SynchronsprecherGestatten, die Stimme von Leonardo

Beim Synchronsprechen kommt es auf die exakte Lippenbewegung an. Zehn Sekunden Film bringen 2,50 Euro ein und der Zeitdruck ist enorm, zeigt der Beruf der Woche. von 

Die Stimme von Gerrit Schmidt-Foß hat wahrscheinlich fast jeder schon einmal gehört. Denn er leiht dem Hollywoodschauspieler Leonardo DiCaprio immer dann seine Stimme, wenn ein Film vom Englischen ins Deutsche übersetzt wird. Schmidt-Foß arbeitet als Synchronsprecher.

Einfach ist der Job nicht. "Wenn der Schauspieler beispielsweise laut wird, muss auch ich laut werden, wenn er leise spricht, muss ich ebenfalls leise sprechen. Wir dürfen die Rollen nicht neu erfinden", sagt Schmidt-Foß. Und anders als der Schauspieler hat der Synchronsprecher nur die Stimme, mit der er Verhalten und Emotionen transportieren muss. "Das ist die eigentliche Kunst", sagt Schmidt-Foß.

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Wenn möglich schaut er sich vor einer neuen Synchronisierung die Originalfassung des Films an. Eine genaue Analyse der echten Stimme ist wichtig. Dabei versucht er zu verstehen, wie Klang der Stimme, Mimik, Gestik, Gefühle und Handlung miteinander zusammenhängen. Nicht immer ist für diese intensive Vorbereitung aber ausreichend Zeit. TV-Serien oder Hollywood-Blockbuster haben oft einen so knappen Starttermin, dass für die Synchronisierung nur wenige Tage Zeit bleibt.   

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Filme sind in kleine Abschnitte, sogenannte Takes unterteilt. Sie sind etwa vier bis zehn Sekunden lang. "Das klingt wenig, aber in ein paar Sekunden kann man viel sagen", so Schmidt-Foß. Die Synchronisierung erfolgt gemeinsam mit dem Regisseur, der erklärt, an welcher Stelle im Film man sich befindet. Denn synchronisiert wird oft nicht in chronologischer Reihenfolge. Bei jedem Take ist Detailgenauigkeit gefragt. Wann spricht der Schauspieler? Wie schnell spricht er? Verändert er den Sprachrhythmus? Spricht er am Anfang langsam und dann schneller? Alle Lippenbewegungen müssen exakt gleich sein. Je näher der Sprecher am Original ist, umso besser ist auch die Synchronisation.   

Oft werden auch hilfloses Atmen, Seufzer, Schreie, Wutausbrüche, Kampfszenen oder unverständliches Gemurmel nachvertont. Nach einigen Proben wird aufgezeichnet.

Auf die Lippenbewegung kommt es an

"Ich darf dabei nicht an einer Stelle atmen, an der der Originalschauspieler nicht auch geatmet hat." Es darf auch kein Knacker, kein Schmatzer oder sonstiges unerwünschtes Geräusch zu hören sein. Auch die Lautstärke muss stimmen. Bei lautem Brüllen sollte der Ton nicht verzerrt sein, bei leisem Flüstern muss er klar verständlich bleiben.

Für einen 90-Minuten-Film sind für das reine Einsprechen in der Regel nur fünf bis sechs Tage eingeplant, je nach Textmenge kann die vorgesehene Zeit aber variieren. "Bei großen Hollywood-Blockbustern hat man auch mal 14 Tage Zeit", sagt Schmidt-Foß.

Synchronsprecher sollten eine Affinität zum Film mitbringen und stressresistent sein. Zudem brauchen sie schauspielerisches Talent. Nicht wenige sind ausgebildete Schauspieler, die auch über eine Sprechausbildung verfügen. Dies wird oftmals auch vorausgesetzt. Fehlerfreies Hochdeutsch ist zwingend.

Leserkommentare
  1. ... und danke an herrn Schmidt-Foß!
    leider werden die synchronsprecher viel zu selten gewürdigt.
    allein leonardos wutanfälle würden mir eine woche heiserkeit bescheren! ;)
    und halten sie leonardo bloss die treue!! ich hasse es wenn ein schauspieler einen anderen sprecher bekommt!
    dann sind die neuen filme mit der betreffenden person für mich von vornherein gestorben ;) ergo: weiter so!

    5 Leserempfehlungen
    • Panic
    • 18. Juni 2013 20:57 Uhr

    Die 2,60 aufwärts ist 'ne sehr vage Angabe. Eventuell wird 2,60 bei miesen Pornos bezahlt, aber ein Brückner, Kerzel oder Tobias Meister wird weit über dieser Zahl liegen. Von Brückner wollen wir gar nicht reden. Mit dem guten Mann habe ich mal einen Werbespot aufgenommen. Das Honorar war, auauaua hoch. Wir reden von einem "hohen" 5-stelligen Bereich.

    Ok, er ist "The voice". Aber auch Kerzel (Dustin Hoffmann, Jack Nicksolson und andere) wird wohl eher bei dem "aufwärts" liegen. Diese Sprecher liegen in der Werbung bei 1500,,- - 2500,- + Buyouts. Für ein paar Takes, die man man in der Regel nach 30 min auf der Festplatte hat.

    Wie gesagt: Die 2,60 sind bei den großen Stimmen nicht realistisch.
    Zu denen zweifelsfrei auch Schmidt-Foß gehört.

    Salut

    Eine Leserempfehlung
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    wenn die vom selben Synchronsprecher vertonten Schauspieler zusammen in einem Film agieren....

    Die Zahlen sind für Filme leider sehr wohl realistisch. Man muss hier klar zwischen Werbestimme und Film-Synchron unterscheiden. Mit Filmen ist noch kein Sprecher reich geworden. Natürlich bekommt Joachim Kerzel mehr, als eine austauschbare Serienstimme, sehr viel ist es trotzdem nicht.
    Dagegen versucht David Nathan ja mit seiner Sprechergewerkschaft anzuarbeiten.

    Mit den Werbespots halten sich die Sprecher, denen das möglich ist, dann über Wasser. Hier sind die entsprechenden Budgets vorhanden.

    • Pemin
    • 25. Juni 2013 11:01 Uhr

    2.,60 sind klare Anfängergagen. Dazu kommt noch das Sockelgeld oder Kommgeld genannt, von ca. 40 - 80 Euro. Mal vom Synchronolymp abgesehen, liegen die Gagen pro Take zwischen 2,60 und 3,30 Euro in den Normalfällen. Auf jeden Fall weit, sehr, sehr weit unter dem Niveau der italienischen und französichen Kollegen.

  2. ... mit keine synchronisation? Im Ausland lachen sich die Leute ja schlapp über diese Form der Kunstzerstörung, ganz geschweige von unseren (den deutschen) Englischkenntnissen!!! Wenn man schon fernsehen muss oder ins Kino geht, könnte man gleichzeitig Englisch verstehen und sprechen und Deutsch lesen lernen. Hierdurch könnte man unnötiges Geld für Englischnachhilfe sparen und sich gleichzeitig weniger über die nächste PISA studie schämen. Tut mir leid für die Synchronsprecher, aber die Zukunft und wettbewerbsfähigkeit Deutscherschüler liegt mir da doch mehr am Herzen, als in irgendeinem dummen Media Markt Werbespott im Radio die Stimme des deutschen Bruce Willis zu erkennen.

    Falls sie jetzt hier Rechtschreibfehler finden sollten entschuldige ich mich hierfür. Man ist ja nicht unfehlbar, aber neue Denkanstöße sollten ja auch nach Inhalt und nicht nach der Form beurteilt werden. Schönen Gruß!

    8 Leserempfehlungen
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    Wie wärs, wenn man das einfach selbst entscheidet? Achso, kann man ja, weil auf den DVD's immer der Originalton drauf ist. Insofern verstehe ich die Problematik nicht.

    Ich kann übrigens Englisch. Zwar kein Wirtschaftsenglisch, aber Rechtsenglisch. Ich hatte es in der Schule als LK. Und mittlerweile hasse ich es wie die Pest. Nicht nur, dass man es überall lesen muss, die meisten Muttersprachler sprechen ohnehin ein Englisch, was man kaum noch verstehen kann. Besonders die Amis mit ihrem Kaugummi-Slang.

    Ich bin froh, wenn ich die Zeitung oder den Film auf Deutsch zur Verfügung habe. Wenn es das nun auch nur noch auf Englisch gibt, verzichte ich halt darauf.

    • Panic
    • 18. Juni 2013 22:14 Uhr

    Klar, man kann auch im original schauen. Ich entscheide mich immer, wenn es eben ne DVD ist, nachdem ich mir beide Sprachen angehört haben. Bei vielen Schauspielern kenne ich ich sowohl die englische als auch die Synchronstimme.

    Ich würde mir niemals einen Robert de Niro Film im Original antun. Die eigene Stimme von Bobby ist einfach nicht so gut, wie die von Brückner. Das sagt übrigens Bobby selbst. Die Serie True Blood habe ich mir im O-Ton angeschaut, weil da der Südstaaten-Slang erheblich zu der Stimmung beiträgt. Breaking Bad wiederum in deutsch. James Stewart oder Gary Grant in den Hitchcocks schaue ich mir auch nur auf deutsch an. Shrek war im original das Grauen. Die Synchronfassung war der absolute Hammer. Zumindest bis Teil 2. Ab Teil 3 wurde der Esel von jemand anderen gesprochen. Randolf Kronenberg, die Stimme des Esels und die von Eddie Murphy, ist leider viel zu früh aus dem Leben geschieden. Ein genialer Sprecher weniger.

    Es kommt also immer drauf an. Die Qualität der deutschen Sprecher ist "weltweit" einzigartig in Sachen Synchronisation. Insofern haben Synchronfassungen ihre Berechtigung. Na ja, zugegeben, ich kenne einige Holländer, und bei denen wird nichts synchronisiert. Die sprechen durch diesen Umstand auch alle gut englisch. Dies aber als Möglichkeit in Betracht zu ziehen, um die PISA Studio zu verbessern, halte ich für mehr als abwegig.

    Salut

    gern in der Originalsprache an - mit deutschen Untertiteln und finde das für beide Sprachen besser; ich denke auch, die Kenntnisse anderer Sprachen werden dadurch geschult.
    Leider ist das in Deutschland bei den meisten Menschen unbeliebt und die Tradition des Synchronisierens ist lang.
    Ich bin dankbar, daß ich zumindest auf DVD verschiedene Sprachen wählen kann.

    beste Synchronisation in ganz Europa vorgenommen wird bei den großen Hollywood-Streifen. Wenn man sich dagegen mal auf den BluRays das französische oder spanische Pendant anschaut/anhört, da graust es einen mitunter sehr (auch was die Stimmen an sich angeht).
    Wobei ich in den meisten Fällen auch das Original bevorzuge, insbesondere bei Komödien neuerer Prägung. Da versagt die Übersetzung leider fast jedes Mal.

    ...das den Leuten zu überlassen. Wenn ich einen Sprachkurs machen will, mache ich Einen. Wenn ich einen Film sehen möchte, freue ich mich ihn in meiner Muttersprache mit einer professionellen Synchronisation zu sehen.

    • Nergal
    • 19. Juni 2013 8:34 Uhr

    Gucke seit Jahren privat nur noch in Originalsprache. Es geht einfach, auch bei einer guten Synchronisation, in den meisten Fällen sehr viel verloren; vor allem bei Serien (Beispiel BSG: das orignale 'frak' ist komplett verschwunden und wurde durch immer andere Wörter übersetzt). Mal ganz abgesehen von den Emotionen, dem Ausdruck, der oroginal Tonlage, etc.
    Dazu kommt, dass viele Schauspieler, wie auch David Tennant, sagen, dass es Ihnen schwer fällt sich selbst zu synchronisieren wenn eine Szene mal nachvertont werden muss. Es ist halt was komplett anderes wenn ich eine Szene drehe und gleichzeitig spreche.
    Aber letztendlich muss das jeder selber wissen. Meine Englischkenntnisse sind zumindest um einiges besser geworden und ich habe viele Redewendungen, Ausdrücke kennen gelernt, die man ansonsten nicht aufschnappt.

    Es wäre aber wünschenswert wenn mehr Filme im Originalton in den Kinos ausgestrahlt werden würden. Da ist die Situation momentan echt mies :/

    • Itoka
    • 16. Oktober 2014 4:06 Uhr

    dass das ganze fernsehen hier auf deutschen synchronsprechern basiert? Es sind ja nicht nur die Serien die man auch mal gerne im Orginal schauen kann, mach ich auch, allerdings was ist mit der ganzen Werbung? Es gibt nun mal viele Leute die können kein Englisch aus bestimmten Umständen. Was ist mit den ganzen Zeichentrickserien? Soll man kleine Kinder ihre Lieblingsserie nur noch auf Englisch zeigen? Oder Hörbücher? Wieso ohne Synchronsprecher und NUR im Orginal, wenn es doch so einfach geht. Wieso Komödianten, Sprechern etc. verbieten was sie gerne tun. Sprechen, und zwar auf deutsch.
    Klar guck auf dem Orginal ruhig die Serien aber wage es bitte nicht es so allgemein auszudrücken, einfach weil nein.

    Oh man ich hab mir extra hier ein Account gemacht um das loszuwerden haha :D, sorry für Fehler, irgendwo finden sich bestimmt ein paar.

  3. Wie wärs, wenn man das einfach selbst entscheidet? Achso, kann man ja, weil auf den DVD's immer der Originalton drauf ist. Insofern verstehe ich die Problematik nicht.

    Ich kann übrigens Englisch. Zwar kein Wirtschaftsenglisch, aber Rechtsenglisch. Ich hatte es in der Schule als LK. Und mittlerweile hasse ich es wie die Pest. Nicht nur, dass man es überall lesen muss, die meisten Muttersprachler sprechen ohnehin ein Englisch, was man kaum noch verstehen kann. Besonders die Amis mit ihrem Kaugummi-Slang.

    Ich bin froh, wenn ich die Zeitung oder den Film auf Deutsch zur Verfügung habe. Wenn es das nun auch nur noch auf Englisch gibt, verzichte ich halt darauf.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wie wärs einmal..."
  4. ... wie wäre es einfach mal die Füße still zu halten?

    Ihren Beitrag in allen Ehren, aber er macht keinen Sinn. Synchronsprecher sind ausgebildete Experten, die neben Deutsch auch noch eine zweite Sprache perfekt beherrschen müssen. Sie jedoch scheinen nicht mal ihrer Muttersprache mächtig zu sein. Schönen Gruß.

    via ZEIT ONLINE plus App

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    • Pemin
    • 25. Juni 2013 10:48 Uhr

    ...Synchronschauspieler müssen keine 2. Sprache beherrschen. Die Arbeit richtet sich nach A) dem Bild und B) dem deutschen(!) Dialogbuch.
    LG
    Peter

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  • Schlagworte Film | Hörfunk | Leonardo DiCaprio | Euro
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