SchadensreguliererVersicherungsbetrügern auf der Spur

Schadensregulierer klären, ob die Versicherung zahlt oder ein Betrugsfall vorliegt. Dabei müssen sie Detektivarbeit leisten, zeigt der Beruf der Woche. von 

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE  |  © Tim Boyle/Getty Images

Wenn Handy, Notebook oder Flachbildfernseher zu Bruch gehen und als Versicherungsfall eingereicht werden, ist das ein Job für Schadensregulierer. Sie prüfen, ob die Versicherung den Schaden übernehmen muss oder nicht. Nicht immer ist die Arbeit vom Büro aus möglich, sie ermitteln auch vor Ort. Beispielsweise, wenn der Verdacht von Versicherungsbetrug im Raum steht. Allerdings treibt nicht nur Misstrauen die Versicherungsmitarbeiter aus dem Büro – sind die Schäden wie etwa bei einem Wasserschaden sehr groß, helfen sie den Kunden, den Schaden überhaupt zu beziffern.

Markus Wulfert arbeitet als Schadensregulierer. Er leitet das Kompetenzcenter Schaden bei der Gothaer Allgemeine Versicherung AG. "Wir sind sozusagen die Augen und Ohren einer Versicherung", sagt er.

Anzeige

"Wir wollen aber nicht allein auf diese Aufgabe reduziert werden und auch nicht als Versicherungsdetektive bezeichnet werden."

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

Schon mal einen Kampfmittelräumer oder einen Bird Controller bei der Arbeit erlebt?

Jede Woche stellt unser Autor Markus Schleufe einen ungewöhnlichen Job in unserer Serie "Beruf der Woche" vor. 

Als E-Book kaufen

Die besten Folgen können Sie auch als E-Book kaufen: www.zeit.de/ebooks.

Auch wenn ein Teil Detektivarbeit dazugehört. Schadensregulierer prüfen alle Angaben akribisch, rekonstruieren die Fälle bis ins Detail, befragen Sachverständige und sogar Zeugen. Wird nach einem Feuer Brandstiftung befürchtet, kommen auch mal private Ermittler zum Einsatz, die bei der Suche nach Hinweisen für Versicherungsbetrug behilflich sind.

Täuschung komme vor allem bei Unterhaltungselektronik häufig vor, sagt Wulfert. "Wenn beispielsweise das Nachfolgemodell eines Handys in den Handel kommt, werden die Vorgängermodelle ungewöhnlich häufig Gegenstand eines Versicherungsfalles. Da sind wir dann besonders hellhörig."

Schadensregulierer arbeiten im Innen- und Außendienst. Während im Büro die Fälle am Schreibtisch bearbeitet werden, sind die Außendienstler viel unterwegs und besuchen die Unfallorte.

Logisches Denken, ein guter Umgang mit Menschen, branchenrelevantes Wissen, technischer Sachverstand sowie handwerkliche Kenntnisse sind wichtig für die Arbeit.

Keine klassische Ausbildung möglich

Eine klassische Ausbildung zum Schadenregulierer gibt es nicht. Viele haben ein Jura- oder BWL-Studium absolviert und eine Ausbildung bei einer Versicherung abgeschlossen und wechseln im Laufe ihrer Tätigkeit bei einer Versicherung in die Schadensregulierung. Erst nach einigen Jahren im Innendienst ist ein Wechsel in den Außendienst möglich. Nicht wenige spezialisieren sich auf einen bestimmten, meist technischen Bereich.

Wulfert schätzt die Abwechslung an seiner Tätigkeit, allerdings gebe es auch Schattenseiten. "Es ist mitunter belastend, wenn Menschen auf eine Erstattung angewiesen sind. Oft müssen wir eine Entscheidung treffen, die sachlich korrekt ist, aber aus menschlicher Sicht für die Kunden zum Nachteil ausfällt. Das ist auch für uns nicht immer leicht", sagt Wulfert. "Allerdings überwiegt die Freude und Dankbarkeit in Fällen, in denen wir helfen können."   

  • Verdienst: variiert;
  • Ausbildung: keine spezielle Ausbildung möglich;
  • Arbeitszeit: variiert;
Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. "Es ist mitunter belastend, wenn Menschen auf eine Erstattung angewiesen sind. Oft müssen wir eine Entscheidung treffen, die sachlich korrekt ist, aber aus menschlicher Sicht für die Kunden zum Nachteil ausfällt. Das ist auch für uns nicht immer leicht", sagt Wulfert. "Genau ich sehen die Damen und Herren leiden, die dann ganz sachgerecht mal die Schadensberechnung eines unabhaengigen Sachverstaendigen in Frage stellen, so dass ein Zivilprozess anhaengig wird, mit der klammheimlichen Hoffnung, dass der Geschaedigte das wohl kostenmaessig nicht durchsteht, so dass man natuerlich nur im Interesse aller Versicherten die Schadenshoehe angenehm begrenzen kann.

    3 Leserempfehlungen
  2. ... eigentlich gegen schlechte Versicherer / Versicherungsgesellschaften und deren geschwätzigen Außendienst??? Schade das aus der Branche noch keiner auf den Trichter gekommen ist ... ich würde sowas gerne abschließen ;-) hehe

    via ZEIT ONLINE plus App

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    eine Rechtsschutzversicherung bei einer anderen Versicherung abschließen.

    Meinem Freund haben Vandalen das Auto komplett geschrottet, 10k Euro Schaden. Was sagt der Gutachter? Das war er selber. Obwohl das Gegenteil bewiesen ist.

    Ich hoffe dass die Anzeige meines Freundes ihm die Karriere kostet.

  3. eine Rechtsschutzversicherung bei einer anderen Versicherung abschließen.

    Meinem Freund haben Vandalen das Auto komplett geschrottet, 10k Euro Schaden. Was sagt der Gutachter? Das war er selber. Obwohl das Gegenteil bewiesen ist.

    Ich hoffe dass die Anzeige meines Freundes ihm die Karriere kostet.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >> Ich hoffe dass die Anzeige meines Freundes ihm die Karriere kostet. <<

    ... nicht über die Maßen enttäuscht sein, wenn das nicht der Fall ist. Gutachter sind sakrosankt.

    Die können - selbst als vereidigte Gutachter vor Gericht - hanebüchenen Dummfug schreiben, bekommen das noch fürstlich vergütet und bleiben bei einer Anzeige meist straflos, denn man müsste ihnen den Vorsatz nachweisen.

    Blödheit und Irrtum sind nicht verboten, und darauf können die sich notfalls immer berufen.

  4. Jammer jammer jammer, diese bösen Versicherten, schließen Versicherungen ab und wollen im Schadensfall tatsächlich ausbezahlt werden, es ist nicht zu fassen.
    Und natürlich, die betrügen durch die Bank und zwar alle.

    Gibt es eigentlich auch Studien, die aufweisen, wie viele Menschen im Laufe ihres Lebens in Versicherungen ein bezahlen und diese niemals in Anspruch nehmen?
    Wahrscheinlich eher nicht. ;)

    Ist für mich dieselbe Jammerei wie von Vermietern (diese schlimmen Mietnomaden) oder AG (diese faulen unkündbaren AN).
    Weil es ein paar wenige schwarze Schafe gibt, hat man einen Grund, die anderen ebenfalls mies zu behandeln, obwohl die dann immer ehrlich sind

    2 Leserempfehlungen
  5. .
    ... Kunden mit vielerlei Tricks von Hinhaltetaktik ("... wir prüfen das, Sie hören von uns ...") bis Verleumdung (".... der Vandalismus? - War er selber ...") um die Regulierung zu betrügen, nachdem sie die selben Kunden zuvor mit allerlei vollmundigen Versprechungen in trügerische Sicherheit gewiegt haben.

    Das ist lästig, aber menschlich lehrreich, wenn sich's um Reiserücktritte oder Handy-Policen handelt.

    Richtig menschenverachtend wird das hingegen bei manchen Krankenversicherungen, oder wenn die Hyänen in der Rechtsabteilung einer Lebensversicherung den hinterbliebenen halbwüchsigen Kindern die Auszahlung verweigern, bis das Elternhaus versteigert wird, obschon keinerlei objektiver Grund zur Verschleppung besteht.

    Versicherungen verkaufen bekommt dadurch leider etwas zutiefst durchtriebenes und anrüchiges, vergleichbar vielleicht mit Drogendealerei auf dem Schulhof oder mit vorsätzlichem Anlagebetrug durch den freundlichen Bankberater ...

    5 Leserempfehlungen
  6. >> Ich hoffe dass die Anzeige meines Freundes ihm die Karriere kostet. <<

    ... nicht über die Maßen enttäuscht sein, wenn das nicht der Fall ist. Gutachter sind sakrosankt.

    Die können - selbst als vereidigte Gutachter vor Gericht - hanebüchenen Dummfug schreiben, bekommen das noch fürstlich vergütet und bleiben bei einer Anzeige meist straflos, denn man müsste ihnen den Vorsatz nachweisen.

    Blödheit und Irrtum sind nicht verboten, und darauf können die sich notfalls immer berufen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Da gibt es was"
  7. Liebe ZEIT Online Redaktion,

    wenn bei so gut wie jedem Beruf, den Sie vorstellen, am Ende so etwas steht:

    'Verdienst: variiert;
    Ausbildung: keine spezielle Ausbildung möglich;
    Arbeitszeit: variiert;',

    dann können Sie die Info gleich weglassen, mit 'variiert' kann nämlich niemand was anfangen.

    Eine Leserempfehlung
  8. Für unterforderte Schadensregulierer liegt gerade ein interessanter Fall von möglichem Versicherungsbetrug, der über den Gegenwert eines gebrauchten Handys hinausgeht, in der Ostsee...

    http://www.schiffe-und-kreuzfahrten.de/erste-bilder-der-gesunkenen-ms-ge...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Beruf der Woche
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ausbildung | Jura | Handel
Service