Unter Kindern gibt es einen beliebten Gag: "Mach mal für zehn Pfennig ein dummes Gesicht!" Kurze Pause. "Aber doch nicht gleich für fünf Mark!"

Psychologen haben jetzt herausgefunden, dass der Gesichtsausdruck tatsächlich ökonomische Folgen haben kann. Die Laune des Chefs, wenn er sie denn erkennbar macht, beeinflusst nämlich die Leistungen der Untergebenen. Das zeigen neue Forschungsergebnisse an der Rotterdam School of Management der Erasmus Universität, über die die Fachzeitschrift Wirtschaftspsychologie aktuell berichtet.

Die Sozialpsychologin Victoria Visser hat in ihrer Doktorarbeit "Leader Affect and Leadership Effectiveness: How leader affective displays influence follower outcomes" untersucht, wie der Gesichtsausdruck von Chefs die Leistungen, Entscheidungen, Gefühle, Bewertungen und Verhaltensweisen der Untergebenen beeinflusst. Die Studie beruht allerdings, wie meist bei wirtschaftspsychologischen Untersuchen, nicht auf Beobachtungen realer Angestellter in existierenden Unternehmen, sondern auf Experimenten mit Studenten, die in künstlich erzeugten Situationen im Labor Anweisungen eines Chef-Schauspielers ausführen sollte, der für die einen freundlich, für andere traurig oder zornig blickte. In fünf Experimenten hat sich, so Visser, die Performanz von Probanden bei kreativen Aufgaben um elf Prozent verbessert, wenn der Chef lächelt, während die Leistungen bei analytischen Aufgaben sanken. Umgekehrt stiegen die analytischen Leistungen um 23 Prozent, wenn sich der Chef traurig zeigte.

Glückliche Chefs, entspannte Mitarbeiter

Wenn sich der Vorgesetzte sichtbar glücklich präsentiert, nimmt der Untergebene das offenbar als Signal der Sicherheit und Entspanntheit auf. In einem solchen sozialen Klima gedeiht die Schöpferkraft. Erkennbare Traurigkeit und erst Recht Zorn dagegen signalisieren Probleme und motivieren offenbar zu einer detailorientierten und analytischen Arbeitsweise. "Außerdem wird ein Führer der Glück ausstrahlt für effektiver gehalten als einer, der Traurigkeit zeigt, unabhängig von der Leistung der Untergebenen", schreibt Visser. 

Und was lernt man daraus als Chef? "Der effektivste Führer wird je nach der aktuellen Situation eine Stimmung zeigen, die das beste Ergebnis verspricht." Vorgesetzte, die sich ein kreatives Team wünschen, sollten ein fröhliches Gesicht machen. Wer dagegen auf akkurate und analytische Arbeit setzt, sollte traurig schauen.

Also glücklich gegenüber den Kreativen, traurig gegenüber den Buchhaltern. Dann muss man nur noch lernen, seine wahren Gefühle hinter einer Maske zu verstecken. Das dürfte die größte Aufgabe sein.

Erschienen in der WirtschaftsWoche.