Chefsache : Was passiert bei internationalen Führungskräfte-Schulungen?

In global agierenden Unternehmen bekommen Manager häufig besondere Trainings mit Kollegen aus dem Ausland. Sabine Hockling erklärt, was dabei passiert.

Mein neuer Arbeitgeber agiert global und dementsprechend arbeite ich mit vielen Mitabeitern aus verschiedenen Kulturen zusammen. Daher nehme ich an einem speziellen Programm teil, das den Umgang mit den unterschiedlichen Kulturen schulen soll. Was erwartet mich bei einer solchen Schulung?, fragt Claus Stegmann, zukünftiger Disponent bei einem internationalen Transportunternehmen.

Sehr geehrter Herr Stegmann,

um den hohen Anforderungen gewachsen zu sein, die eine Tätigkeit in einem global agierenden Unternehmen mit sich bringt, bieten viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern spezielle Schulungen an. Ziel solcher Programme ist, dass sich die Führungsebene aus den verschiedenen Bereichen, Regionen und Kulturen miteinander austauscht. Die Mitarbeiter (die meist aus den unterschiedlichsten Kulturen stammen) erhalten so einen Blick aus den verschiedenen Perspektiven und diskutieren über die Ziele und die Zukunft des Unternehmens.

Solche Programme laufen im Regelfall mehrere Monate und bestehen aus unterschiedlichen Modulen zu den Themen Führung und Führungspersönlichkeit, Unternehmenskultur, Wertschöpfung, Strategien, Innovationen etc. Während externe Experten für die Fachinhalte zuständig sind, sorgen häufig interne Referenten aus den verschiedenen Unternehmensbereichen für den Praxisbezug. 

Netzwerken steht im Fokus

Begleitet wird die Arbeit in den Modulen häufig durch Feedbackrunden in der Gruppe sowie Einzel-Coachings, denn jeder Teilnehmer hat aufgrund seiner individuellen Situation eigene Themen. Daher werden diese Programme auch grundsätzlich individuell für das jeweilige Unternehmen und die jeweiligen Teilnehmer aufgebaut.

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor ist die Dominanz des Hauptsitzes: Baut ein Unternehmen im Ausland eine Produktionsstätte auf, schickt es in der Regel auch Angestellte aus dem Haupt-Standort hin. Wer den Standort nach deutschen Maßstäben aufbaut, plant jedoch oft an der jeweiligen Kultur vorbei. Darum sollen diese interkulturellen Programme ebenfalls dazu beitragen, hier gegensteuern zu können.

Neben den fachlichen Inhalten geht es bei diesen Schulungen vor allem um das Netzwerken. Darum runden sogenannte Kaminabende solche Programme meist ab. Dabei bekommen die Teilnehmer die Chance, die obere Führungsebene (Vorstände, Geschäftsführer etc.) in einer privaten Atmosphäre kennenzulernen.

Insgesamt soll ein direkt aufgebauter Draht zueinander einen Austausch über Grenzen, Unternehmensbereiche und Kulturen hinweg ermöglichen. Denn nur über solche Netzwerke ist ein kurzer Dienstweg über Ländergrenzen hinweg überhaupt möglich.

Ihre Sabine Hockling

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