Warum machen Frauen seltener Karriere als Männer? Die Filmemacherin Rita Knobel-Ulrich stellte diese Frage Headhuntern, Vorständen und anderen Männern. Die Antworten waren erstaunlich: "Wenn es schwierig wird, werden die schwanger." Oder: "Eine Kopie eines Mannes brauchen wir nicht. Das Original ist immer besser." Oder: "Jetzt kommen keine alten Frauen mit 60 in den Aufsichtsrat, sondern jüngere Frauen um die 40. Da haben alle was davon."

In ihrer Dokumentation Frauen, bewegt Euch, den die ARD am Montag, 5. August, zeigt, geht die Fernsehjournalistin auf Spurensuche. Warum kommen die Frauen auf der Karriereleiter irgendwann nicht weiter?

Es ist eine verrückte Situation. Noch nie waren Frauen so gut ausgebildet, noch nie hatten sie so gute Karrierechancen. Mehr Mädchen als Jungen machen das Abitur. Sie haben die besseren Noten in Schule und Studium. Sie fühlen sich gleichberechtigt. Und sie haben ein Interesse an Karriere.

Und trotzdem läuft irgendetwas schief. Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren steigen die Frauen plötzlich aus und schaffen später den beruflichen Anschluss nicht mehr.

Knobel-Ulrich hat sich auf eine Spurensuche gemacht. Sie startet in einer Kindertagesstätte. Was wollen die kleinen Mädchen werden? Im Jahr 2013 lautet die Antwort Prinzessin. "Weil die so schön sind." Und die Jungen? Feuerwehrmann oder Bauingenieur. "Wie Papa."

Mädchen wollen Prinzessin werden, Jungen Bauingenieur

Erfüllen Mädchen und Jungen von Natur aus solche Geschlechterklischees? Nein. Knobel-Ulrich zeigt etwas später im Film eine Szene, die vor dem Gespräch mit den Kindern stattgefunden hat. Die Erzieherin liest den Kindern das Märchen Dornröschen vor. Die Kinder hören aufmerksam den Beschreibungen des Prinzen zu. Er ist  mutig und stark. Die Prinzessin dagegen ist schwach, unsicher und zurückhaltend – dafür aber schön und liebreizend.

Kinder verinnerlichen schon früh, wie sie zu sein haben. Überall werden ihnen Geschlechterklischees vermittelt – im Kindergarten und der Schule, in der Werbung, in den Medien, sogar beim Spielen. Barbie ist etwa die groteske Verzerrung des weiblichen Schönheitsideals. Knobel-Ulrich besucht das Barbie-Dreamhouse in Berlin und zeigt: Selbst hier steht Barbie in der Küche, während Ken Karriere macht.

Auch in Schulen und Universitäten hat die Dokumentarfilmerin recherchiert. Ein Abiturjahrgang soll sich etwa mit den Thesen der amerikanischen Feministin und Facebook-Managerin Sheryl Sandberg auseinandersetzen. Wie gelingt Frauen der Aufstieg? Einige Mädchen sagen, sie wollen gar nicht aufsteigen. Das könnten sie niemals mit einem Wunsch nach Familie vereinbaren. Viele Mädchen denken schon bei der Berufswahl eine spätere Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit. Für die Jungen spielt das dagegen kaum eine Rolle. Nicht wenige setzen voraus, dass ihre spätere Frau Zuhause bleibt, so wie es die eigene Mutter gemacht hat. Einer sagt sogar: "Wie es sich für Frauen in Deutschland gehört."

 Junge Frauen, die das nicht wollen, müssen sich einen Partner suchen, der ihren Lebensentwurf mitträgt, fordert die Feministin und Journalistin Bascha Mika. In ihrem Buch Die Feigheit der Frauen geht sie mit ihren Geschlechtsgenossinnen hart ins Gericht. Auch Facebook-Managerin Sheryl Sandberg bezeichnet die Partnerwahl der Frau als eine ihrer wichtigsten Karriereentscheidungen.  

Eine, die sich einen gleichberechtigten Partner gesucht hat, die aufgestiegen ist und eine Familie gegründet hat, ist die Unternehmensberaterin Tanja Wielgoß. Ein erfolgreiches Berufsleben: Partnerin der Beratung A.T. Kearney, Aufsichtsratsmandat der Österreichischen Bahn. Wielgoß hat zwei Kinder und teilt sich die Erziehung mit ihrem Ehemann. Beide arbeiten 80 Prozent. Knobel-Ulrich begleitet die Managerin in ihrem Joballtag, reist mit ihr durch Europa und ist dabei, wie sie die Kinder in die Kita bringt. Das Taxi, das sie hinterher zum Flughafen bringt, wartet dabei vor der Tür.

Wielgoß muss sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, sie sei eine Rabenmutter, berichtet sie. Selbst die Großeltern waren skeptisch, als sie die Kinder mit noch keinen drei Jahren in der Kita unterbrachte, um wieder zu arbeiten. Ohne einen starken und gleichberechtigten Partner gehe das nicht, sagt Wielgoß.

Dass seine Frau mit ihrer Ausbildung und den Talenten daheim bleiben sollte, wäre ihm falsch vorgekommenen, erzählt ihr Ehemann. Auch er habe um die Verringerung der Arbeitszeit kämpfen müssen, berichtet er. Er hatte Angst, dass sein Arbeitgeber den Wunsch nach Reduzierung als Faulheit interpretierte. "Der Ausstieg aus dem Job ist ein Risiko", sagt er.