ExpatriatesIn der arabischen Welt gehört Patriarchen-Prinzip zur Karriere

Viele deutsche Unternehmen entsenden ihre Mitarbeiter in die Vereinten Arabischen Emirate. Ohne Kulturtraining und Anpassungsbereitschaft geht das nicht. von Ingrid Weidner

Björn Gäbler in seinem Auslandeinsatz auf der Arabischen Halbinsel

Björn Gäbler in seinem Auslandeinsatz auf der Arabischen Halbinsel  |  © privat

Stuttgart und Mekka haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Doch Björn Gäbler sieht das berufsmäßig anders. In der schwäbischen Metropole sorgte der Bahnexperte dafür, dass die S-Bahn pünktlich fuhr und in der Pilgerstadt im Königreich Saudi-Arabien war er für den reibungslosen Betrieb der neuen Metro mitverantwortlich.

Bevor im Oktober 2010 die Anfrage in seiner Dienststelle in Stuttgart eintraf, war die Arabische Halbinsel weit weg für den damals 27-Jährigen. Nach seiner Ausbildung zum Energie-Elektroniker mit dem Schwerpunkt Fahrzeuginstandhaltung in Wuppertal und einer Qualifizierung zum Ausbilder arbeitete Gäbler, der im sächsischen Zittau geboren und aufgewachsen war, viele Jahre in Baden-Württemberg. Doch als ihn sein Chef fragte, ob er sich vorstellen könne, für die Deutsche Bahn International nach Saudi-Arabien zu gehen, wirbelte diese Frage sein Leben durcheinander. "Mir war sofort klar, dass ich so eine Chance nicht jeden Tag bekomme", sagt Gäbler. "Es war auch kompliziert, da mein Sohn erst ein Jahr als war. Aber meine Frau stand hinter mir."

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Gemeinsam entschied das Ehepaar, die Chance zu nutzen, auch wenn es die kleine Familie für eineinhalb Jahre trennte. "Einmal habe ich meine Familie vier Monate lang nicht gesehen. Das war schon hart", sagt der junge Vater. 

Im Königreich Saudi-Arabien leben momentan rund acht Millionen ausländische Beschäftigte, viele von ihnen arbeiten im Niedriglohnsektor, etwa als Haushaltshilfen. Doch das dortige Wirtschaftswachstum und große Infrastrukturprojekte bringen auch viele deutsche Unternehmen und mit ihnen gut ausgebildete Fachkräfte dorthin. In dem als streng islamisch geltenden Land gibt es kaum Tourismus.

Steile Hierarchien prägen auch die Geschäftswelt

Ganz anders präsentiert sich Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Die  Metropole am Persischen Golf lockt mit Wolkenkratzern, künstlichen Inseln und Einkaufs-Centern jedes Jahr viele Touristen an. "Viele lassen sich von den sehr modern wirkenden Vereinigten Arabischen Emiraten blenden, doch dass die Gesellschaften westlich orientiert sind, ist nur eine Seite der Medaille", sagt Béatrice Hecht-El Minshawi. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin aus Bremen beschäftigt sich seit viereinhalb Jahrzehnten mit interkulturellen Fragen und bereitet mit ihrem Unternehmen Interkultur Fach- und Führungskräfte auf das Leben außerhalb Deutschlands vor.

"Die Saudis sagen von sich, dass sie eine geschlossene, bewahrende Gesellschaft sind. Die VAE beschreiben sich zwar als innovativ und offen, setzen auf Tourismus, doch beide Gesellschaften sind zurückhaltend gegenüber westlichen Einflüssen", so die Expertin. Starke Familienbande und religiöse Traditionen wirken auch in die Geschäftswelt hinein. "Überall im Orient gibt es steile hierarchische Prinzipien, die sich an alten Familienstrukturen orientieren und einen Patriarch als Oberhaupt haben. Das Gleiche gilt im Arbeitsumfeld."

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls.

    2 Leserempfehlungen
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    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde entfernt. Die Redaktion/ls.

    • Sven88
    • 23. Mai 2013 21:56 Uhr

    Beim Ballermann machen "wir" das ja wieder wett.

  2. 2. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde entfernt. Die Redaktion/ls.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "[...]"
    • Sven88
    • 23. Mai 2013 21:56 Uhr

    Beim Ballermann machen "wir" das ja wieder wett.

    Antwort auf "[...]"
    • cirkus
    • 23. Mai 2013 22:48 Uhr

    ich lieg' am boden!!! Anpassen so wie "Integration"??? laaaach Aber die Herren werden ja entsendet, ist ja was anderes, während ihre Expat-Wives dem Kolonialistenleben fröhnen. Selten so amüsiert

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    Lieber Cirkus,
    ich kann Ihnen versichern, dass das Leben als Expatwife nicht immer so einfach ist, wie Sie sich das vorstellen. Schon einmal einen Tschador getragen, um sich dann auf den Busen greifen lassen zu müssen von Männern, die anschließend die Sittenpolizei rufen, weil die Fußknöchel zu sehen waren? Wahrscheinlich nicht. Und bitte: Sagen Sie mir nicht, ich hätte ja nicht mit meinem Mann ins ein solches Land ziehen müssen. Den Spruch habe ich verwöhnte Expatfrau schon mehr als genug zu hören bekommen.

    • Gpa
    • 23. Mai 2013 23:58 Uhr

    Ich finde die Kombination aus rückständigen Einstellungen und fehlender Säkularisierung erschreckend.
    Aber wer das Geld hat, hat das Sagen und es gibt einige, die da mitspielen.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    so ist es , so ist es !

  3. 6. […]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

  4. so ist es , so ist es !

    Antwort auf "Aufklärung und so"
  5. Lieber Cirkus,
    ich kann Ihnen versichern, dass das Leben als Expatwife nicht immer so einfach ist, wie Sie sich das vorstellen. Schon einmal einen Tschador getragen, um sich dann auf den Busen greifen lassen zu müssen von Männern, die anschließend die Sittenpolizei rufen, weil die Fußknöchel zu sehen waren? Wahrscheinlich nicht. Und bitte: Sagen Sie mir nicht, ich hätte ja nicht mit meinem Mann ins ein solches Land ziehen müssen. Den Spruch habe ich verwöhnte Expatfrau schon mehr als genug zu hören bekommen.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "anpassen... hahaha"

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  • Schlagworte Karriere | Saudi Arabien | Dubai | Mekka | Riad
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