Berufe-WeltmeisterschaftWer gewinnt Gold im Kochen, Fräsen und Frisieren?

Bei der Job-WM kämpfen über 1.000 Meisterschüler aus aller Welt in 46 Berufen um Gold. Die Aufgaben sind hart, die Zeit knapp und die Schiedsrichter streng. von 

Normalerweise kocht Rahul Pereira im luxuriösen Oberoi-Hotel in Indiens Hauptstadt Neu Delhi. Heute steht er in einer Großküche, die in einer Messehalle in Leipzig aufgebaut ist. "Ich bin voller Adrenalin. Die Aufgabe ist schwer, die Zeit knapp", sagt er. Pereira gilt als Indiens bester Nachwuchskoch. Jetzt tritt er bei der Weltmeisterschaft der Berufe, den Worldskills, in Leipzig an und misst sich mit Köchen aus 53 weiteren Ländern.

In der Halle reiht sich Küche an Küche. Neuseeland nebenan dekoriert noch rasch den Tisch zum Zuschauerbereich mit Flaggen, der japanische Koch meditiert. Die Schiedsrichter betreten den abgegrenzten Wettbewerbsbereich. Erfahrene Köche aus aller Welt, auf deren perfekt gebügelten Kochjacken "Expert" steht. Nur wenige Minuten vorher haben die Teilnehmer ihre Aufgabe bekommen: Perlhuhn und Entenleber mit gemischten Pilzen, dazu Salat. "Ich bin total aufgeregt", sagt Pereira, dann muss er hinter die Absperrung in den Wettkampfbereich. Der Chef-Schiedsrichter blickt zur Uhr, es ertönt das offizielle Signal: Der Wettbewerb startet, die Köche stürmen los.

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Zum 42. Mal findet die WM der Berufe statt, zum dritten Mal seit Gründung der Spiele in Deutschland. Noch bis zum Sonntag kämpfen mehr als 1.000 junge Fachkräfte in insgesamt 46 Handwerks-, Industrie- und Dienstleistungsberufen um die Goldmedaille und den Titel, Bester seines Standes weltweit zu sein.     

Weltmeisterschaft findet alle zwei Jahre statt

Auch 16 Friseursalons wurden in Leipzig aufgebaut, eine andere Halle steht den Landschaftsgärtnern zur Verfügung; jedes Team muss einen Garten anlegen. Wiederum eine andere Messehalle sieht aus wie die Produktionsstraße eines Autoherstellers. Hier klopfen die Karosseriespengler um die Wette, nebenan hantieren die Autolackierer mit Farben, es riecht nach Chemikalien. Die Floristen werkeln in hübsch eingerichteten Blumenläden. Zwischen den Blumen hängen die Nationalflaggen der Teilnehmerländer, denn die jungen Fachkräfte sind auch Botschafter ihres Landes.

Tina Groll
Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Die Idee zum internationalen Berufe-Wettbewerb hatten 1946 zwei Spanier. 1947 fanden die ersten Spiele auf nationaler Ebene statt, 1950 machte auch Portugal mit, seit 1953 sind immer mehr Länder dazugekommen. Die WM findet alle zwei Jahre in einem anderen Land statt. Seit 1999 nennt sich der Wettbewerb Worldskills und ist als gemeinnützige Organisation organisiert. Ihr gehören heute 67 Länder und Regionen an. Parallel dazu findet eine Konferenz zur internationalen beruflichen Bildung statt.

Die indische Delegation ist mit 24 Teilnehmern und ebenso vielen Schiedsrichtern angereist. "Wir treten in insgesamt 22 Berufen an. Indien macht bei der Berufe-WM erst seit fünf Jahren mit, deswegen haben wir wohl nur Chancen beim Goldschmieden. Denn darin sind wir Inder richtig gut. Aber auch unser Koch ist herausragend", sagt Ravindra Kharbada, der technische Leiter des indischen Teams.

Bei der WM steht der internationale Austausch im Fokus. Wie sieht die Ausbildung in den jeweiligen Ländern aus? Welche Standards gibt es? Welche Unterschiede?

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