VorsorgeSo schützen Führungskräfte ihre Gesundheit

Der Fall Matthias Platzeck zeigt: Besonders Entscheider sind gesundheitlich gefährdet. Sabine Hockling erklärt, worauf Führungskräfte achten sollten. von 

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck  |  © Adam Berry/GettyImages

SPD-Politiker Matthias Platzeck ist trotz eines Schlaganfalls sehr schnell an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Auch bei mir machen sich erste Beschwerden wegen Dauerstress bemerkbar. Wie schaffe ich es, mich vor zu viel Belastung mental und psychisch zu schützen?, fragt Manfred Kleist, Abteilungsleiter bei einem Luftfahrtunternehmen.

Sehr geehrter Herr Kleist,

der Gesundheitsreport 2013 der DAK zeigt, dass sich in Unternehmen die Ursachen der Fehltage deutlich verschieben: Während sich 1997 nur jeder 50. Erwerbstätige wegen eines psychischen Leidens krankmeldete, war es 2012 bereits jeder 22.

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Burn-out ist ein schleichender, allmählicher Prozess, daher braucht auch der Rückweg seine Zeit. Folgende zehn Schritte können dabei helfen, diesen Weg zu gehen.

Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Klar sollte Betroffenen aber sein, dass der Weg umso mühsamer wird, je weiter man in der Burn-out-Spirale vorgedrungen ist. Und natürlich ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg, dass Betroffene wirklich bereit dazu sind, etwas an ihrem Leben zu verändern.

1. Schritt: Warnsignale ernst nehmen! 

Der prototypische Burn-out-Kandidat ist ständig müde und erschöpft, leidet aber unter Schlaflosigkeit. Er hat ständig Kopfschmerzen und zu nichts Lust. Er ist oft gereizt und ständig im Stress. Er ist der Ansicht, da könne man nichts machen, so sei das eben, wenn man viel arbeitet. Er steuert auf dem direkten Weg das Burn-out an. Wer die Alarmzeichen seines Körpers ignoriert, sein Arbeitspensum vielleicht sogar noch steigert, riskiert seine Gesundheit. Dabei spüren Betroffene häufig, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie sollten auf diese Signale hören und die Botschaft akzeptieren: Hier geschieht etwas mit mir, das nicht geschehen sollte!

2. Schritt – Bestandsaufnahme machen!

Erstellen Sie eine Liste, auf der Sie folgende Fragen beantworten:
Wie sieht meine aktuelle Situation aus? Mit welchen beruflichen und privaten Belastungen habe ich zu kämpfen? Welche Bedingungen sind dafür ausschlaggebend? Wann bin ich besonders gestresst? Was will ich vom Leben? Welche Ziele verfolge ich beruflich? Welche Bedürfnisse bleiben unerfüllt?

Häufig haben wir schon eine diffuse Vorstellung von den Antworten auf diese Fragen. Dennoch ist es hilfreich, sie schwarz auf weiß vor sich liegen zu haben. Dann ist es auch schwieriger, sich den Problemen durch Flucht zu entziehen.

3. Schritt – Störfaktoren finden! 

Führen Sie einen oder (nötigenfalls) auch mehrere Tage lang Protokoll, um herauszufinden, wo während des Arbeitstages Störquellen liegen, die Ihnen im Job die Zeit rauben. Überlegen Sie, welche dieser Zeiträuber Sie ohne Schwierigkeiten beseitigen können – und beseitigen Sie sie!

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

4. Schritt – an sich selbst denken!

Betroffene spüren oft ein Bedürfnis nach Feierabend. Aber wer erledigt dann die liegen gebliebene Arbeit? Also doch: Schreibtisch statt Sofa. Damit tun Sie sich keinen Gefallen. Auf Dauer schwinden Arbeitskraft, Motivation und Kreativität. Ein Privatleben lässt sich so  nicht befriedigend führen. Sie sollten versuchen, Ihr Engagement auf ein Maß herunterzuschrauben, das Ihnen gut tut. 

5. Schritt – nicht versuchen, perfekt zu sein! 

Wer alles hundertprozentig erledigen will, bei dem sind Zeitdruck und Stress vorprogrammiert. Konzentrieren Sie Ihren Perfektionismus auf die wirklich wichtigen Aufgaben! Dabei ist es wichtig, dass Sie sich Ihr Streben nach Vollkommenheit bewusst machen und dagegen ansteuern. Lernen Sie, mit der Unvollkommenheit zu leben.

Leserkommentare
  1. Die Krankheit von Matthias Platzeck war eine Überforderung mit der neuen Aufgabe. Das nennt man auch Peter-Prinzip.

    2 Leserempfehlungen
    • vyras
    • 29. Juni 2013 3:12 Uhr

    "Der Fall Matthias Platzeck zeigt: Besonders Entscheider sind gesundheitlich gefährdet."

    Worauf gründet diese Behauptung? Gibt es da irgendwelche Daten, die das belegen? Ansonsten würde ich keinen Grund sehen, warum solche Menschen stärker gefährdet sein sollten als die, die eine andere Arbeit machen.

    4 Leserempfehlungen
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    "....warum solche Menschen stärker gefährdet sein sollten als die, die eine richtige Arbeit machen."

    so jetzt stimmt es

  2. ... "wirklichen" Realität gefällig ?

    Im Februar diesen Jahres habe ich eine schwere Lungenentzündung bekommen, ob der ich drei Wochen flach lag und weil die Antibiotika mir die Darmflora zerschossen hatte, musste ich noch eine Woche dran hängen.
    Da ich mich noch in der Probezeit befand, hat man mir gekündigt !
    Welche Führungskraft kann da mithalten ?

    5 Leserempfehlungen
  3. Wenn der o.a. Artikel einer der meistgelesensten ist, dann frage ich mich, wen das interessiert.. Oder sind es die Millionen von Führungskräften, die diesen Beitrag anklicken, um sich entsprechend zu informieren. Ein Beitrag, eventuell fürs ´"managermagazin", aber für zeit-online? Wäre interessiert, wie hoch das Honorar der Dame für diesen nicht sonderlich erhellenden Artikel war? Anruf bei Hausarzt und drei Minuten Beratung hätte genügt.

    3 Leserempfehlungen
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    Kurze Beratung und Hausarzt, das gilt - wie gesagt - für den gemeinen Arbeitnehmer: Führungskräfte und die, die sich dafür halten, haben noch nicht einmal Zeit, zum Hausarzt zu gehen .......................................

  4. "....warum solche Menschen stärker gefährdet sein sollten als die, die eine richtige Arbeit machen."

    so jetzt stimmt es

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Kein Grund"
  5. was soll der Artikel, sind Führungskräfte wertvollere Menschen?

    All das trifft auch auf viele "gemeine" Arbeitnehmer zu.
    Obwohl ich keine sogenannte Führungskraft bin, gehe auch ich erst nach Haus, wenn mein Schreibtisch halbwegs leer ist (was im allgemeinen nach einem 10-Stunden-Tag - vielleicht- der Fall ist) Zum einen aus "Pflichtbewußtsein" zum anderen, weil es sonst nämlich Druck von oben gibt (nicht belastbar....)

    Es ödet wirklich an, dass immer so getan wird, als seien nur Führungskräfte unentbehrlich; ohne "Fußvolk" gäbe es nämlich nichts zu führen. Und mit der Führung ist es ohnehin oft nicht so toll bestellt!
    Und - was in jeder Beschreibung unserer "Global Player" bewußt unterschlagen wird: Tun wir nicht so, als bräche die Wirtschaft zusammen, wenn auch diese Herrschaften des Öfteren pünktlich Feierabend machen. Geht aber schon deshalb nicht, weil sonst der Eindruck entstehen könnte, man sei nicht wichtig und nicht unentbehrlich.
    Ach ja, und Burn-out, die beliebteste Krankheit unserer Zeit. Gab es immer schon, wurde allerdings früher mit "Ende der Fahnenstange", "bin ausgebrannt und fix und fertig", "habe den Überblick verloren und zu nichts mehr Lust" etc. bezeichnet. Allerdings wiederum nur beim "Fußvolk"...... Führungskräfte und die, die sich dafür halten, tun es unter Burn-out nicht; am liebsten, anschließend noch ein Buch drüber schreiben,

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    • orca62
    • 30. Juni 2013 0:22 Uhr

    Jeder wird in einer Hierarchie so lange befördert, bis er das Stadium seiner Inkompetenz erreicht! Hat er diese erreicht Leidet er an einem Endplatzierungssyndrom, das man Neudeutsch auch "burn-out" nennen kann! Nur hat die selbsternannte Spezialistin keinerlei Ahnung von Hirnerkrankungen, da ein Aufhänger des Artikels ein "Schlaganfall" des Herrn Platzeck war. Nun hat ein Schlaganfall, ob auf Basis einer Hirnblutung oder einer Durchblutungsstörung nur am Rande mit Stress zu tun! Wenn Herr Platzeck nach wenigen Tagen wieder arbeiten konnte hatte er mit ABSOLUTER SICHERHEIT keinen Schlaganfall, egal welcher Genese! Das Peter`sche Endplatzierungsyndrom mit psychosomatischen Beschwerden ist wahrscheinlicher, dafür spricht auch der Rücktritt als SPD-Chef vor Jahren!
    Sabine Hockling sollte sich jedoch erstmal befleissigen sich mit neuropsychiatrischen Erkrankungen zu befassen bevor Sie in einer seriösen Zeitung Artikel veröffentlicht!
    TS, FA für Nervenheilkunde

  6. Kurze Beratung und Hausarzt, das gilt - wie gesagt - für den gemeinen Arbeitnehmer: Führungskräfte und die, die sich dafür halten, haben noch nicht einmal Zeit, zum Hausarzt zu gehen .......................................

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Verständnisfrage"
  7. Sehr geehrte Frau Vormbrock. Tut mit leid, vielleicht wars etwas schwierig zu erkennen: Meine Einlassung war ironisch zu verstehen, denn "Millionen von Führungskräften" haben wir tatsächlich nicht. Auch wenn so mancher sich derart geriert. Und die, die wir haben, nun da könnte man/frau einiges sagen ...
    Beim nächsten mal bin ich weniger subtil. Pardon!

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  • Schlagworte Gesundheit | Matthias Platzeck | Vorsorge | Stress
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