Betriebliches GesundheitsmanagementWas können Führungskräfte für die Gesundheit tun?

Die Belegschaft altert. Was Arbeitgeber für den Erhalt der Gesundheit tun können, erklärt Sabine Hockling in der Kolumne für Führungskräfte. von 

Was können Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter bei einem gesunden und aktiven Leben zu unterstützen?, fragt Niels Betz, Geschäftsführer einer Wohnungsbaugesellschaft.

Sehr geehrter Herr Betz,

mit der Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) legen Sie den Grundstein für ihren Unternehmenserfolg, denn nur gesunde und motivierte Mitarbeiter sind leistungsfähig. Die Bandbreite eines betrieblichen Gesundheitsmanagements ist aber enorm. Daher sollten die Maßnahmen immer individuell auf die Belegschaft und das Unternehmen abgestimmt sein. Generell wichtig ist, dass die Führungsebene ein authentisches Interesse hat und sich aktiv an den Maßnahmen beteiligt. Nur so wird langfristig eine Akzeptanz im Unternehmen aufgebaut. Und die ist wichtig, um das Gesundheitsverhalten und die -kompetenz der Mitarbeiter (und auch des Managements!) zu verbessern. 

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Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

In der Regel werden Unternehmen bei der Einführung eines BGM von Sportmedizinern, Physiotherapeuten, Ernährungswissenschaftlern und Psychologen begleitet. Denn die meisten Mitarbeiter (und auch Führungskräfte) verfügen nicht über ein ausreichendes Know-how. Sinnvoll ist daher, zu Beginn neben dem Gesundheitscheck mit individuellen sportmedizinischen Gesprächen auch Seminare zu Themen wie Bewegung, Ernährung, Stressmanagement anzubieten. Ebenfalls wichtig für den Erfolg solcher Maßnahmen ist, wie einfach sie in den beruflichen und privaten Alltag zu integrieren sind.

Checkliste für Gesundheitsmanagement

Folgende Checkliste hilft Ihnen bei Ihrem Vorhaben: Schaffen Sie Bewusstsein für Gesundheit. Fordern Sie alle Mitarbeiter auf, mitzumachen und verankern Sie die Maßnahmen in die Unternehmensstruktur, so erreichen Sie Nachhaltigkeit. Sie können beispielsweise die Arbeitspausen gesund gestalten. Die Kantine sollte gesundes, vollwertiges Essen anbieten. Aushänge und Infomaterial über gesunde Ernährung schaffen Aufmerksamkeit ebenso wie Kalorien- und Nährwertangaben. Wichtig sind auch attraktive Pausenplätze. Initiativen für mehr Bewegung in der Pause können auch hilfreich sein. So animiert BMW an seinem Standort in München die Mitarbeiter etwa dazu, öfter mal die Treppen statt den Lift zu nehmen. 

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Um konkrete Maßnahmen zu entwickeln, sollten Sie auch den Ist-Zustand in Ihrem Betrieb ermitteln. Dazu gehört, die Daten zur Krankheitsquote und Fluktuation auszuwerten. Gegebenenfalls können Sie Mitarbeiterbefragungen durchführen. Haben Sie Mitarbeiter, die wegen einer schweren Krankheit oder wegen psychischer Belastung sehr lange ausgefallen sind, können Sie Krankenrückkehrgespräche etablieren. Schaffen Sie außerdem einen Gesundheitszirkel, in dem Sie das BGM planen und holen Sie dazu unbedingt auch einige Mitarbeiter an den Tisch. Andernfalls kann der Eindruck entstehen, das Gesundheitsprogramm werden den Mitarbeitern übergestülpt.

Schließlich müssen Sie bei der Umsetzung realistisch bleiben. Ein hoher Krankenstand lässt sich nicht ad-hoc reduzieren. Liegen Ihnen alle Daten vor, entwickeln Sie einen Stufenplan mit erreichbaren Zielen. Dann informieren Sie alle Mitarbeiter ausführlich über die geplanten Maßnahmen. Zu Beginn des Projekts sollten Sie schon Feedback-Termine festsetzen, um den Erfolg messen bzw. um Nachbesserungen vornehmen zu können. Auch sollten Sie Maßnahmen überlegen, die die Belegschaft motiviert, am Ball zu bleiben (z.B. gemeinsame Kochkurse oder auch Trainingseinheiten, an denen auch die Führungsmannschaft teilnimmt). 

Ein betriebliches Gesundheitsmanagement kann das Vertrauen Ihrer Belegschaft steigern und zu einer stärkeren Mitarbeiterbindung führen. Sie werden dadurch ein attraktiver Arbeitgeber und das ist ein wichtiger Aspekt in Zeiten des demografischen Wandels.

Ihre Sabine Hockling

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Leserkommentare
    • wauz
    • 21. Juni 2013 15:46 Uhr

    Ich bin jetzt 45 Jahre alt und irgendwie Geschäftsführer geworden und jetzt weiß ich auch nicht mehr was ich machen soll. Immer wenn es heiß ist, werden meine Mitarbeiter so krank, dass sie sich zur Kur ins nächste Freibad begeben müssen...

    (/Ironie)
    Mal im Ernst: was soll so ein Artikel? Ein paar Hinweise auf Literatur über Betriebliches Gesundheitsmanagement, wirklich funktionierende Beispiele und die grundsätzliche Problematik des Ansatzes würden hier mehr helfen.
    Krankenstand über 7% ist normalerweise ein Indiz für dysfunktionale Führung, zwischen 3-5% ist ok und alles unter 2,5% ist Hinweis auf extreme Repression.
    Ganz normaler Arbeitsschutz ist die beste Gesundheitsvorsorge. Danach kommt das Unterbinden von Suchtmitteln, und alle höhere Feinheiten kosten wahrscheinlich mehr, als sie bringen. Siehe Pareto-Prinzip.

    6 Leserempfehlungen
  1. die Mitarbeiter sind das beste Gesundheitsmanagement. Wertschätzung beinhaltet, die MA anständig zu bezahlen, sie ernst zu nehmen und ihnen etwas zuzutrauen. Dann braucht es keine Kochkurse, Gesundheitsparcours oder ähnliche Auswüchse des Gesundheitswahns. Einhaltung des Arbeitsschutzes samt der dazu gehörenden Schulungen sind meines Erachtens effektiver als Veranstaltungen mit den "Spinatwachteln" der Krankenkassen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Die Belegschaft altert? Nichts anderes wollten doch Unionsparteien und SPD in ihrem breit angelegten Kompromiss, nach dem die Menschen immer später in Rente gehen sollen.

    Trotz Arbeitslosigkeit malen sie das Schreckgespenst eines Arbeitskräftemangels an die Wand. Der soll in Jahrzehnten kommen und schon heute sollen dei Menschen dafür bis zum Umfallen arbeiten.

    Damit wird sich in Jahrzenten das als selbsterfüllende Prophezieung erweisen. Denn Menschen die arbeiten bis umkippen und keine gut bezahlten und unbefristeten Jobs bekommen, werden auch weniger Kinder bekommen.

    Einige Dinge sind da wirklich von der Politik zu leisten. Und zum demographischen Wandel: Die Firmen sollten sich der Politik dabei nicht in den Weg stellen. Häuser, die angeblich erst in Jahrzehnten brennen, können heute noch nicht gelöscht werden.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie sollten froh sein, dass Menschen länger arbeiten sollen/dürfen. Es ist mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen, dass Menschen, die einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen, also auch im höheren Alter noch voll im Arbeitsleben stehen, eine längere Lebenserwartung haben als Menschen, die schon sehr früh in Rente gehen.

    Ich arbeite gerne, ich möchte auch über das gesetzliche Rentenaltern noch arbeiten. Sicher nicht so wie heute, aber ohne Arbeit würde mir was fehlen. So viel Gartenarbeit, Kaffee und Kuchen in mich hinein schaufeln, und Lesen kann ich gar nicht, wie der Tag lang ist.

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Mit über 60 in meinem aktuellen Beruf kann auch ich mir nicht in Vollzeit vorstellen. Aber wer sagt, dass es nicht auch andere Lösungen gibt, um auch mit über 60, 70 und meinetwegen auch 80 (wenn man das will) am Berufsleben in irgendeiner Form teilzuhaben. Der Traum vom Rentnerdasein entpuppt sich für viele zum Albtraum, weil viele sich nicht mehr gebraucht fühlen.

  3. Gibt es da Details zu dem BMW Treppensteigprogramm? Hoch mag ja ganz gut sein, aber runter belastet die Gelenke und ist mit erhöhter Unfallgefahr verbunden, gerade im Businessumfeld mit Ledersohlen oder Frauenschuhen. Gebrochene Knöchel, Handgelenke, Schultern,... kosten bestimmt eine Menge.

  4. Sie sollten froh sein, dass Menschen länger arbeiten sollen/dürfen. Es ist mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen, dass Menschen, die einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen, also auch im höheren Alter noch voll im Arbeitsleben stehen, eine längere Lebenserwartung haben als Menschen, die schon sehr früh in Rente gehen.

    Ich arbeite gerne, ich möchte auch über das gesetzliche Rentenaltern noch arbeiten. Sicher nicht so wie heute, aber ohne Arbeit würde mir was fehlen. So viel Gartenarbeit, Kaffee und Kuchen in mich hinein schaufeln, und Lesen kann ich gar nicht, wie der Tag lang ist.

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Mit über 60 in meinem aktuellen Beruf kann auch ich mir nicht in Vollzeit vorstellen. Aber wer sagt, dass es nicht auch andere Lösungen gibt, um auch mit über 60, 70 und meinetwegen auch 80 (wenn man das will) am Berufsleben in irgendeiner Form teilzuhaben. Der Traum vom Rentnerdasein entpuppt sich für viele zum Albtraum, weil viele sich nicht mehr gebraucht fühlen.

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  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Gesundheit | BMW | Führungskraft | Krankenstand | München
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