SabbaticalWie nimmt man eine bezahlte Job-Auszeit?

Die Mitarbeiterin möchte drei Monate Sabbatical nehmen – am besten bezahlt. Welche Möglichkeiten es gibt, erklärt Ulf Weigelt in der Arbeitsrechtskolumne. von 

Ich möchte gerne für drei Monate eine Auszeit vom Job nehmen. Welche Möglichkeiten habe ich, trotzdem mein Gehalt und meine Sonderleistungen weiter zu beziehen?, fragt Manuela Feichter.

Sehr geehrte Frau Feichter,

es gibt an und für sich verschiedene Möglichkeiten, eine Freistellungsphase zu finanzieren. Allerdings müssen dann auch entsprechende Grundvoraussetzungen diesbezüglich bestehen.

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Da ist zum einen ein Zeitwertkonto: Sie füllen dieses Konto durch Überstunden, Urlaubstage oder auch Gratifikationen sowie Einmalzahlungen auf. Während Ihrer Auszeit erhalten Sie dann das "angesparte" Guthaben als normales Gehalt ausgezahlt. Ein Vorteil: Da Ihr Gehalt während der Freistellung weiterläuft, entstehen auch weiterhin Rentenansprüche.

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Das Zeitwertkonto hat aber Grenzen, denn Sie und Ihr Arbeitgeber müssen sowohl die gesetzliche Arbeitszeit als auch den Mindesturlaub einhalten. Daher bietet sich das Zeitwertkonto an, wenn Sie lange im Voraus planen können oder Ihre Freistellungsphase entsprechend kurz ist.

Auch die Elternzeit lässt sich nutzen

Eine andere Möglichkeit ist ein Teilzeitvertrag: Sie arbeiten über die im Arbeitsvertrag vereinbarte Arbeitszeit hinaus und sparen die Zeit an. Oder Sie vereinbaren mit Ihrem Arbeitgeber einen befristeten Lohnverzicht: Sie arbeiten wie bisher, erhalten aber nur einen gewissen Teil Ihres Gehalts. Auch hier erwirtschaften Sie ein Guthaben, das sie während Ihrer Freistellungsphase erhalten.

Haben Sie einen Anspruch auf Elternzeit, können Sie diesen ebenfalls für die Auszeit nutzen. Ist Ihr Arbeitgeber einverstanden, können Sie diesen nämlich verschieben. Sie müssen hier nur darauf achten, dass Sie die Elternzeit bis zum achten Geburtstag Ihres Kindes genommen haben.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Bei all diesen Möglichkeiten können Sie nicht nur auf ein regelmäßiges Gehalt zählen, sondern auch auf Ihre soziale Absicherung. Denn Ihre Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Pflege sowie Krankenversicherung laufen zwar reduziert, aber ohne Unterbrechung weiter.

Eine weitere Möglichkeit ist der unbezahlte Urlaub. Diese Variante hat meiner Meinung nach aber mehrere Nachteile: Sie verfügen in der Freistellungsphase nicht nur über kein Gehalt, sondern zahlen auch keine Rentenversicherungsbeiträge ein – und dies wirkt sich negativ auf die Höhe Ihrer späteren Rente aus. In solchen Fällen ist es ratsam, monatlich den Mindestbeitrag aus eigener Tasche einzuzahlen. Dies gilt auch für Ihre Krankenversicherung, auf die im gar keinen Fall verzichtet werden sollte. Planen Sie Ihre Auszeit im Ausland, benötigen Sie meist auch noch eine entsprechende Zusatzversicherung.

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Leserkommentare
  1. Wer eine echte dreimonatige Auszeit nimmt erhält Abzüge bei der Rente, wer hingegen bei der Zeitabrechnung betrügt nicht?

    Ist ja gut dass Sie über solche Betrugsmethoden berichten, damit das publik wird.

    Aber warum so ganz wertneutral, finden sie es nicht zum Schämen, dass es solche legalen Betrugsmöglichkeiten gibt?

    Eine Leserempfehlung
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    Was Sie Betrug nennen, ist zum Beispiel bei der Altersteilzeit längst gesetzlich geregelt:

    Sie arbeiten genauso weiter wie vorher, bekommen aber Gehalt, als würden Sie Teilzeit arbeiten. Der Differenzbetrag wird angespart. Zwei Jahre vor dem regulären Rentenantritt gehen Sie in die Ruhephase - Sie arbeiten gar nicht mehr, beziehen aber weiterhin Ihr (Teilzeit)Gehalt. Nach zwei Jahren gehen Sie dann in Rente.

    Genauso könnte es auch für eine kürzere Auszeit sein - Sie arbeiten praktisch vor und können dann in einer Ruhephase weiter Gehalt beziehen.

    Da ein Gehalt ganz normal sozial- und rentenversichert wird, erwerben Sie trotzdem ganz normal Rentenansprüche - bei reduziertem Gehalt freilich weniger als bei einem Vollzeitgehalt.

    Also betrogen wird hier niemand - höchstens gibt der AN dem AG einen "Kredit" an Arbeitszeit, den er sich in der Ruhephase wieder "auszahlen" lässt.

  2. .. ist für die Deutschen das falsche Wort. Der Deutsche hat viel zu viel Angst, keine Rentenbeiträge zu zahlen. Der buckelt lieber bis zum Ende durch. Wie ehrenwert!

  3. Ich glaube kaum, daß drei Monate fehlender Rentenbeiträge, sich auf 40 Jahre Beitragszahlung bemerkbar machen !
    Ich vermute eher, daß die Kollegen, auf die die ganze Arbeit verteilt werden würde, dieses "Sabbatical" zu verhindern wissen. Bei der heutigen dünnen Personaldecke ist kein Spielraum für so etwas !

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  4. Was Sie Betrug nennen, ist zum Beispiel bei der Altersteilzeit längst gesetzlich geregelt:

    Sie arbeiten genauso weiter wie vorher, bekommen aber Gehalt, als würden Sie Teilzeit arbeiten. Der Differenzbetrag wird angespart. Zwei Jahre vor dem regulären Rentenantritt gehen Sie in die Ruhephase - Sie arbeiten gar nicht mehr, beziehen aber weiterhin Ihr (Teilzeit)Gehalt. Nach zwei Jahren gehen Sie dann in Rente.

    Genauso könnte es auch für eine kürzere Auszeit sein - Sie arbeiten praktisch vor und können dann in einer Ruhephase weiter Gehalt beziehen.

    Da ein Gehalt ganz normal sozial- und rentenversichert wird, erwerben Sie trotzdem ganz normal Rentenansprüche - bei reduziertem Gehalt freilich weniger als bei einem Vollzeitgehalt.

    Also betrogen wird hier niemand - höchstens gibt der AN dem AG einen "Kredit" an Arbeitszeit, den er sich in der Ruhephase wieder "auszahlen" lässt.

    2 Leserempfehlungen
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    • Arimus
    • 06. Juni 2013 13:13 Uhr

    In unserer heutigen Wirtschaftswelt geht alles so schnell und vielleicht sollten wir einmal entwas entspannter und flexibler denken. Warum nicht in gewisser Weise vorarbeiten, um sich dann vielleicht doch einmal zum Beispiel eine Weltreise zu gönnen. Da wo es machbar ist, sollten beide Parteien gemeinsam an einer Lösung arbeiten und das muß nicht ein gemeinsamer "Betrug" sein. Fair sollte es zugehen, nicht mehr und nicht weniger.

    • Arimus
    • 06. Juni 2013 13:13 Uhr

    In unserer heutigen Wirtschaftswelt geht alles so schnell und vielleicht sollten wir einmal entwas entspannter und flexibler denken. Warum nicht in gewisser Weise vorarbeiten, um sich dann vielleicht doch einmal zum Beispiel eine Weltreise zu gönnen. Da wo es machbar ist, sollten beide Parteien gemeinsam an einer Lösung arbeiten und das muß nicht ein gemeinsamer "Betrug" sein. Fair sollte es zugehen, nicht mehr und nicht weniger.

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    Antwort auf "Betrug?"

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