Job-EntsendungIm Ausland arbeiten mit Rückkehrgarantie

Secondment wird die Job-Entsendung ins Ausland genannt. Dabei werden die Mitarbeiter an eine Firma oder ein Projekt entliehen. Für viele ist es ein Karriereschritt. von Ingrid Weidner

Der Berliner Georg Schmitt bei seinem Auslandseinsatz für das Weltwirtschaftsforum

Der Berliner Georg Schmitt bei seinem Auslandseinsatz für das Weltwirtschaftsforum  |  © World Economic Forum / Benedikt von Loebell

Small-Talk mit Bill Gates und Chelsea Clinton sind für Georg Schmitt nichts Besonderes, schließlich zählt professionelle Kommunikation zu seinem Geschäft. Als der 35-Jährige seinen Schreibtisch in Berlin gegen einen in Genf eintauschte, änderte sich trotzdem ziemlich viel für ihn. Heute gehört Schmitt zum neunköpfigen Medienteam des World Economic Forum, betreut Anfragen von Journalisten aus aller Welt, organisiert Konferenzen und arbeitet zusammen mit seinen Kollegen an dem jährlich in Davos stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel.

Viele Jahre arbeitete Schmitt für die Agentur Pleon in Berlin und beackerte die klassischen Felder der strategischen Politikberatung, Lobbyarbeit und Krisenkommunikation. Berlin und Brüssel waren die Orte, zwischen denen Schmitt pendelte. Als sein Arbeitgeber 2008 mit der international agierenden Agentur Ketchum fusionierte, kamen neue Aufgaben hinzu. Doch Schmitt dachte auch darüber nach, wie es beruflich für ihn weitergehen sollte. "Nach sechs Jahren Politikberatung habe ich mich gefragt, was der nächste sinnvolle Schritt für mich sein kann."

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In einer internen Stellenausschreibung entdeckte Schmitt eine Stelle beim World Economic Forum und bewarb sich. "Die Position war für ein Jahr als Secondment ausgeschrieben", erläutert Schmitt, der Geschichte und Amerikanistik in Berlin und Amsterdam studiert hatte. In seinem Fall sieht das Arrangement so aus: Die Agentur Ketchum ist einer von rund 100 strategischen Partnern des World Economic Forum und stellt einen Mitarbeiter für ein Jahr zur Mitarbeit in Genf frei. Bezahlt wird Schmitt weiterhin von Ketchum, doch er ist seinem alten Arbeitgeber gegenüber weder direkt weisungsgebunden noch tritt er dort als Ketchum-Mitarbeiter auf. "Ich bin Teil der Organisation vor Ort in Genf und arbeite als vollwertiges Teammitglied."

Was ist ein Secondment?

Im Englischen steht der Begriff Secondment für eine vorübergehende Versetzung oder einen Wechsel in eine andere Position. Hierzulande verwenden Unternehmen diese Terminologie auch, wenn sie ihre eigenen Mitarbeiter in ausländische Niederlassungen entsenden.

Internationale Rechtsanwaltskanzleien beispielsweise entsenden Mitarbeiter zu Geschäftspartnern und Kunden und sprechen dann nicht von einer Entsendung sondern von Secondment. Allerdings ist der Begriff in Deutschland nicht so gebräuchlich.

Inzwischen arbeitet Schmitt das zweite Jahr in Genf, seine Entsendung wurde verlängert. "Bisher gab es jedes Jahr einen Wechsel, doch ich bin froh, dass das Forum meine Arbeit schätzt und ich meine Erfahrungen weiter vertiefen kann", sagt er. "Allein an der Organisation des Weltwirtschaftsgipfels arbeiten wir sechs Monate."

Mittlerweile verbringt Schmitt aber eine Woche im Monat in Berlin. Etwas von den Agentur-Kollegen abgegrenzt, arbeitet er dort an seinem alten Schreibtisch, trifft Gesprächspartner und nimmt Termine für das Wirtschaftsforum wahr. "Hier in Berlin pflege ich Kontakte und treffe viele Medienvertreter in den Hauptstadtbüros." Doch zwei Arbeitsorte und viele Auslandstermine zwingen den Kommunikationsprofi zur Disziplin. "Ich muss auch private Termine länger im voraus planen, daran musste ich mich erst gewöhnen."

Überhaupt war das Secondment für Schmitt ein idealer Weg, neue Erfahrungen zu sammeln, ohne seinen Arbeitgeber zu verlassen. "Im Frühjahr 2014 ist endgültig Schluss. Ich komme mit vielen internationalen Erfahrungen nach Berlin zurück", sagt Schmitt. Wie es dort beruflich für ihn weitergehen wird, weiß der 35-Jährige zwar noch nicht, doch dass neue Aufgaben auf ihn warten, da ist er sich ziemlich sicher.

Marc Wintermantel von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCooper (PwC) ist da schon einen Schritt weiter. Als Wintermantel vor zwei Jahren von seinen unterschiedlichen Auslandspositionen in New York, Singapur und Schanghai nach München kam, warteten neue Aufgaben auf ihn. "Nach meiner Rückkehr bot mir mein Arbeitgeber die Betreuung eines Dax-Konzerns an. Ich bin für alle PwC-Dienstleistungen für das Unternehmen weltweit zuständig", sagt der 42-Jährige.

Secondment beschleunigt oft die Karriere

Seit 16 Jahren arbeitet der Berater für das Unternehmen, acht davon verbrachte er im Ausland. "Wer sich für eine Secondment-Position bewirbt, sollte mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung sowie Fachexpertise mitbringen", so der Manager. Oft beschleunigt eine Secondment-Position die Karriere. Wintermantel wurde bereits nach zwei Jahren in New York in eine Führungsposition als Partner befördert. "Es ist wichtig, das Land und damit auch den jeweiligen Markt vor Ort kennenzulernen. Das erhöht die eigene Glaubwürdigkeit, denn wenn ich über China mit Kunden spreche, tue ich das auf Basis meiner Erfahrungen."

Ein riesiger Trend ist der Auslandseinsatz allerdings, sagt Wintermantel. Zwar nehme das internationale Projektgeschäft zu, doch große Wanderströme von Mitarbeitern ins Ausland gebe es trotzdem nicht. Von den rund 9.300 in Deutschland beschäftigten PwC-Mitarbeitern waren im vergangenen Jahr rund 200 über ein Secondment längere Zeit in einer ausländischen Niederlassung. Gleichzeitig sammelten rund 100 Mitarbeiter von dort Berufserfahrung in Deutschland. "Das Netzwerk innerhalb des Unternehmens lässt sich auf diese Weise enger knüpfen."

Als Partner entscheidet Marc Wintermantel inzwischen auch, welche Kollegen internationale Aufgaben übernehmen. "Neben der Fachexpertise sollten Bewerber Mut und Flexibilität mitbringen sowie aufgeschlossen und tolerant sein", sagt er. Ein Secondment lohnt sich nach Wintermantels Meinung meistens auch für neue Karriereperspektiven, denn auf den Rückkehrer warten meistens größere und internationalere Aufgaben.

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Leserkommentare
  1. .... sind bestimmt interessante Studienfächer, da bin ich ganz sicher ! Was ich mich und wahrscheinlich jeder Leser frage ist , in wieweit man mit diesem Background, wirtschaftlich beratend tätig sein kann ? Für das Studium braucht man ja noch nicht einmal einen Taschenrechner !
    Wer bezahlt für so Etwas ? Und vor allen Dingen : Warum ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist schlussendlich der Unterschied zwischen Studium und Berufsausbildung. Ich habe Mittlere und Neue Geschichte, Pädagogik etwas Kunstgeschichte und Skandinavistik studiert und arbeite im Vertrieb. Ein paar Praktika haben etwas geholfen, der Wöhe und ein Kurs in Buchführung. Man lernt im Studium, wenn man es ernst nimmt, komplexe Sachverhalte zu erkennen, bewerten und Lösungen anzubieten. Für Geisteswissenschaftler gilt ausserdem sich mehrere Alleinstellungsmerkmale anzueignen. Das können Sprachen sein oder besondere Kenntnisse der Landeskunde oder Projekte die man erfolgreich durchgeführt hat.

    Alleinstellungsmerkmale, Zusatzqualifikationen durch Praktika etc. und den erlernten Umgang mit komplexen Systemen muss mann anschliessend gut vermarkten. Kommt dann noch Berufserfahrung dazu, steht man nicht so schlecht da.

  2. ... ist klar im Vorteil. :) Schmitt hat bisher in der Kommunikationsberatung gearbeitet. Zu Beginn des Artikels steht sogar genau welche Disziplinen: Krisenkommunikation und Lobby-Arbeit. Beim World economic Forum wird er ähnliches machen (Journalisten-Anfragen etc.). Ich denke, dass sein Studium, vor allem aber seine Praxis-Erfahrung ihn dafür hinreichend qualifiziert. Aus persönlicher Sicht lässt sich nur darüber streiten, warum man für das World economic Forum arbeiten möchte. :)

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  3. Und für die Organisation von Konferenzen traue ich ihm sogar kaufmännische Mathematik zu...

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  4. Bei global agierenden Konzernen wird man in Zukunft kaum noch aufsteigen können, OHNE Auslandserfahrung gesammelt zu haben. Ein sehr interessanter Artikel!

  5. Das ist schlussendlich der Unterschied zwischen Studium und Berufsausbildung. Ich habe Mittlere und Neue Geschichte, Pädagogik etwas Kunstgeschichte und Skandinavistik studiert und arbeite im Vertrieb. Ein paar Praktika haben etwas geholfen, der Wöhe und ein Kurs in Buchführung. Man lernt im Studium, wenn man es ernst nimmt, komplexe Sachverhalte zu erkennen, bewerten und Lösungen anzubieten. Für Geisteswissenschaftler gilt ausserdem sich mehrere Alleinstellungsmerkmale anzueignen. Das können Sprachen sein oder besondere Kenntnisse der Landeskunde oder Projekte die man erfolgreich durchgeführt hat.

    Alleinstellungsmerkmale, Zusatzqualifikationen durch Praktika etc. und den erlernten Umgang mit komplexen Systemen muss mann anschliessend gut vermarkten. Kommt dann noch Berufserfahrung dazu, steht man nicht so schlecht da.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Agentur | Arbeitgeber
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