Firmenkonkurrenz : "Trennungskriminalität kann Arbeitgeber in den Ruin treiben"

Wirtschaftskriminalität verändert sich, sagt Detektiv Manfred Lotze. Bestechung und Korruption war gestern, heute gehe es um das illegale Abwerben von Mitarbeitern.

ZEIT ONLINE: Herr Lotze, Sie spüren als Detektiv kriminellen Mitarbeitern nach. Was sind die häufigsten Vergehen?

Manfred Lotze: Bislang wurden wir vor allem beauftragt, wenn Arbeitgeber den Verdacht hatten, dass ihre Mitarbeiter stehlen, bestechlich sind oder Geld unterschlagen. Seit einiger Zeit beobachten wir, dass Trennungskriminalität stark zunimmt. Sie ist mittlerweile einer der häufigsten Gründe, weshalb Unternehmen detektivische Hilfe in Anspruch nehmen.

ZEIT ONLINE: Was genau ist Trennungskriminalität?

Manfred Lotze

Der Detektiv Manfred Lotze ist Geschäftsführer der Detektei KOCK, die seit 1955 vor allem im Bereich Wirtschaftskriminalität ermittelt.

Lotze: Man spricht davon, wenn wichtige Mitarbeiter kündigen und trotz Wettbewerbsverbot bei der Konkurrenz anheuern oder vertragliche Pflichten verletzen. Oder wenn sie Patente, Innovationen oder ganze Kundendaten mitnehmen oder Betriebsgeheimnisse verraten. Jüngst hatten wir den Fall, dass eine ganze Abteilung mit sieben Personen zur Konkurrenz ging – inklusive Geschäftsführer, Einkaufs- und Vertriebsleiter sowie Außendienstmitarbeitern. Das waren Mitarbeiter, die teilweise 20, 30 Jahre lang im Unternehmen waren. Wenn so etwas passiert, ist das für einen Arbeitgeber eine dramatische Situation. Er verliert wichtiges Know-how, er verliert Marktanteile, Kundendaten und Kundenkontakte sowie Einkaufskonditionen. Es dauert Jahre, bis er das wieder aufgebaut hat. Allein um neues Personal zu rekrutieren, sind große Investitionen nötig. Trennungskriminalität kann Arbeitgeber in den Ruin treiben.

ZEIT ONLINE: Aber was ist daran illegal, den Arbeitgeber zu wechseln, wenn die Konkurrenz ein besseres Angebot macht?

Lotze: In der Regel hat der Arbeitgeber ja vorgesorgt: Mitarbeiter in Schlüsselpositionen verpflichten sich durch ihren Arbeitsvertrag unter anderem dazu, keine Betriebsgeheimnisse zu verraten. Der Arbeitgeber ist dann gut beraten, zusätzlich ein Wettbewerbsverbot  zu vereinbaren. Verstoßen die Mitarbeiter dagegen, ist das illegal. Dann kann der Ex-Arbeitgeber klagen. In dem Fall mit der abgeworbenen Abteilung hat unser Kunde umgehend Unterlassungsklage beim Arbeitsgericht erhoben und Recht bekommen. Damit waren die ausgeschiedenen Mitarbeiter daran gehindert, bei der Konkurrenz sofort tätig zu werden.

ZEIT ONLINE: Wie ermitteln Sie in diesem Bereich? 

Lotze: Wir überprüfen, ob die Aussagen der ehemaligen Mitarbeiter wahrheitsgemäß sind und ob sie sich etwa an das Wettbewerbsverbot halten. Ein beliebter Trick ist, dass die Mitarbeiter zum Schein bei einer Tochterfirma des Konkurrenten beschäftigt sind, aber in Wirklichkeit natürlich direkt für die Konkurrenz arbeiten. Wir setzen zur Beobachtung immer mindestens zwei Personen ein. Häufig ist auch ein Tarnauto notwendig. Ein Teil der Vorermittlungsarbeit erfolgt aber auch schon vom Büro aus. Wichtig ist, dass wir alles gerichtsfest dokumentieren und gegebenenfalls als Zeugen vor Gericht oder außergerichtlich bei einer Gegenüberstellung unsere Ergebnisse zur Zielsetzung des Kunden einbringen.

ZEIT ONLINE: Wie bemerkt ein Arbeitgeber denn, dass die Mitarbeiter zur Konkurrenz übergelaufen sind?

Lotze: Indizien dafür sind etwa, wenn ein Mitarbeiter auf einer Schlüsselposition überraschend kündigt und sich um die ehrliche Antwort nach der neuen Arbeitsstelle zu drücken versucht. Oder  wenn er zuvor häufig Kontakt mit Vertretern der Konkurrenz hatte und dieses Unternehmen kurz nach dem Weggang des Mitarbeiters plötzlich stark expandiert und meist recht aggressiv im großen Stil Kunden mit günstigeren Konditionen gewinnt. Nicht selten werden Patente verletzt, wenn es gelungen ist, den Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung abzuwerben.

ZEIT ONLINE: Wie wehren sich Firmen gegen die Überläufer?

Lotze: Hierzu verweise ich zunächst auf die gesetzlichen Pflichten der Unternehmensleitung, wonach Schadensfälle zu verhindern sind. Hier droht sogar persönliche Haftung.

Manche vereinbaren mit wichtigen Mitarbeitern ein Wettbewerbsverbot. In der Regel schreibt dies dann vor, dass man zwei Jahre nach Ausscheiden aus dem aktuellen Job nicht für die Konkurrenz arbeiten darf. Dafür muss der Arbeitgeber 50 Prozent des bisherigen Gehaltes dem früheren Mitarbeiter zahlen. Oder Firmen handeln mit Führungskräften ein Abwerbeverbot aus, damit es nicht zu einem Weggang einer ganzen Abteilung kommen kann. Und natürlich muss der scheidende Arbeitnehmer das Firmenlaptop und Mobiltelefon komplett in einem unversehrten Zustand zurückgeben – und zwar ohne Computerviren. Der Ex-Mitarbeiter darf auch keinen Zugang mehr zum Unternehmen haben – weder digital noch real. In einem Fall hatte sich ein früherer Mitarbeiter morgens, wenn das Putzteam tätig war, Zugang zur Firma verschafft. Er knackte das Passwort und verriet dem neuen Arbeitgeber stets die aktuellen Zahlen seines früheren Arbeitgebers.

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- sehe es nicht so, dass es wichtigeres gibt. Das kaputt machen von Firmen durch illegales Abwerben schadet der Firma und seinen Mitarbeitern und wegen des Mangels an Konkurrenz letztlich auch dem Kunden.

Gute Mitarbeiter werden meist recht gut bezahlt und behandelt, offensichtlich hat das Abwerben nicht nur etwas mit dem vorherigen Arbeitgeber zu tun sondern auch und vor allem Gier und Eigeninteresse.

Skrupellos bleibt skrupellos

Wer den Fortgang eines Teams samt Kunden,organisiert, ist skrupellos, waren das i.d.R. zuvor auch.

Ich kenne zwei Fälle, wo leitende Mitarbeiter im Außendienst je zwei Mal vom gleichen AG entlassen wurden. Beide Male Abfindung.

Fall 1:
Erster besagter Mitarbeiter, Freundin blieb im Unternehmen, etablierte sofort ein Konkurrenzunternehmen, warb dank Freundin einen Kunden nach dem anderen, dazu einige Mitarbeiter ab. Danach verließ seine Freundin das Unternehmen. Irgendwann verkaufte er seine Firma an ein Konkurrenzunternehmen, wurde dort Geschäftsführer und kam mit einer Fusion zurück ins alte Unternehmen. Da räumte er erst einmal auf. Alle, die Zeugen seines Rausschmisses gewesen waren, mussten gehen. Die, die er damals abgeworben hatte, bildeten einen Ring um ihn. Zwei Jahre später musste schließlich er wiederum gehen. Mit fetter Abfindung. Und das Spielchen ging von vorne los.

Skrupellose Vorgesetzte stellen skrupellose Führungskräfte ein

Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Unternehmen.

Vermutlich ist es richtig, dass ein skrupelloser Vorgesetzter gleichgesinnte Führungskräfte einstellt,die sich, wenn sich das Blatt wendet, sei es der Markt oder der Vorgesetzte, dann eben auch entsprechend skupellos verhalten.

Man sollte nicht vergessen, dass Menschen mit psychopathischen Zügen auch charismatisch auf Mitarbeiter wirken und diese zu sich ziehen können. In beiden Fällen saßen die direkten Vorgesetzten nicht in Deutschland, so dass sie wenig Chancen (wahrgenommen) hatten, alle Mitarbeiter zu binden.