ArbeitsmarktBefristet Beschäftigte werden häufiger übernommen

Zwar sind immer mehr Jobs befristet, aber die Chancen der Beschäftigten auf Übernahme steigen. Fast 40 Prozent bekommen einen unbefristeten Anschlussvertrag. von 

Im vergangenen Jahr sind deutlich mehr befristet Beschäftigte in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen worden als noch im Jahr 2009. Damals gelangen nur 30 Prozent der Sprung in eine dauerhafte Anstellung, inzwischen sind es fast 40 Prozent. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Ein Drittel der Verträge wird nach wie vor mit einer neuen Befristung verlängert. 

Insgesamt nimmt die Anzahl der befristeten Arbeitsverträge zu. Im Jahr 1996 hatten 1,3 Millionen Menschen eine Stelle auf Zeit. Im Jahr 2012 waren es mit 2,7 Millionen mehr als doppelt so viele. Zeitverträge machen einen Anteil von 9,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse hierzulande aus.

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Die Zahl der befristeten Neueinstellungen ging 2012 allerdings leicht zurück. Damit setzt sich ein Trend fort. Wurde im Krisenjahr 2009 noch jeder zweite neue Job nur auf Zeit geschlossen, waren es nun rund 44 Prozent.

Für nicht wenige ist nach Ablauf der Vertragslaufzeit komplett Schluss mit dem Job, auch wenn diese Zahl leicht gesunken ist. Im Jahr 2012 wurden 28 Prozent aller Zeitverträge weder verlängert noch entfristet. 2009 waren es noch 37 Prozent. 

Vor allem öffentliche Arbeitgeber befristen

Von befristeter Beschäftigung betroffen sind Menschen in allen Branchen, Berufsgruppen und Altersgruppen. Firmen setzen vor allem bei Neueinstellungen auf Befristung, um so mehr Spielraum zu haben. Die Probezeit kann durch eine Befristung ohne Grund gewissermaßen auf zwei Jahre verlängert werden, das gibt Arbeitgebern eine höhere Flexibilität. Jobeinsteiger haben besonders häufig einen befristeten Vertrag.

In einigen Branchen sind allerdings kaum noch dauerhafte Anstellungsverträge zu finden. Zum Beispiel im öffentlichen Dienst, wo der Arbeitgeber besonders häufig von seiner Möglichkeit Gebrauch macht, Verträge zu befristen. Insbesondere in Erziehung und Lehre gibt es viele Stellen nur auf Zeit. 76 Prozent aller Jobs sind hier befristet. In der Verwaltung sowie in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie wird jeder zweite Job auf Zeit geschlossen. Gleichzeitig sind die Übernahmequoten in diesen Branchen besonders niedrig. In Erziehung und Unterricht wird nicht einmal jeder Fünfte übernommen, in der öffentlichen Verwaltung ist es knapp mehr als ein Viertel.  

Dass ausgerechnet öffentliche Arbeitgeber so viel von der prekären Beschäftigungsform Gebrauch machen, hängt mit den leeren Kassen der Kommunen zusammen. Projekt- und Haushaltsmittel werden häufig nur für einen kurzen Zeitraum vergeben.

Am wenigsten kommt Befristung bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen und im Baugewerbe vor. Hier werden nur 23 beziehungsweise 20 Prozent der Stellen befristet. Die Übernahmequote ist in der Finanz- und Versicherungsbranche sowie im Großhandel und im KFZ-Gewerbe am höchsten, wo gut 60 Prozent der befristet Beschäftigten später eine dauerhafte Stelle erhalten.

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Leserkommentare
  1. an sich finde ich die Idee, einen Mitarbeiter erstmal auf Probe einzustellen, gar nicht schlecht. Für zwei Wochen oder so kann sich jeder verstellen. Aber das ein oder zwei Jahre durchzuhalten schaffen nur sehr wenig.

    Von daher finde ich es gut, wenn ein Arbeitgeber jemanden erstmal für längere Zeit beobachten kann.

    Allerdings sollte dann, wenn der Mitarbeiter sich bewährt hat, die Festanstellung folgen. Das ist das Schlechte an der Idee, dass eben ein befristeter Vertrtag auf den nächsten folgen kann.

    Vielleicht sollte man hier die Gesetzeslage entsprechend ändern?

    2 Leserempfehlungen
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    Bei einem unbefristeten Vertrag sind die ersten sechs Monate Probezeit ! Wenn ein Arbeitgeber in dieser Zeit keine Beurteilung über die Arbeit seines "Neuerwerbs" finden kann, sollte er sich ins Privatleben zurückziehen !

  2. Bei einem unbefristeten Vertrag sind die ersten sechs Monate Probezeit ! Wenn ein Arbeitgeber in dieser Zeit keine Beurteilung über die Arbeit seines "Neuerwerbs" finden kann, sollte er sich ins Privatleben zurückziehen !

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die Dosis machts"
  3. Die Probezeit ist doch bei den meisten Verträgen bereits auf ein halbes Jahr gesetzt.

    Auch das ist eine Zeitdauer, in der man den Mitarbeiter kennenlernen kann, mehr Zeit braucht man nicht.

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  4. Das ist mir neu, entschuldigen Sie bitte meine Unkenntnis.

    Ich habe bis jetzt nur mit Probezeiten von einigen Wochen Berührung gehbat.

    6 Monate sollten an sich ausreichen, ja.

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  5. Besonders beschämend ist das Verhalten des Öffentlichen Dienstes, denn wie soll der Staat im Ernst von Unternehmern verlangern, Arbeitnehmer unbefristet einzustellen, wenn er selbst nicht mit gutem Beispiel vorangeht? (Ebenso beim Stichwort unbezahlte Praktika für Hochschulabsolventen...)

    Gleichzeitig beklagt dieser Staat, dass Akademikerinnen keine Kinder bekommen. Hallo? Wie soll das gehen, wenn die Akademikerin die Hauptverdienerin des Paares ist (Stichwort prekäre Arbeitsverhältnisse) und immer nur befristet angestellt wird? Im ÖD?

    Übrigens häufig sogar rechtswidrig. Zum Beispiel nach Wissenschaftsbefristungsgesetz - obwohl gar nicht wissenschaftlich tätig. Aber jetzt erklagen Sie sich mal 'ne Entfristung... dann sind Sie aber Mode!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitsmarkt | Arbeitgeber | Arbeitsvertrag | Studie
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