Serie Chefsache : Chef, ich kapiere es einfach nicht!

Die Firmenleitung ändert die Strategie. Die Führungskräfte sollen die Mitarbeiter überzeugen, aber verstehen den Kurswechsel nicht. S. Hockling zeigt, was sie tun können.

Bei uns gab es mit einem Wechsel in der Geschäftsführung auch einen Strategiewechsel, den ich nicht richtig verstehe und daher nicht ausreichend mitgehen kann. Bisherige Gespräche mit der neuen Geschäftsführung haben leider keine ausreichende Klärung gebracht. Was kann ich tun, schließlich muss ich die neuen Ziele ja meinen Mitarbeitern vermitteln?, fragt Frederik Heinemann, Führungskraft im mittleren Management im Vertrieb.

Sehr geehrter Herr Heinemann,

wer andere von seinen Ideen überzeugen möchte, muss seine Gedanken nicht nur gut in Worte fassen, er sollte auch ausdrucksstark kommunizieren können. Wer diese Überzeugungskraft hat, erhält nicht nur mehr Aufmerksamkeit, sondern hinterlässt in der Regel auch einen starken Eindruck. Wer hingegen unverständlich kommuniziert, wirkt meist unprofessionell und auch unsympathisch.

Manager brauchen Einfühlungsvermögen

Es ist also wichtig, eine Sprache einzusetzen, die zur Gesprächssituation, zum Gesprächspartner sowie der emotionalen Verfassung seines Gegenübers passt. Dazu bedarf es Einfühlungsvermögen und ein gewisses Interesse an seinen Gesprächspartnern. Manchen Managern fehlt das. Aber durchregieren von oben wird langfristig nicht erfolgreich sein, weil sie damit nicht alle Mitarbeiter mitnehmen und somit dazu beitragen, dass Widerstände entstehen und somit die Leistungsbereitschaft sinkt. Gerade bei einem Strategiewechsel ist das riskant. Führungskräfte sollten ihre Sprache sowie ihr Vokabular und den Tonfall stets individuell der jeweiligen Situation anpassen und berücksichtigen, mit wem sie sprechen, über welchen Kenntnisstand der Gesprächspartner verfügt, ob und wo Empfindlichkeiten lauern und welche Wortwahl die passende ist, um nicht ins Fettnäpfchen zu tappen.

Der Wirtschaftstrainer und Executive Coach Stéphane Etrillard hat sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt. Er empfiehlt Führungskräften, auf Begriffe zu verzichten, die den Gesprächspartnern fremd sind. Nicht selten neigen Manager dazu, das eigene Wissen darzustellen. Da jedoch die Verständigung im Vordergrund stehen sollte, ist auf Spezialvokabular, das der Gesprächspartner nicht kennt, zu verzichten. Ist das nicht möglich, sollten Begriffe kurz, präzise und vor allem auf Augenhöhe erklärt werden.

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Auch ist es wichtig, Längen zu vermeiden, damit die Aufmerksamkeit beim Zuhörer nicht sinkt. Tatsächlich gibt es noch viel zu viele Führungskräfte, die sich selbst gerne reden hören – vor allem über ihre Ideen und Strategien. Auch das vergrault die Mitarbeiter und führt dazu, dass die Neigung sinkt, den neuen Kurs vom Chef mitzutragen.

Um nicht am Kern der Sache vorbeizuschwallern, müssen Abschweifungen, eine zu große Detailfülle sowie unnötige Wiederholungen vermieden werden. Wer also seinen Standpunkt kommunizieren möchte, sollte auf klar strukturierte Kommunikation setzen und das Gespräch in logische Teilschritte aufbauen.

Manche Chefs glauben, es sei auflockernd, zu übertreiben. Aber auch das ist fatal. Benutzt jemand viele Superlative, bleibt schnell die Glaubwürdigkeit auf der Strecke. Ein gutes Beispiel ist hier die Werbung, die stets den Weltbesten, Größten, Besten verspricht. Um Vertrauen (in die Sache) aufzubauen, sollten Führungskräfte realistisch bleiben. Besser ist es stattdessen, lebendig zu kommunizieren und mit Bildern und Vergleichen zu arbeiten. Aber auch diese sollten realistisch und glaubwürdig sein.

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

naiv...

Der Artikel ist völlig realitätsfremd und darüber hinaus naiv. Gibt die Führung keine klaren für alle MA verständlichen Strategien aus, wird sie sich auch nicht auf Diskussionen einlassen (vgl. alle Foristen vorher). Kommt sie ins Gespräch und vermittelt dieses auch als Unternehmenskultur, so sind auch die Ansagen bei einem Strategiewechsel in der Regel klar und eindeutig.
War pressetechnisch wieder das Sommerloch zu füllen?