BerufsalltagMeetings machen krank

Zu viele und schlecht geplante Besprechungsrunden sind nicht nur nervig und kosten Zeit. Sie machen krank, haben nun Arbeitspsychologen herausgefunden. von Ferdinand Knauß

Meeting. So unnötig wie der englische Begriff sind auch viele der damit bezeichneten Treffen. Während man eigentlich wichtige und interessante Aufgaben zu erledigen hat, rauben einem die Kollegen mit lähmend langweiligen Erörterungen ihrer Probleme und ziellosen Diskussionen Zeit, Nerven und Konzentrationsfähigkeit.  

Wenn Besprechungen nicht gut gestaltet werden, wenn die Teilnehmer schlecht kommunizieren und wenn zu viel Zeit dabei drauf geht, können sie sogar psychisch krank machen. Das ist die These der Arbeitspsychologinnen Eva-Maria Schulte, Tatjana Fenner und Simone Kauffeld. In der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift Personal quarterly haben sie die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, für die sie 60 Mitarbeiter eines Energieunternehmens zu ihren wöchentlichen Meetings befragten.

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Jammern macht krank

Die Befragten sitzen nach eigenen Angaben pro Woche durchschnittlich in vier Meetings, die zusammen fast sechs Stunden dauern. Für rund 58 Prozent der Befragten waren die Meetings größtenteils unproduktiv. Der Grund: Meist wurde schlecht kommuniziert. Konkret bedeutet das vor allem Jammern, Seitengespräche und Abschieben von Verantwortung. Wer sehr viel Zeit in Meetings verbrachte, litt besonders unter dieser "schlechten Kommunikation". Jammern, lästern, Zeit vertrödeln machte erwartungsgemäß vor allem jene krank, die besonders häufig in Meetings sitzen.

Schlechte Kommunikation

Typische Verhaltensweisen schlechter Kommunikation, die in Meetings immer wieder gezeigt werden, sind nach Ansicht der Autorinnen:

Jammern: Der Ist-Zustand wird ausgiebig beklagt, andere stimmen ein. Zum Beispiel: "Bei uns funktioniert gar nichts."

Schuldigensuche: Für ein Problem wird ein Teammitglied als Schuldiger ausgemacht. "Da hat Max versagt."

Seitengespräche: Die Teilnehmer eröffnen neben der Hauptdiskussion andere Gespräche. Mehrere reden durcheinander oder das Telefon klingelt während der Besprechung.

Verantwortung abschieben: Auf andere Zuständigkeit wird verwiesen. "Da ist Abteilung XY für zuständig."

Abwertung: Über andere wird gelästert oder hergezogen. "Die sitzen doch eh nur die ganze Zeit in der Küche."

Verlieren in Details: Jemand spricht ausführlich im Monolog zu einem unwichtigen Thema: "Gestern im Fernsehen haben sie auch über XY diskutiert."

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
  1. Der gute alte autoritäre Führungsstil.
    Und wenn Autorität dabei auf Sachkompetenz und nicht auf Dienstalter beruht, funktioniert das sogar ausgezeichnet.

    [...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema und verzichten auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    3 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gekürzt. Die Redaktion/ls

    [...]

    Bei dem ganzen Kommunizieren und Meeting-Gedöns heutzutage wundere ich mich, dass überhaupt noch was gearbeitet wird. In der Aufbauzeit der 50er und 60er gings mehr darum, anzupacken und was zu schaffen.

    Gekürzt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde gekürzt. Die Redaktion/ls

    Wenn mit Autorität ein von allen akzeptierter Moderator gemeint ist, stimme ich zu. Ich glaube nicht, dass es einen autoritären Boss braucht, sondern jemanden, der Meetings organisiert, strukturiert und moderiert, um die Struktur einzuhalten. Dann dürften Meetings größtenteils sinnvoll und zielführend sein.

  2. 2. […]

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gekürzt. Die Redaktion/ls

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    am autoritären Führungsstil früherer Jahre, der auf Position und nicht auf Kompetenz beruhte, war berechtigt.
    Es war aber auch nicht meine Idee, diesen als typisch männlich zu bezeichnen.
    Leider hat man mittlerweile aber das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

    Genau so wenig war es meine Idee, plötzlich eine, für das Arbeiten sehr wichtige Sozialkompetenz zu erfinden.
    Und für was bräuchte man eine Sozialkompetenz, wenn die Angestellten einfach das machen, was ihnen diejenigen, die sich damit auskennen sagen?
    Und dabei obendrein noch glücklich sind, dass man sie nicht nach ihrer Meinung zu Dingen, mit denen sie sich schlecht auskennen fragt.

    Ich verwende hier nur die allgemein gebräuchlichen Begriffe und Kategorien.
    Wenn Sie den Inhalt nicht mögen, dann kritisieren Sie bitte nicht die Form.

  3. am autoritären Führungsstil früherer Jahre, der auf Position und nicht auf Kompetenz beruhte, war berechtigt.
    Es war aber auch nicht meine Idee, diesen als typisch männlich zu bezeichnen.
    Leider hat man mittlerweile aber das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

    Genau so wenig war es meine Idee, plötzlich eine, für das Arbeiten sehr wichtige Sozialkompetenz zu erfinden.
    Und für was bräuchte man eine Sozialkompetenz, wenn die Angestellten einfach das machen, was ihnen diejenigen, die sich damit auskennen sagen?
    Und dabei obendrein noch glücklich sind, dass man sie nicht nach ihrer Meinung zu Dingen, mit denen sie sich schlecht auskennen fragt.

    Ich verwende hier nur die allgemein gebräuchlichen Begriffe und Kategorien.
    Wenn Sie den Inhalt nicht mögen, dann kritisieren Sie bitte nicht die Form.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[…]"
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    ... liegt das Schwadronieren über völlig unwichtige Details und das ermüdende Darlegen eigener Meinungen aber den Herren keineswegs weniger als den Damen.
    Wenn ich da an all das unnütze Geseier denke, das ist ganz und gar nicht nur eine Spezialität der Frauen.

    • Ullli
    • 05. Juni 2013 11:23 Uhr

    Das war mir früher im öffentlichen Dienst aufgestoßen. Das soll sich bis heute kaum verändert haben:
    Da werden regelmäßige wöchentliche Meetings im viel zu großen Kreis anberaumt, auch wenn es keine aktuellen Probleme gibt. Manche Meetings sind völlig überflüssig, weil ein Rundschreiben zur Information ausgereicht hätte. Insbesondere bei diesen überflüssigen Meetings treten die von den Autorinnen beschriebenen typischen Verhaltensweisen schlechter Kommunikation auf. Das ist dann in mehrfacher Hinsicht ärgerlich.

    Eine Leserempfehlung
  4. [...]

    Bei dem ganzen Kommunizieren und Meeting-Gedöns heutzutage wundere ich mich, dass überhaupt noch was gearbeitet wird. In der Aufbauzeit der 50er und 60er gings mehr darum, anzupacken und was zu schaffen.

    Gekürzt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde gekürzt. Die Redaktion/ls

    2 Leserempfehlungen
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    Die Meetings, unter deren Überflüssigkeit ich zu leiden habe, werden ausschließlich von Männern inszeniert, um ihre Wichtigkeit zu demonstrieren. Mit Kommunikation haben diese Versammlungen nichts zu tun.

    Aber man kann offensichtlich echt in jedem Pups noch was frauenfeindliches unterbringen. Chapeau. Als wenn Frauen nichts schaffen würden.

    Stimmt, zum Steine schleppen braucht man keine Meetings.
    Allerdings war das dann wohl auch etwas eher "Weibliches", wenn man da an die Trümmerfrauen denkt, was?

    Bitte kehren Sie zum konkreten Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/ls

  5. Nicht mehr als fünf oder zehn Minuten pro Präsentation. Nicht mehr als Fünf kurze Sätze pro Beitrag. Vorgabe, dass die Beiträge konstktiv-zukunftsträchtig sein müssen. Nicht länger als 60 Minuten.

    Mit diesen Regeln klappen auch Meetings.

  6. ...sind die fehlenden Besprechungskekse! Wenn ausreichend Besprchungskekse und Kaffee da sind, dann ist jedes Meeting toll!
    ...sogar in der "öffentlichen Verwaltung"! ;)

    Aber krank wird man trotzdem...und fett!

    2 Leserempfehlungen
  7. ...sondern die Art und Weise wie jeder einzelne agiert.
    Man muss nicht jede noch so kleine Runde mit förmlich überdrehten Protokollen durchpeitschen. Manche Zeitgenossen zwingen einen aber förmlich dazu.

    Wenn man Stakeholder hat, die sich in wichtigen Themen so rein gar keine Notizen machen, da weiss man: In 2-3 Wochen wissen die plötzlich von gar nichts mehr und es war alles ganz anders. Choleriker unter denen erbosen sich zudem dann noch, nicht informiert worden zu sein.

    Weiterhin das Thema Verantwortung. Wenn sich mal einer bequemt, eine gewisse Aufgabe unter Regie zu nehmen, ist erstmal jeder glücklich, dass sich ein Depp gefunden hat, der erstmal loslegt. Wenn es dann aber ins Detail geht und Schnittstellen zu eben denen "Mach mal"-Kollegen geht, dann ist das auf einmal gar nicht so einfach, weil man müsse sich erstmal dies und jenes einholen, weil man gar nicht so genau weiss ob man das überhaupt dürfe. Nach erfolgreichen Blockieren sind das genau diejenigen, die dann ein halbes Jahr später wieder seufzen "Ja das hätte auch schon vor x Monaten gemacht werden müssen, aber da fühlt sich ja keiner zuständig."

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  • Quelle WirtschaftsWoche
  • Schlagworte Kommunikation | Personal | Studie | Gespräch
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