FührungsstilWie Chefs Social Media nutzen sollten

Social Media hat sich als Strategie-Werkzeug im Management etabliert. Welche Erwartungen Unternehmen an Führungskräfte haben, erklärt Sabine Hockling. von 

Wie haben sich die Anforderungen an Führungskräfte aufgrund von Social Media verändert und was sollten Entscheider im Umgang mit der Technologie beherrschen?, fragt Adam Maler, Geschäftsführer bei einem Werkzeughersteller.

Sehr geehrter Herr Maler,

die Erwartungen an Führungskräfte haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Besonders Berufseinsteiger und junge Mitarbeiter (die sogenannte Generation Y) sind es gewohnt, Informationen schnell zu teilen und Feedback offen zu geben. Sie erwarten dies auch von ihren Führungskräften.

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Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

In vielen Branchen gehört eine ständige, schnelle und multilaterale Kommunikation mittlerweile zum Alltag. Interaktive Intranets, Kollaborationssoftware, eigene Wikis und natürlich die Nutzung von sozialen Netzwerken für Produktwerbung, Unternehmenskommunikation, aber auch als Werkzeug zur Kunden- und Mitarbeiterbindung sind in den meisten Unternehmen Standard geworden. Für Manager bedeutet das, für neue Technologien offen zu sein und sie klug einzusetzen. Kaum ein Unternehmen kann es sich erlauben, bei wichtigen strategischen Entscheidungen auf Social Media zu verzichten. 

Interne Bedeutung von Social Media nimmt zu

Der Managementprofessor Thorsten Petry von der Hochschule RheinMain hat über 200 Führungskräfte und Personaler befragt, was sie unter "Führung 2.0" verstehen und untersucht, welche konkreten Erwartungen sich daraus für Führungskräfte ergeben. Der Untersuchung zufolge erwarten die meisten Unternehmen von ihren Entscheidern einen professionellen und routinierten Umgang mit den neuen Technologien. Insbesondere die Bedeutung für die interne Verwendung (interaktive Intranets, firmeneigene Wikis, Kollaborationssoftware, Video-Konferenzen) hat stark zugenommen. Denn damit ist es Führungskräften möglich, Selbststeuerung und Selbstorganisation ihrer Mitarbeiter zu fördern. Die Mitarbeiter sind frei in der Umsetzung, das Management gibt aber weiter die Ziele vor. Zahlreiche Studien zeigen: Mitarbeiter, die einen großen Handlungsspielraum haben, sind produktiver und auch belastbarer. Außerdem sind sie dem Arbeitgeber gegenüber loyaler.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Petry definiert Führung 2.0 entsprechend so: Kontrolle aufgeben – Führung behalten. Das ist letztlich keine neue Erkenntnis.

Einziger Knackpunkt: Noch lange sind nicht alle Manager auch imstande, professionell mit Social-Media umzugehen. Vielen fehlt die Erfahrung, nicht wenige scheuen Tools generell, mit denen sie auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern kommunizieren. Andere, insbesondere Ältere, halten daran fest, Aufgaben zu delegieren statt transparent zu kommunizieren. Aber mit diesem Führungsstil gelingt es weniger gut, gefragte Fachkräfte der Generation Y an sich zu binden. Auch neigen noch zu viele Entscheider dazu, ihr Herrschaftswissen nicht teilen zu wollen.

Das hat oft zur Folge, dass Unternehmen erst einmal viel Energie und Zeit in die Überzeugungsarbeit und dem Training ihrer Führungsriege im Umgang mit Social Media investieren müssen.

Letztlich handelt es sich aber um Werkzeuge, durch die zwar das Tempo zunimmt und Prozesse effizienter und direkter werden, aber die an den Führungsanforderungen im Wesentlichen wenig verändern.

Ihre Sabine Hockling  

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Leserkommentare
  1. Die Social Media Plattformen sind Technologien die Werkzeuge sind, mehr nicht. Sie dienen dazu mittels interaktivem Kanal Inhalte schnell zu verbreiten. Sie sollen transparent sein und Prozesse beschleunigen und liefern zudem Messdaten, die man allerdings vorsichtig interpretieren sollte, da sie immer Schnee von gestern sind. Unser eigentliches Problem in der Gesellschaft und der Wirtschaft ist aber die brutale Vertrauenerosion auf nahezu allen Feldern. Vertrauen und Glaubwuerdigkeit verbreiten sich mit Lichtgeschwindigkeit. Niedriges Vertrauen fuehrt intern und extern zu langsamen Prozessen, Intransparenz und zu einer Kostenexplosion. Die Social Media Plattformen scheinen obwohl sie durchaus Potential bieten diesen negativen Prozess noch zu beschleunigen. Der "interaktive" Kanal wird sehr wenig genutzt. Unternehmen und Einrichtungen erzaehlen Ihrer Umwelt weiterhin wie toll sie sind, wie erfolgreich und einmalig. Das interessiert niemanden. Auch die irrige Annahme die Menschen wuerden mit Unternehmen und Einrichtungen gerne kommunizieren stimmt nicht. Was sie suchen ist Vertrauen, Glaubwuerdigkeit, Emphatie und einfache Prozesse. Anstatt Komplexitaet abzubauen wird sie durch die SM erhoeht, zur Vertrauensbildung werden sie nicht benutzt, da das inhaltliche Geruest dazu voellig fehlt. Wer das nicht glaubt soll sich die SM-Seiten der DAX Unternehmen anschauen. Ich nenne sie Selbstberaeucherungsportale ohne Value fuer den Besucher. Wo bleibt die Vertrauensbildung ?

    3 Leserempfehlungen
  2. Der offene Führungsstil der hier als ideal beschrieben wird, ist auch nach meiner Meinung anzustreben. Das hat nur nichts mit Social Media zu tun.

    Beispiel: Herrschaftswissen teilen, eigenen Handlungsspielraum zu lassen --> ist auch komplett ohne Social Media möglich.

    2 Leserempfehlungen
    • ben_
    • 31. Mai 2013 9:51 Uhr

    … das ist wirklich harte Kost. Von so gehaltlosen Aussagen wie "Generation Y" mal abgesehen ist das in der Sache ziemlicher Quatsch. Als ehem. Angestellter kann ich sagen, dass ich AUF GAR KEINEN FALL wollen würde, dass ich IRGENDWELCHE Kontakte mit meinem Chef über welche Social Media Kanaäle auch habe. Noch mal ganz deutlich. Auf gar keinen Fall.

    Als inzwischen Geschäftsführer einer Agentur und eines Startups kann ich sagen: Wir nutzen Social Media nicht, wir sind nicht darauf angewiesen und das ganze Thema hat nichts mit Mehrwertschaffung im Unternehmen zu tun. Social Media mag Spaß mache und ein Zeitvertreib für Angestellte sein. Wirtschaftlich ist es praktisch irrelevant (Außer für die Betrieber von Social Media Plattformen natürlich).

    4 Leserempfehlungen
    • ascola
    • 31. Mai 2013 10:21 Uhr

    Liest sich wie ein PR-Artikel einer Firma, die Social Media verkauft, oder noch besser: einer Personalagentur, die sich auf die Implementation von Social Media spezialisiert hat. PR-Artikel in Nachrichten-Medien zu lesen ist aber keine schöne Sache. Die Differenzierung müssen dann anscheinend die Leser/innen via Kommentar erbringen.

    Zur Sache selbst: ob social media etwas zur Enthierarchisierung in Unternehmen beitragen, kreative Potenziale freisetzen, fortgeschrittenen Management- und Personalführungstheorien und -idealen nahe kommen oder deren Umsetzung befördern können, ist zwar eine interessante Frage. Aber wir wissen noch gar nichts darüber, wie wir mit social media umgehen müssten, damit sich solche positiven Effekte einstellen. Von alleine wird das nicht geschehen. Und im Netz sehen wir erst mal nur, dass social media, wenn sie nicht zur direkten Kontaktpflege genutzt werden, sondern zur öffentlichen Meinungsäußerung, eher unkontrolliert Dynamiken in Gang setzen, die viele negative Seiten haben, Stichwort "Shitstorm". Im Unternehmen entfiele das zwar, wenn Mitarbeiter/innen nicht anonym posten. Aber damit ist nicht gesagt, dass die Grundlagen für eine positive Nutzung überhaupt bekannt wären.

    Im Grunde versuchen solche Artikel somit zunächst nur, auf einen Hype aufzuspringen und damit das nächste große Ding in Sachen Führungsstil zu verkaufen, mehr nicht.

    4 Leserempfehlungen
  3. Fakt ist: viele Leute wissen garnicht wie man Social Media richtig nutzt. Und noch viel schlimmer: Sie wissen überhaupt nicht, welche Macht Social Media in sich birgt.
    Über Social Media kann maximale Reichweite sowie schnelle und effiziennte Kundenkommunikation geschaffen werden. Außerdem bietet es den Kunden exzellente Möglichkeiten um neue Angebote, Informationen und News schnell erfassen zu können.[...]

    Fakt ist auch: Social Media spricht die Sprache der Gegenwart: Feeds, Tweets & Posts, Bilder, Videos und Statistiken - die heutige Welt ist angetan von visuellen Medien. Nicht zuletzt aus diesem Grund, sollten wir Social Media für Unternehmenskommunikation nutzen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/jk

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  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitgeber | Führungskraft | Kommunikation | Management | Technologie | Training
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