Berufsalltag : Meetings machen krank

Zu viele und schlecht geplante Besprechungsrunden sind nicht nur nervig und kosten Zeit. Sie machen krank, haben nun Arbeitspsychologen herausgefunden.

Meeting. So unnötig wie der englische Begriff sind auch viele der damit bezeichneten Treffen. Während man eigentlich wichtige und interessante Aufgaben zu erledigen hat, rauben einem die Kollegen mit lähmend langweiligen Erörterungen ihrer Probleme und ziellosen Diskussionen Zeit, Nerven und Konzentrationsfähigkeit.  

Wenn Besprechungen nicht gut gestaltet werden, wenn die Teilnehmer schlecht kommunizieren und wenn zu viel Zeit dabei drauf geht, können sie sogar psychisch krank machen. Das ist die These der Arbeitspsychologinnen Eva-Maria Schulte, Tatjana Fenner und Simone Kauffeld. In der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift Personal quarterly haben sie die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, für die sie 60 Mitarbeiter eines Energieunternehmens zu ihren wöchentlichen Meetings befragten.

Jammern macht krank

Die Befragten sitzen nach eigenen Angaben pro Woche durchschnittlich in vier Meetings, die zusammen fast sechs Stunden dauern. Für rund 58 Prozent der Befragten waren die Meetings größtenteils unproduktiv. Der Grund: Meist wurde schlecht kommuniziert. Konkret bedeutet das vor allem Jammern, Seitengespräche und Abschieben von Verantwortung. Wer sehr viel Zeit in Meetings verbrachte, litt besonders unter dieser "schlechten Kommunikation". Jammern, lästern, Zeit vertrödeln machte erwartungsgemäß vor allem jene krank, die besonders häufig in Meetings sitzen.

Schlechte Kommunikation

Typische Verhaltensweisen schlechter Kommunikation, die in Meetings immer wieder gezeigt werden, sind nach Ansicht der Autorinnen:

Jammern: Der Ist-Zustand wird ausgiebig beklagt, andere stimmen ein. Zum Beispiel: "Bei uns funktioniert gar nichts."

Schuldigensuche: Für ein Problem wird ein Teammitglied als Schuldiger ausgemacht. "Da hat Max versagt."

Seitengespräche: Die Teilnehmer eröffnen neben der Hauptdiskussion andere Gespräche. Mehrere reden durcheinander oder das Telefon klingelt während der Besprechung.

Verantwortung abschieben: Auf andere Zuständigkeit wird verwiesen. "Da ist Abteilung XY für zuständig."

Abwertung: Über andere wird gelästert oder hergezogen. "Die sitzen doch eh nur die ganze Zeit in der Küche."

Verlieren in Details: Jemand spricht ausführlich im Monolog zu einem unwichtigen Thema: "Gestern im Fernsehen haben sie auch über XY diskutiert."

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Henne & Ei

"Die Meetings, unter deren Überflüssigkeit ich zu leiden habe, werden ausschließlich von Männern inszeniert, um ihre Wichtigkeit zu demonstrieren. Mit Kommunikation haben diese Versammlungen nichts zu tun."

Ich würde mal behaupten, dass da durchaus alle ihre Wichtigkeit zur Schau stellen wollen. Umso mehr, seit die Strukturen durch mannigfaltige emazipatorische Bewegungen so richtig weichgespült wurden. Scheinbar jedenfalls.

Ich habe stets lieber unter einer starken Hierachie gearbeitet, in der einer das Sagen hat und! die Verantwortung zu tragen weiss, anstatt die Mannschaft labern zu lassen und dann Verantwortliche auszugucken, wenn mal was schiefgeht.

Jedenfalls bleibt für mich interessant festzuhalten, dass die Zunahme von Frauen in der Berufswelt mit der Vermehrung der Meetings korreliert. Ein Zusammenhang dürfte bestehen, wobei unklar ist, was dabei Ursache und Wirkung ist.