Personalgespräch : Zum Personalgespräch, hopp hopp!

Der Arbeitnehmer wird zum Personalgespräch gebeten. Wie er sich vorbereiten sollte und was seine Rechte sind, erklärt Jurist Ulf Weigelt in der Arbeitsrechtskolumne.

Mein Chef hat mir einen Termin zum Personalgespräch geschickt. Auf was soll/muss ich mich vorbereiten?, fragt Michael Franke.

Sehr geehrter Herr Franke,

lädt der Chef zum Personalgespräch, fragen sich die meisten Mitarbeiter, ob sie dieses Gespräch überhaupt führen müssen oder ob der Chef es anordnen kann? Und auch, ob er verpflichtet ist, den Grund zu nennen?

Aber auch Vorgesetzte sind häufig unsicher, denn eine ausdrückliche gesetzliche Regelung zu Personalgesprächen existiert nicht. Nicht selten führen diese Unsicherheiten daher zu Konflikten.

Möchte Ihr Chef im Personalgespräch mit Ihnen über Ihre Arbeitsleistung oder Ihr Verhalten im Betrieb sprechen, können Sie sich nicht widersetzen. Tun Sie das doch, darf Ihr Chef eine Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar eine Kündigung aussprechen. Denn er kann aufgrund seines Weisungsrechts solch ein Gespräch einseitig anordnen. Vorausgesetzt: Das Gespräch findet während der Arbeitszeit statt und es existiert ein sachlicher Anlass. Nutzt Ihr Chef solche Personalgespräche ausschließlich dafür, Sie zu schikanieren und ordnet sie deshalb auch noch außerhalb Ihrer Arbeitszeit an, müssen Sie dem Gesprächstermin nicht folgen.

Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts müssen Mitarbeiter noch nicht einmal zum Personalgespräch erscheinen, wenn ausschließlich über eine Änderung der Vertragsbedingungen oder gar der Vertragsbeendigung gesprochen werden soll – denn soweit geht das Weisungsrecht eines Arbeitgebers nicht.

Das heißt für Sie: Einerseits müssen Sie nicht jedem Personalgesprächstermin nachkommen. Um hier eine Entscheidung treffen zu können, muss Ihnen der Gesprächsinhalt genannt werden. Aber auch: Ordnet Ihr Arbeitgeber das Gespräch rechtmäßig an, müssen Sie persönlich erscheinen.

Ein Recht darauf, rechtlichen Beistand (z.B. in Form eines Fachanwalts für Arbeitsrecht) mitzubringen haben Sie nicht. Es sei denn, Ihr Chef bringt betriebsfremde Personen mit zum Gespräch, dann dürfen auch Sie sich eine Unterstützung mitbringen.

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