Serie Beruf der WocheButler werden heutzutage wie Akademiker bezahlt

Ein Beruf wie aus einer anderen Zeit: Frack tragen, Tee servieren, chauffieren. Butler werden wieder gesucht und verdienen gut, zeigt der Beruf der Woche. von 

Ricardo Dürner arbeitet seit 14 Jahren als Butler im Hotel Adlon in Berlin.

Ricardo Dürner arbeitet seit 14 Jahren als Butler im Hotel Adlon in Berlin.  |  © Hotel Adlon Kempinski

Einmal Altpräsident Gorbatschow die Kissen aufschütteln? Dem spanischen König den Anzug bereitlegen? Oder dem Dalai Lama das Essen servieren? Für Ricardo Dürner ist das nicht ungewöhnlich. Er arbeitet seit 14 Jahren als Hotelbutler im Hotel Adlon in Berlin und betreut hier hochrangige Privatgäste, Staatsbesuche und Hollywoodschauspieler, die in der Präsidentensuite des Hotels zu Gast sind. Er ist der Ansprechpartner für alle Belange und koordiniert die Wünsche des Gastes, von der An- bis zur Abreise und das rund um die Uhr.

"Das ist ein ganz besonderer Service, den wir im Adlon anbieten. In den meisten Hotels sind verschiedene Butler im Früh- und Spätdienst tätig, im Hotel Adlon steht ein einziger dem Gast die ganze Zeit des Aufenthaltes zur Verfügung", sagt Dürner.

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Grundsätzlich muss zwischen dem Hotel- und Hausbutler unterschieden werden. Im Kern ist die Tätigkeit als Haus- und Hotelbutler sehr ähnlich, jedoch muss sich der Hotelbutler schneller auf einen Gast einstellen, muss individueller und spontaner sein. Es gilt, schnell eine Balance zu finden, wie nah oder distanziert man sich dem Gast gegenüber verhalten muss.

"Manche Gäste möchten mehr Kontakt, andere eher weniger. Sofort eine harmonische Atmosphäre herzustellen, ist nicht immer einfach", sagt Dürner. Hausbutler haben es dahingehend einfacher: Sie arbeiten meist für ein- und dieselben Personen, sind in einem Haushalt für einige Jahre oder auch ein ganzes Leben lang tätig.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Jede Woche stellt unser Autor Markus Schleufe einen ungewöhnlichen Job in unserer Serie "Beruf der Woche" vor. 

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Keinen Wunsch ablehnen

Und wie sieht so ein Arbeitstag aus? Speisen und Getränke servieren, Begleitung beim Einkaufen, die Gäste chauffieren – in diesem Job sind Allroundtalente gefragt. "Auch wenn der Gast den Wunsch in der Nacht äußert, dass er sein Hemd gewaschen bekommen möchte, übernimmt der Butler dies selbstverständlich", sagt Dürner.

Überhaupt ist bisher noch keine Bitte an ihn herangetragen worden, bei der er das Bedürfnis hatte, "Nein" sagen zu wollen. Etwas abzulehnen schickt sich für einen Butler nicht.

Die meisten Gäste des Adlon, die die Präsidentensuite buchen, kündigen sich im Vorfeld an. Das Hotel erkundigt sich vor der Anreise nach speziellen Wünschen der Gäste. Müssen sonstige Besonderheiten berücksichtigt werden? Anhand der Wunschliste des Gastes bereitet Dürner die Suite vor, spricht mit Floristen bei besonderen Blumenwünschen oder den Einkäufern bei Bestellungen von Getränken oder Speisen.

Für seine Arbeit ist Diskretion, Belastbarkeit, Geduld und viel Feingefühl notwendig. Wann muss ich auf den Gast zukommen? Wann muss ich Distanz wahren?

Leserkommentare
  1. ...wollen nicht zehntausene Abiturienten und Frühstudierende plötzlich Butler werden. Ansonsten hat die deutsche Schickeria ein deutliches Überangebot an edlen Arbeitskräften und die Löhne sinken auf ein prekäres Niveau.

    Zählt man dann noch die ganzen arbeitslosen Butler aus unseren strauchelnden Südstaaten dazu, könnte ein Butler demnächst etwas für jedermann sein. Stundenlohn von 6,50 € inkl. Anmeldung beim Amt? Da würden ich mir auch einen holen ;)

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  2. allein mir fehlt die devote attitüde :-)

    lieber putze ich den hintern von einem alkoholiker, der sich das hirn weggesoffen hat und auf der straße lebte, als auf irgendwelche befindlichkeiten und wünsche reicher vieleicht auch bekannter, von mir aus sogar netter persönlichkeiten einzugehen.

    im prinzip ist das das gleiche man muss auf die bedürftisse des zu versorgenden eingehen, das richtige maß von nähe und distanz finden, man braucht einwandfreie umgangsformen, muss gewohnheiten kennen, muss lernen sich selbst zurück zu nehmen, muss sich im vorfeld über die neuen "kunden" informieren nur mit dem wein und kaviar muss man sich nicht befassen. also an alle altenpfleger ihr habt die kompetenzen zum buttler! also raus aus dem heim und verdient mal richtig geld! vergesst die hungerlöhne und die arbeitszeiten können auch nicht schlechter sein!

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Devote attitude gibt es nicht.

    Das ist eher "Show".
    Schauen sie sich mal Jeeves and Wooster an.

    Au0erdem muss man zwischen einen Butler und einem Valet unterscheiden.
    Der Butler hat eher verwaltene Funktionen und gehört auch zu den "Ratgebern und Vertrauten" während der Valeteher den Nahkontakt zu seinem Arbeigeber hat und iohn auch auf Reisen etc. begleitet.

    Dort aber auch oft wieder ffür Logistik und Verwaltung zuständig ist.
    Also Flug und Hotel buchen etc..
    So ganz devote und "unterklassig" sind die Menschen nicht.

  3. An diesen Film muss ich immer denken, wenn ich Butler höre...ein fremdbestimmtes und eingeschränktes Leben; ein Mann, der vor dem Leben flüchtet - vor sich, vor der Liebe. Sehr traurig, sehr romantisch. Aber tolles Ambiente ;) also eigentlich kein Beruf für die Ewigkeit, oder? Außer, man tendiert zur reinen Pflichterfühlung und Askese...also zum Klosterleben. Wobei es da bestimmt auch auf die Strenge des Hausherrn/der Hausherrin ankommt. Vielleicht aber ist diese Extreme das Spannende an dem Beruf.

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  4. Die Devote attitude gibt es nicht.

    Das ist eher "Show".
    Schauen sie sich mal Jeeves and Wooster an.

    Au0erdem muss man zwischen einen Butler und einem Valet unterscheiden.
    Der Butler hat eher verwaltene Funktionen und gehört auch zu den "Ratgebern und Vertrauten" während der Valeteher den Nahkontakt zu seinem Arbeigeber hat und iohn auch auf Reisen etc. begleitet.

    Dort aber auch oft wieder ffür Logistik und Verwaltung zuständig ist.
    Also Flug und Hotel buchen etc..
    So ganz devote und "unterklassig" sind die Menschen nicht.

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    natürlich habe ich bewusst provoziert. wenn sie meinen kommentar zu ende gelesen haben wären sie vieleicht auf den gedanken gekommen das es mir nicht um den diensteifrigen "unterklassigen" diener geht (ein ganz schreckliches wort) sondern darum das menschen mit viel verantwortung für ihre mitmenschen wenig verdienen und andere welche den reichen den hintern pudern mehr, ( etwa um die hälfte mehr in deutschland) die qualifikation in beiden berufen istvergleichbar nur die gesellschaftliche anerkennung beim butler ist wesentlich höher.

  5. Bei den ca. 100 Milliardären, den ca. 1 Millionen Multimillionären und den ca. 17.000 Einkommensmultimillionären Deutschlands gibt es ja jetzt wieder einen Arbeitsmarkt für persönliche Diener.

    Rechnet man natürlich die tatsächlichen Arbeitszeiten der persönlichen Diener gegen die Bezahlung auf, mag das nicht mehr so interessant sein. Andererseits hat man vermutlich ohnehin keine Zeit, das verdiente Geld für Vergnügungen auszugeben.

    Man sollte sich dann doch lieber überlegen, ob man nicht besser ein ingenieur- oder naturwissenschaftliches Studium absolviert und anschließend entscheidet, ob man unternehmerisch, selbständig, freiberuflich, verbeamtet oder abhängig beschäftigt arbeiten will.

    2 Leserempfehlungen
  6. natürlich habe ich bewusst provoziert. wenn sie meinen kommentar zu ende gelesen haben wären sie vieleicht auf den gedanken gekommen das es mir nicht um den diensteifrigen "unterklassigen" diener geht (ein ganz schreckliches wort) sondern darum das menschen mit viel verantwortung für ihre mitmenschen wenig verdienen und andere welche den reichen den hintern pudern mehr, ( etwa um die hälfte mehr in deutschland) die qualifikation in beiden berufen istvergleichbar nur die gesellschaftliche anerkennung beim butler ist wesentlich höher.

    Antwort auf "Die gibt es nicht!"
  7. macht keinen unterschied beide ignorieren die realität und haben trozdem spass, beide sollte man in ihrer welt lassen, konfrontiert man sie mit der realität werden sie oft wütend oder traurig.

    eigentlich sollte dieser kommentar wieder etwas humorvoller werden aber leider ist es realität das im unterschied zum reichen der demente nichts an seiner situation ändern kann. man kann den status quo lange erhalten, aber verbesserungen sind eher eher nicht zu erwarten. was man aber machen kann ist die situation zu akzeptieren und ein hohes maß an zufriedenheit und lebensqualität sicher zu stellen. wenn das alles in geregelten bahnen läuft kann man noch jahrzehnte viel freude und spass miteinander haben. :-).

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  8. Mein erster Gedanke war: "Geez, die haben doch in der Vergangenheit mal super verdient?"

    5 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Adlon | Arbeitszeit | Ausbildung
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