Bisher durften meine Mitarbeiter ihr Homeoffice nach eigenem Gutdünken nutzen. Ich möchte das jetzt nicht mehr. Welche Folgen kann dieses Verbot haben?, fragt Jens Bonnemann, Geschäftsführer einer Unternehmensberatung.

Sehr geehrter Herr Bonnemann,

Sie gehen ein großes Risiko ein, wenn Sie plötzlich die Anwesenheitspflicht einführen. Denn so könnten Sie viele Mitarbeiter demotivieren und vergraulen. Für viele, insbesondere jüngere Mitarbeiter macht Flexibilität einen attraktiven Arbeitgeber aus. Sie wünschen sich in der Regel eine Unternehmenskultur, die zu ihrem Lebensmodell passt.

Yahoo hat ja vor einer Zeit mit dieser Maßnahme für Wirbel gesorgt. Marissa Mayer, CEO bei Yahoo, begründete seinerzeit ihr Vorgehen damit, dass Kommunikation und Zusammenarbeit wichtig seien. Seite an Seite zu arbeiten sei deshalb unerlässlich, damit Yahoo zum absolut besten Arbeitsplatz werden könne. Mayer vertritt die Meinung, dass die besten Ideen auf dem Gang, in Ad-hoc-Team-Meetings oder auch in Kantinengesprächen entstehen.

Damit steht sie nicht allein da. Kurz nach der Yahoo-Bekanntgabe zog Best Buy, ein Anbieter von Unterhaltungselektronik, nach. Denn für Best Buy sind mittlerweile nicht mehr nur die Ergebnisse wichtig. Das Unternehmen möchte auch sehen, wie die Mitarbeiter ihre Arbeit erledigen.

Für den Virgin-Gründer Richard Branson ist das eine wenig fortschrittliche Haltung. Er setzt nach eigenen Angaben bei der Zusammenarbeit auf Vertrauen statt Kontrolle. Meiner Meinung nach ist das ein sinnvoller Weg, denn wer seinen Mitarbeitern die Fähigkeit aberkennt, selbstbestimmt zu handeln, demotiviert und frustriert seine Belegschaft.

Wichtig ist aber auch, dass Unternehmen genau hinschauen, wer im Homeoffice tätig sein möchte. Zum einen besitzt nicht jeder Mitarbeiter die Fähigkeit, selbstorganisiert zu arbeiten (er kann es jedoch lernen). Zum anderen wünschen sich nicht alle Arbeitnehmer diese Flexibilität. Denn ein Homeoffice bedeutet, hochgradig selbstorganisiert zu arbeiten. Neben der selbstständig einzuteilenden Arbeitszeit müssen Mitarbeiter die Kommunikation selbst am Laufen halten (z.B. sich Feedback einholen). Und um Ziele nicht zu gefährden, müssen sie absehen können, wann ihre Anwesenheit notwendig ist.

Die Frage ist aber überhaupt, ob Arbeitsergebnisse wirklich an Arbeitsort und -zeit hängen. Oder, ob die Diskussion sich nicht vielmehr um Vertrauen versus Kontrolle drehen sollte. Wie produktiv virtuelle Teams sind, ist messbar. Sie sollten auch nicht vergessen, dass es Mitarbeiter gibt, die im Homeoffice produktiver sind, und Aufgaben, für die man sich zurückziehen muss, um sie effizient erledigen zu können.

Wenn es mehr um Kontrolle als um Arbeitsproduktivität geht, könnten Unternehmen wie Yahoo und Best Buy durch ihren Kurs den Kampf um die besten Talente verlieren.

Ihre Sabine Hockling