Die Stimme von Gerrit Schmidt-Foß hat wahrscheinlich fast jeder schon einmal gehört. Denn er leiht dem Hollywoodschauspieler Leonardo DiCaprio immer dann seine Stimme, wenn ein Film vom Englischen ins Deutsche übersetzt wird. Schmidt-Foß arbeitet als Synchronsprecher.

Einfach ist der Job nicht. "Wenn der Schauspieler beispielsweise laut wird, muss auch ich laut werden, wenn er leise spricht, muss ich ebenfalls leise sprechen. Wir dürfen die Rollen nicht neu erfinden", sagt Schmidt-Foß. Und anders als der Schauspieler hat der Synchronsprecher nur die Stimme, mit der er Verhalten und Emotionen transportieren muss. "Das ist die eigentliche Kunst", sagt Schmidt-Foß.

Wenn möglich schaut er sich vor einer neuen Synchronisierung die Originalfassung des Films an. Eine genaue Analyse der echten Stimme ist wichtig. Dabei versucht er zu verstehen, wie Klang der Stimme, Mimik, Gestik, Gefühle und Handlung miteinander zusammenhängen. Nicht immer ist für diese intensive Vorbereitung aber ausreichend Zeit. TV-Serien oder Hollywood-Blockbuster haben oft einen so knappen Starttermin, dass für die Synchronisierung nur wenige Tage Zeit bleibt.   

Filme sind in kleine Abschnitte, sogenannte Takes unterteilt. Sie sind etwa vier bis zehn Sekunden lang. "Das klingt wenig, aber in ein paar Sekunden kann man viel sagen", so Schmidt-Foß. Die Synchronisierung erfolgt gemeinsam mit dem Regisseur, der erklärt, an welcher Stelle im Film man sich befindet. Denn synchronisiert wird oft nicht in chronologischer Reihenfolge. Bei jedem Take ist Detailgenauigkeit gefragt. Wann spricht der Schauspieler? Wie schnell spricht er? Verändert er den Sprachrhythmus? Spricht er am Anfang langsam und dann schneller? Alle Lippenbewegungen müssen exakt gleich sein. Je näher der Sprecher am Original ist, umso besser ist auch die Synchronisation.   

Oft werden auch hilfloses Atmen, Seufzer, Schreie, Wutausbrüche, Kampfszenen oder unverständliches Gemurmel nachvertont. Nach einigen Proben wird aufgezeichnet.

Auf die Lippenbewegung kommt es an

"Ich darf dabei nicht an einer Stelle atmen, an der der Originalschauspieler nicht auch geatmet hat." Es darf auch kein Knacker, kein Schmatzer oder sonstiges unerwünschtes Geräusch zu hören sein. Auch die Lautstärke muss stimmen. Bei lautem Brüllen sollte der Ton nicht verzerrt sein, bei leisem Flüstern muss er klar verständlich bleiben.

Für einen 90-Minuten-Film sind für das reine Einsprechen in der Regel nur fünf bis sechs Tage eingeplant, je nach Textmenge kann die vorgesehene Zeit aber variieren. "Bei großen Hollywood-Blockbustern hat man auch mal 14 Tage Zeit", sagt Schmidt-Foß.

Synchronsprecher sollten eine Affinität zum Film mitbringen und stressresistent sein. Zudem brauchen sie schauspielerisches Talent. Nicht wenige sind ausgebildete Schauspieler, die auch über eine Sprechausbildung verfügen. Dies wird oftmals auch vorausgesetzt. Fehlerfreies Hochdeutsch ist zwingend.