Work-Life-BalanceAllein sein macht gesund

Freizeit ist wichtig, um Stress im Job vorzubeugen. Forscher fanden nun heraus: Auch Alleinsein ist wichtig, um gesund zu bleiben. von Ferdinand Knauß

Ein Zimmer für sich allein. Virginia Woolfs Essay von 1929, in dem sie das Recht auf eine Privatsphäre für ihre Geschlechtsgenossinnen einfordert, gilt als einer der wichtigsten Texte der Frauenbewegung. Woolf hatte durchaus Recht: Zeit und Raum für sich allein sind zentrale Voraussetzungen für ein freies, glückliches Leben und die körperliche und seelische Gesundheit.

Eine Rückzugsmöglichkeit und Zeit zu haben, seinen Gedanken nachhängen zu können, bestimmte Fähigkeiten zu kultivieren und sich von Arbeits- und Sozialstress abzugrenzen, ist von zentraler Bedeutung für das Wohlbefinden sind. Nun bestätigen es Untersuchungen von Psychologen an der Technischen Universität Dresden.

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Antje Proske und ihre Kollegen fragten 491 Studenten, wie viel Zeit sie für ihre Arbeit, für andere und für sich selbst haben. Der Untersuchung zufolge litten diejenigen Befragten, die angaben, dass sie genügend Zeit hatten "für ihre Freunde oder die Familie", "über sich selbst nachdenken zu können" oder "für die täglichen Pflichten bei der Arbeit", am seltensten unter körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen. 

Arbeit, Selbstzeit, Freizeit

Eine gewisse Zeit des Alleinseins bestimmt, so die Autoren, zu einem Großteil die eigene Gesundheitsfürsorge und sie ist durch gemeinsame Freizeit mit anderen nicht ersetzbar.

Zu viel Einsamkeit allerdings, das zeigte sich erwartungsgemäß auch, ist hingegen nicht hilfreich. Alle drei Bereiche – Arbeit, Miteinander, Alleinsein – sollten in einer Balance stehen. Eine hohe Selbststeuerungsfähigkeit ("Ich kann gut meine Anspannung verringern, wenn man mich nervt.") und Selbstwertgefühl ("Alles in allem bin ich zufrieden mit mir.") korrelierten bei den befragten Studenten mit einer ausgeglichenen Balance der drei Zeitkomponenten. Die Autoren empfehlen statt dem etablierten zweidimensionalen Work-Life-Balance-Modell (Arbeit und Freizeit) ein dreidimensionales, das aus Arbeit, Selbstzeit sowie sozialer Freizeit besteht. 

Erschienen in der WirtschaftsWoche


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Leserkommentare
  1. Ist das nicht wie mit allem im Leben: die Balance macht es und das Pendeln zwischen den Bedürfnissen (die natürlich bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt sind). Mir war es immer ein Grundbedürfnis, eine gewisse Zeit für mich selbst zu haben - und ich bin ein durchaus geselliger und kommunikativer Mensch. Aber man braucht auch Zeit, Eindrücke zu sortieren, Erlebnisse sacken zu lassen, seinen inneren Standort zu bestimmen - das geht nur im Alleinsein.

    4 Leserempfehlungen
  2. Einige gute Hinweise im Artikel.
    Der Aussagewert der Studie wäre für mich noch größer, wenn man die Probandengruppe nach differenzierter betrachtet.
    Von allen, teilweise krampfhaften Versuchen, Menschen nach Eigenschaften zu typisieren, hat sich die Introvertiertheit/Extrovertiertheit (es handelt sich dabei natürlich um ein Kontinuum) angeblich als einzig statistisch valides Charakteristikum erwiesen (Persönlichkeitsprofilen wie dem Myers-Briggs).
    Nun ist es nicht so, daß Introvertierte etwas gegen Gesellschaft oder andere Menschen hätten, jedoch einfach immer wieder Zeit alleine brauchen, um Energie zu schöpfen (und die durchaus willkommene Gesellschaft anderer sie eher erschöpft als extrovertierte Zeitgenossen) , während Extrovertierte gerade in Gesellschaft Kraft und Energie schöpfen (und Alleinsein sogar an ihren Kräften zerrt). Leider ist unsere Gesellschaft in Wertschätzung und Gestaltung der Lebensumstände eher (und zunehmend mehr) an den Extrovertierten orientiert.
    Es wäre interessant gewesen, daß bei der Studie zu berücksichtigen (was im Original womöglich geschehen ist).

    Ich empfehle die Bücher
    -Still: Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt (Susan Cain)
    -The Introvert Advantage (Marti Olsen Laney)

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich tue mir schwer mit dieser Differenzierung: bei mir ist beides der Fall: ich schöpfe positive Energie aus sozialen Kontakten wie auch aus dem Alleinsein. Auf der anderen Seite kann es mich komplett umhauen , wenn eines davon zur falschen Zeit kommt.

    Außerdem find ich die Über-Überschrift nicht ganz stimmig: Alleinesein hat m-M. nichts mit der Work-Life-Balance zu tun. Denn "work" schließt "Zeit für sich" schon von vorne herein aus.

  3. Ich tue mir schwer mit dieser Differenzierung: bei mir ist beides der Fall: ich schöpfe positive Energie aus sozialen Kontakten wie auch aus dem Alleinsein. Auf der anderen Seite kann es mich komplett umhauen , wenn eines davon zur falschen Zeit kommt.

    Außerdem find ich die Über-Überschrift nicht ganz stimmig: Alleinesein hat m-M. nichts mit der Work-Life-Balance zu tun. Denn "work" schließt "Zeit für sich" schon von vorne herein aus.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Stille !"
  4. "Alle drei Bereiche – Arbeit, Miteinander, Alleinsein – sollten in einer Balance stehen."

    Ja, ich möchte mal eine Studie sehen in der steht: und Arbeit, Miteinander und Alleinsein sollten keineswegs in einer Balance stehen.
    Was ist die Balance? Wovon abhängig? Kann man's überhaupt wissen?...
    Th.R.

    Eine Leserempfehlung
    • noon44
    • 14. Juni 2013 12:29 Uhr

    Ich halte das schon immer für einen der Hauptgründe dafür, dass Arbeiten in Büros - am schlimmsten in Großraumbüros - krank macht: Keine Privatsphäre, keine Sekunde alleine, permanente Beobachtung. Dem entfliehen kann man schließlich nur indem man sich auf die Toilette zurückzieht. Eine Situation, die an Würdelosigkeit kaum zu überbieten ist.

    12 Leserempfehlungen
    • 2b
    • 14. Juni 2013 13:55 Uhr

    des 23. Jahrhunderts???

    ... eine Frage der Lebenserfahrung und des Bildungsniveaus

    Eine Leserempfehlung
  5. Als berufstaetige Mutter von zwei Kindern kann ich nur hoffen, dass die Erkenntnis aus der Studie noch weiter bekannt gemacht wird. Aus eigner Erfahrung kann ich bestaetigen, dass man auch mal ein wenig Zeit allein sehr geniessen kann. Einfach aufs Fahrrad setzen und eine Stunde durch die Gegend fahren ist schon ein Wundermittel.

    2 Leserempfehlungen
    • FPopp
    • 14. Juni 2013 18:51 Uhr

    Tut mir leid, aber das war ein absolut nichtssagender Artikel. Vielleicht ist die zugrundeliegende Studie genauso nichtssagend, dann gilt die Kritik (auch) dieser - aber warum dann überhaupt einen Artikel zu diesem Thema?

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle WirtschaftsWoche
  • Schlagworte Arbeit | Freizeit | Gesundheit | Familie
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