Serie Beruf der WocheUnd was machen Sie so? Ich bin Gemüseschnitzer!

Blüten aus Radieschen, Tiere aus Melonen: Obst- und Gemüseschnitzer schnitzen Verzierungen in Grünzeug. In Asien ist es ein anerkannter Job, zeigt der Beruf der Woche. von 

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE  |  © Tim Boyle/Getty Images

Gabriele Brilke hat es auf Kürbisse, Rettiche, Rote Beten oder Möhren abgesehen. Obst und Gemüse rückt sie mit einem Messer zu Leibe – und schnitzt es zu kunstvollen Skulpturen, Figuren, Blümchen und Gesichtern. Die Besitzerin eines Hotels in der Nähe von Stralsund arbeitet nebenberuflich als Obst- und Gemüseschnitzerin. Ja, das ist ein Handwerksberuf. "Viele Obst- und Gemüsesorten sind dafür geeignet. Es kommt auf die Konsistenz an. Je fester, desto besser lässt sich damit arbeiten. Aus einer Himbeere lässt sich nichts schnitzen", sagt Brilke.

Die Lebensmittelschnitzerei dient vor allem zur Dekoration von Buffets. Ob Hochzeitsessen, Gala-Diner oder Geburtstagsbrunch: Brilke schnitzt je nach Kundenwunsch Verzierungen in frisches Grünzeug.

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Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Jeder Auftrag sollte gut kalkuliert sein. "Was muss ich einkaufen? Wie muss ich kalkulieren? Wie sieht die übrige Dekoration aus? Was passt dazu? Wie lange benötige ich wofür? Das sind die Fragen, die ich bei jeder Bestellung vorab durchgehe", sagt sie.

Am häufigsten wünschen sich die Kunden Tiere, Blumenmuster und Gesichter. Tierskulpturen aus Melonen, kleine Blüten aus Mohrrüben – "Die Gäste sind sehr oft überrascht, was alles möglich ist. Da ist es auch nicht schlimm, wenn eine geschnitzte Blüte nicht der anderen gleicht. Das ist in der Natur auch nicht anders", sagt Brilke.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

Schon mal einen Kampfmittelräumer oder einen Bird Controller bei der Arbeit erlebt?

Jede Woche stellt unser Autor Markus Schleufe einen ungewöhnlichen Job in unserer Serie "Beruf der Woche" vor. 

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Konzentration und manuelles Geschick seien für die Arbeit zwingend nötig. "Man muss vorsichtig sein. Einmal verschnitten kann man in der Regel von vorn anfangen, einen zweiten Versuch gibt es nicht."

Räumliches Denken und Sehen sind ebenfalls wichtig. Der Job ist kein staatlich anerkannter Beruf, eine Ausbildung zum Obst- und Gemüseschnitzer gibt es nicht. Aber es gibt Schulen, die kostenpflichtige Weiterbildungen für diese ungewöhnliche Tätigkeit anbieten. Innerhalb der Ausbildung werden insbesondere die unterschiedlichen Schneid- und Schnitztechniken beigebracht.

In Asien ein anerkannter Beruf

Neben der Stecktechnik, bei der Scheiben zurechtgeschnitten und anschließend etwa zu Blüten zusammengesteckt werden, kommen bei der Meißeltechnik, wie es das Wort schon sagt, ausschließlich kleine Meißel zum Einsatz. Daneben gibt es verschiedene Schneidetechniken. Viele Früchte- und Gemüseschnitzer spezialisieren sich auf eine besondere Fertigkeit. Je nach Technik kommen unterschiedliche Schnitzwerkzeuge, Messerformen und Messerstärken zum Einsatz.

In Asien ist das seltsame Handwerk ein anerkannter Beruf. In Deutschland ist es eine Tätigkeit, die in der Gastronomie eher als Nebentätigkeit ausgeübt wird. Entsprechend variieren auch die Angaben zu Gehalt und Einkommen – zu unterschiedlich sind die Preise der einzelnen Anbieter. Auch für Gabriele Brilke ist die Gemüseschnitzerei nur ein Nebenverdienst. Sie bietet zusätzlich Ein- bis Drei-Tageskurse für Interessierte an, die zwischen 120 und 310 Euro kosten.

Schattenseiten konnte sie an ihrem Job noch nicht entdecken. Einziges Manko: Ihre mühevoll erstellten Kunstwerke sind vergänglich. Am liebsten ist es ihr, wenn die Verzierungen mitsamt dem Bufett verspeist werden. 

  • Verdienst: keine Angaben;
  • Ausbildung: keine Ausbildung vorgeschrieben;
  • Arbeitszeit: variiert;
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Leserkommentare
  1. In Asien gilt es als unhöflich, das geschnitzte Gemüse zu verspeisen.

  2. Also, bei allem Verständnis - irgendwie werden die vorgestellten Berufe immer abstruser!

    Und die ewigen Aussagen über Verdienst (variiert!) Ausbildung (braucht keiner) u.s.w. sind auch nicht unbedingt hilfreich

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    Redaktion

    Hallo xtina72,

    das ist ja der Sinn der Serie. Im "Beruf der Woche" sollen vor allem ungewöhnliche Berufsbilder vorgestellt werden.

    Bestes,

    tgr

  3. Redaktion

    Hallo xtina72,

    das ist ja der Sinn der Serie. Im "Beruf der Woche" sollen vor allem ungewöhnliche Berufsbilder vorgestellt werden.

    Bestes,

    tgr

    Antwort auf "Seltsame Berufe"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • BP89
    • 17. Juli 2013 15:06 Uhr

    Sie hier :http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-11/beruf-feinwerkmechaniker

    Ist dieser Beruf ist für Sie auch ungewöhnlich ?
    Verwundert mich doch sehr.

    • BP89
    • 17. Juli 2013 15:06 Uhr

    Sie hier :http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-11/beruf-feinwerkmechaniker

    Ist dieser Beruf ist für Sie auch ungewöhnlich ?
    Verwundert mich doch sehr.

  4. Hallo BP89,
    vielen Dank für ihren Kommentar. Ich möchte an dieser Stelle die Schlagworte, die stellvertretend für den Beruf der Woche um die oben genannten Begriffe ergänzen. Ich denke, dass bestimmt schon einige Menschen vom von Ihnen genannten Beispiel, dem Feinwerkmechaniker, gehört haben. ich bin mir aber auch sicher, dass nicht Ansatzweise so viele Personen auch genau sagen könnten, was ein Feinwerkmechaniker genau macht.
    Und genauso verhält es sich mit den meisten der von uns vorgestellten Berufe. Wir möchten seltene, unbekannte und ungewöhnlicheBerufe vorstellen und darüber informieren. Nicht mehr und nicht weniger.

    Mit besten Grüßen
    Markus Schleufe

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  • Serie Beruf der Woche
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ausbildung | Gastronomie | Weiterbildung
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