Mindestens 1,5 Liter Wasser soll man täglich trinken, das empfehlen Ernährungsexperten. Etwa jeder zweite Befragte  schafft das nicht, stellt die Ernährungsstudie Iss was, Deutschland  der Techniker Krankenkasse fest. Ihr zufolge fällt es 43 Prozent der Befragten schwer, im Job auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung zu achten. Unter Frauen sind es etwas mehr (47  Prozent), unter den Männern etwas weniger (41 Prozent). 

Besonders wenig trinken offenbar Beschäftigte mit einem höheren Bildungsabschluss, die einen Bürojob ausüben: Fast 60 Prozent von ihnen haben der Untersuchung zufolge Probleme damit, die empfohlene Flüssigkeitsmenge zu sich zu nehmen. Vielleicht, weil eine körperlich nicht anstrengende Tätigkeit weniger schnell durstig macht als andere Jobs. Oder, weil man sich an Flüssigkeitsmangel leicht gewöhnen kann.

Erst, wenn er größer wird, klagen viele über Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Das Gehirn besteht zu etwa 80 Prozent aus Wasser – kein Wunder, dass sich der Wassermangel auch im Kopf bemerkbar macht. Zudem führt er zu dickflüssigem Blut, was Kreislauf und Verdauung belastet.

Experten streiten allerdings darüber, wie viel Flüssigkeitszufuhr der Mensch tatsächlich benötigt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung etwa rät Büroarbeitern zu 1,5 Litern pro Tag. In den warmen Frühlings- und Sommermonaten solle es ihr zufolge das Doppelte sein. Mindestens drei Liter täglich solle auch zu sich nehmen, wer schwere körperliche Arbeit verrichte. Forscher der amerikanischen University of Pennsylvania hingegen, die vor einigen Jahren mehrere klinische Studien zu Wasserkonsum und Gesundheit auswerteten, konnten nicht nachweisen, dass Menschen, die mindestens zwei Liter pro Tag tranken, gesünder waren als andere.

Kaffee ist gesund

Fakt ist: Durchschnittlich 2,5 Liter Wasser scheidet ein Erwachsener im Laufe eines Tages aus, einen Teil davon über die Atmung. Gut einen Liter Wasser bekommt der Körper über feste Nahrung wieder zurück. Viele Obst- und Gemüsesorten enthalten bis zu 70 Prozent Wasser,  Fleisch kann sogar zu 75 Prozent aus Wasser bestehen. Gurken sind mit 95 Prozent am wasserreichsten. Gut 300 Milliliter stellt der Körper durch seine Stoffwechselvorgänge selbst her. Der Rest muss über Getränke zugeführt werden. Als besonders geeignet gelten Leitungswasser, Mineral-, Quell- und Tafelwasser sowie Fruchtsaftschorlen.

Selbst Kaffee ist gesünder als gedacht. Durchschnittlich 150 Liter Kaffee im Jahr trinkt jeder Deutsche im Schnitt. Lange galt er als ungesund. Er entziehe dem Körper Wasser, sorge für hohen Blutdruck, übersäuere das Blut  und sei nicht gut fürs Herz.    

Kaffee senkt Diabtes-Risiko

Gleich mehrere Ernährungsstudien, die die Wirkung von Kaffee kritisch untersuchten, konnten die angeblichen negativen Effekte aber nicht nachweisen. Eine Untersuchung kam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Für sie befragten die Forscher 42.600 gesunde Erwachsene neun Jahre lang immer wieder zu ihrer Ernährung und ihrem Lebensstil.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Bis zu vier Tassen Kaffee pro Tag sind nicht gesundheitsschädlich. Sie können sogar in die tägliche Flüssigkeitsbilanz miteinbezogen werden. Zwar wirkt Kaffee zunächst harnanregend, insbesondere bei Menschen, die nicht oft Kaffee trinken. Bei passionierten Kaffeetrinkern ist der Effekt allerdings nicht mehr nachweisbar.

Die Forscher fanden auch heraus, dass täglicher Kaffeekonsum nicht vermehrt zu  Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Im Gegenteil, die Wissenschaftler konnten feststellen, dass die Kaffeetrinker weniger häufig an Diabetes des Typ 2 erkrankten. Das Risiko derjenigen, die mehr als vier Tassen pro Tag tranken, war um 23 Prozent geringer als das derjenigen, die weniger als eine Tasse am Tag zu sich nahmen.

Zu viel Trinken schadet

Übrigens kann man es mit dem Trinken auch übertreiben. In der Medizin sind Wasservergiftungen dokumentiert, darunter der Fall eines 22-jährigen Athleten, der im Jahr 2007 am London-Marathon teilnahm. Er starb, weil er zu viel getrunken hatte.  

Der Effekt ist paradox: Wenn jemand zu schnell zu viel Wasser zu sich nimmt, fällt der Natriumgehalt im Blut stark ab. Das führt zu einem großen Durstgefühl. Man trinkt immer mehr, wodurch eine Überwässerung des Körpers entsteht. Irgendwann wird der Salzverlust zu groß, und es kann zu Hirnschwellungen kommen.

Um eine Wasservergiftung zu bekommen, müsste man aber viel mehr als sieben oder acht Liter in kurzer Zeit trinken. Das dürfte selbst einem Kaffeejunkie mit Schreibtischjob schwerfallen.