2.0" verstehen und untersucht, welche konkreten Erwartungen sich daraus für Führungskräfte ergeben. Der Untersuchung zufolge erwarten die meisten Unternehmen von ihren Entscheidern einen professionellen und routinierten Umgang mit den neuen Technologien. Insbesondere die Bedeutung für die interne Verwendung (interaktive Intranets, firmeneigene Wikis, Kollaborationssoftware, Video-Konferenzen) hat stark zugenommen. Denn damit ist es Führungskräften möglich, Selbststeuerung und Selbstorganisation ihrer Mitarbeiter zu fördern. Die Mitarbeiter sind frei in der Umsetzung, das Management gibt aber weiter die Ziele vor. Zahlreiche Studien zeigen: Mitarbeiter, die einen großen Handlungsspielraum haben, sind produktiver und auch belastbarer. Außerdem sind sie dem Arbeitgeber gegenüber loyaler.

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Petry definiert Führung 2.0 entsprechend so: Kontrolle aufgeben – Führung behalten. Das ist letztlich keine neue Erkenntnis.

Einziger Knackpunkt: Noch lange sind nicht alle Manager auch imstande, professionell mit Social-Media umzugehen. Vielen fehlt die Erfahrung, nicht wenige scheuen Tools generell, mit denen sie auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern kommunizieren. Andere, insbesondere Ältere, halten daran fest, Aufgaben zu delegieren statt transparent zu kommunizieren. Aber mit diesem Führungsstil gelingt es weniger gut, gefragte Fachkräfte der Generation Y an sich zu binden. Auch neigen noch zu viele Entscheider dazu, ihr Herrschaftswissen nicht teilen zu wollen.

Das hat oft zur Folge, dass Unternehmen erst einmal viel Energie und Zeit in die Überzeugungsarbeit und dem Training ihrer Führungsriege im Umgang mit Social Media investieren müssen.

Letztlich handelt es sich aber um Werkzeuge, durch die zwar das Tempo zunimmt und Prozesse effizienter und direkter werden, aber die an den Führungsanforderungen im Wesentlichen wenig verändern.

Ihre Sabine Hockling  

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

5 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren