FührungskräfteSensible Manager sind gefragt

Offenheit und Verständnis sind im Top-Management stärker gefragt als Fachkenntnisse. Immer mehr Firmen suchen im Ausland nach Führungskräften, zeigt eine neue Studie. von Kristin Schmidt

Offenheit, Sensibilität und Anpassungsfähigkeit – diese Fähigkeiten sollten Manager mitbringen. "Der durchsetzungsfähige Top-Manager, der sich hauptsächlich aufgrund seines Fachwissens im oberen und mittleren Management erfolgreich durchsetzt, hat wohl ausgedient", sagt Rolf Stokburger, Managing Partner bei der Personalberatung Boyden. Seine Erkenntnis zieht er aus einer aktuellen Studie, die seine Beratung in Zusammenarbeit mit der EBS Business School angefertigt hat. Darin wurden etwa 700 Führungskräfte aus verschiedenen Branchen befragt.

Zentrales Ergebnis: Deutsche Unternehmen suchen ihre Manager vor allem nach Softskills aus. Am wichtigsten ist hierbei Offenheit und Sensibilität. 87 Prozent der Befragten zählen dies zu den Mindestvoraussetzungen für Führungskräfte. Gefolgt von Anpassungsfähigkeit (82 Prozent) und Durchsetzungsstärke (78 Prozent).

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Internationalität ist ein weiteres Auswahlkriterium. Immerhin sind etwa 80 Prozent der Studienteilnehmer schon heute außerhalb Deutschlands tätig. Um zukünftig Führungskräfte zu rekrutieren, die in dieses globale Umfeld passen, legen Unternehmen Wert auf Berufserfahrung im Ausland (65 Prozent) und erweiterte Sprachkenntnisse (62 Prozent). Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen stellen auch Führungskräfte ein, die nicht unbedingt deutschsprachiger Herkunft sind. Deutsche Sprachkenntnisse bleiben für 43 Prozent ein Muss.

Personalsuche international

Um bei der Suche nach Personal aber nicht auf die Bundesrepublik beschränkt zu sein, suchen mehr als ein Drittel der  Unternehmen auch gezielt außerhalb Deutschlands. Einige konzentrieren sich dabei gezielt auf Österreich und die Schweiz. Mit Blick auf ausländische Niederlassungen oder Werke gibt die Mehrheit der Unternehmen (69 Prozent) an, sowohl Manager aus dem deutschen Stammhaus zu entsenden als auch lokale Führungskräfte aufzubauen. Ausschließlich auf lokale Manger setzen gerademal sieben Prozent der Firmen.

Doch auch innerhalb Deutschlands schlummert noch ungenutztes Potenzial. Frauen zum Beispiel sind in den Führungsetagen deutscher Firmen immer noch unterrepräsentiert. 39 Prozent der Befragten haben keine Frau auf der obersten Führungsebene. Auf der zweiten Hierarchiestufe sind immerhin noch zehn Prozent ohne weibliche Beteiligung. Das wollen etwa ein Drittel der Unternehmen mit gezielten Förderprogrammen ändern. Recruiting-Veranstaltungen für weibliche High-Potentials sind eine weitere Maßnahme, um mehr Frauen anzulocken.

"Immer häufiger korrigieren Unternehmen bei der Suche nach Führungskräften ihre Vorstellungen, was das Alter betrifft", sagt Stokburger. Die Altersobergrenze liege heute bereits zehn Jahre über der von vor zwanzig Jahren.

Eine Position die gerne älteren Führungskräften mit viel Erfahrung angeboten wird, ist die des Interims-Managers. Und der Großteil der Befragten ist zufrieden mit den Leistungen der Übergangs-Chefs. 35 Prozent gaben an, die Führungskräfte hätten die Situation gut gemeistert.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
  1. Worum geht es hier? Um Frauen, um Ausländische Manager oder einfach mal alles zusammen! Warum nicht!

    Ich kann keine der hier erwähnten Entwicklungen im Alltag beobachten oder auch nur nachvollziehen. Manager gibt es in der Regel mehr als genug. In diesem Bereich haben die meisten Firmen vor allem mit ihrem wuchernden Wasserkopf zu kämpfen.

    Das eigentlich erwähnte Problem unfähiger Manager bezieht sich meines Erachtens schlicht darauf, dass eben nur unfähige ins Management befördert werden - alle anderen werden naturgemäß für wichtigeres gebraucht. Es gilt vor allem, die Leistungen dieses Bereiches nicht über zu bewerten und das Management lediglich als Dienstleister der produktiven Abteilungen zu sehen.

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    Es werden nicht die Unfähigen befördert weil die Anderen für wichtigeres gebraucht werden, sondern weil sich die Unfähigen aus einer Reihe von Gründen in die Bereiche bewegen die nach allgemeiner Lehrmeinung wichtig für Chefs sind.

    Kommunikationsfähigkeit: Wer keine Bilanz machen kann, macht eben die Folien dazu...und stellt sie nachher auch vor...
    Soziale Kompetenz: Wer selber keinen Code schreiben kann, schreibt das Handbuch und geht dann mit dem Vertrieb zum Kunden. Konsequenz des "keine Ahnung habens" ist das man auch niemand widersprechen kann (wer kennt nicht die Vorträge wo zu jeder noch so banalen Frage die Floskel kommt "da muss ich meine Experten fragen, ich nehme das mal mit"... _so_ erwirbt man "soziale Kompetenz"
    Organisationsfähigkeit: wer selber nichts brauchbares konstruieren kann fängt notgedrungen an das zu machen was die Konstrukteure als Handlangerdienste betrachten und fängt an die Anforderungen einzusammeln, Termine zu planen usw usf. Wen kennen die Chefs nachher? Die Kunden? Die Buchhalter?

    Ergebnis: an wen werden die Chefs wohl denken wenn sie einen Posten zu besetzen haben? An diesen Technokraten der ihnen ein paar mal gesagt hat was sie falsch machen und (unentschuldbar) auch noch recht gehabt hat? Oder an den anpassungsfähigen jungen Kollegen der so gut mit allen zurecht kommt und der auch ganz gewiss dankbar für die Beförderung ist (für einen weiteren Sherpa ist in jeder Seilschaft Platz).

    • pringle
    • 17. August 2013 19:26 Uhr

    im einfühlsamen, rosaroten Tiki-Taka Land und dazu wie immer die Mär von den angeblich fehlenden, ach so schmerzlich vermissten Frauen, die UNBEGDINGT, gnadenlos und gegen alle (auch die eigenen) Widerstände in die bequemen Chefsessel gedrückt werden müssen..

    Aber nun, wozu brauchen wir auch Sachverständnis, Talent, Überzeugungskraft und Durchsetzungsfähigkeit wenn wir eine Vagina entdeckt haben. Hallelujah!!!11

    8 Leserempfehlungen
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    ...dass alle Herren in den oberen Etagen Talent haben, Überzeugungskraft und Sachverstand besitzen und durchsetzungsfähig sind? Da habe ich einen ganz anderen Eindruck.
    Das Geheule mancher Herren hier ist wirklich schlimm und erweckt den Eindruck sie würden sich durch Frauen irgendwie bedroht fühlen... Bitte nehmen Sie sich ein Taschentuch, trocknen Ihre Tränen und sehen endlich ein, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Frauen in Führungsetagen sind schon allein deswegen sinnvoll, weil Kunden und Mitarbeiter zum Teil ebenfalls weiblich sind. Zudem schaden neue Impulse selten, sondern zwingen manche Alteingesessenen vielleicht dazu, sich mit Themen auseinander zu setzen mit denen sie sich vorher nicht auseinandergesetzt haben. Das hat noch keinem Kopf geschadet. Des Weiteren gibt es viele kompetente, gut ausgebildete und durchsetzungsfähige Frauen. Man muss also nicht „irgendeine“ Frau nehmen, nur damit eine Frau vorhanden ist, sondern kann eine fähige Dame finden.

  2. Dass Gras nicht schneller wächst, wenn man es zieht, ist eine Binsenweisheit. Obwohl also dem Einzelnen von Natur aus Grenzen unüberwindbar gezogen sind, die lediglich um den Preis seines körperlichen Verlustes übertreten werden können, gefallen sich nach wie vor nicht wenige vor allem unter der hiesigen Bevölkerung, gegen besagten Grundsatz brachial zu verstoßen. Ob sich daher auch in den Managements von an sich aufgeklärt gebenden Unternehmen solche Übeltäter finden, könnte insofern nicht nachrangiger sein, wenn das in Rede stehende und den wirtschaftlichen Erfolg äußerst gefährdende Fehlverhalten nach wie vor massiv Unterstützung findet.

  3. Es werden nicht die Unfähigen befördert weil die Anderen für wichtigeres gebraucht werden, sondern weil sich die Unfähigen aus einer Reihe von Gründen in die Bereiche bewegen die nach allgemeiner Lehrmeinung wichtig für Chefs sind.

    Kommunikationsfähigkeit: Wer keine Bilanz machen kann, macht eben die Folien dazu...und stellt sie nachher auch vor...
    Soziale Kompetenz: Wer selber keinen Code schreiben kann, schreibt das Handbuch und geht dann mit dem Vertrieb zum Kunden. Konsequenz des "keine Ahnung habens" ist das man auch niemand widersprechen kann (wer kennt nicht die Vorträge wo zu jeder noch so banalen Frage die Floskel kommt "da muss ich meine Experten fragen, ich nehme das mal mit"... _so_ erwirbt man "soziale Kompetenz"
    Organisationsfähigkeit: wer selber nichts brauchbares konstruieren kann fängt notgedrungen an das zu machen was die Konstrukteure als Handlangerdienste betrachten und fängt an die Anforderungen einzusammeln, Termine zu planen usw usf. Wen kennen die Chefs nachher? Die Kunden? Die Buchhalter?

    Ergebnis: an wen werden die Chefs wohl denken wenn sie einen Posten zu besetzen haben? An diesen Technokraten der ihnen ein paar mal gesagt hat was sie falsch machen und (unentschuldbar) auch noch recht gehabt hat? Oder an den anpassungsfähigen jungen Kollegen der so gut mit allen zurecht kommt und der auch ganz gewiss dankbar für die Beförderung ist (für einen weiteren Sherpa ist in jeder Seilschaft Platz).

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    Antwort auf "Eigenartiger Artikel"
  4. ""Frauen zum Beispiel sind in den Führungsetagen deutscher Firmen immer noch unterrepräsentiert. 39 Prozent der Befragten haben keine Frau auf der obersten Führungsebene.""

    Die werden schon wissen, warum sie keine Frauen haben wollen. Scheint ja erfolgreich zu sein.

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  5. gibt es fähige Frauen, es gibt nur die Frage ob die das auch machen wollen !

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  6. "Offenheit, Sensibilität und Anpassungsfähigkeit – diese Fähigkeiten sollten Manager mitbringen."

    Na dann, mehr Frauen ins Management. Oder nur noch Frauen. Frauen sind offen, sensibel und anpassungsfähig. Und haben überhaupt Softskills.

    Bitte verzichten Sie auf pauschalierende Äußerungen und äußern Sie sich differenziert. Gilt aber nicht immer. Deswegen hängt der Beitrag im Netz.

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  7. Die jammern bei jeder kritischen Gelegenheit. Einige heulen auch dabei. Sehr sensibel.

    Vor 30 Jahren wurden Frauen als neue Führungshoffnung der Deutschen Wirtschaft verkauft. Scheint nicht so ganz geklappt zu haben, wenn man jetzt Brain Drain in Entwicklungsländer betreiben muss.

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    Schlimmer als die Kommentare hier wirds schon nicht sein.

    Es wird eher Zeit, dass die Gesellschaft sich davon löst, Karrierestufe mit Lebensqualität zu verwechseln. Das haben die Skandinavier verstanden - durchaus üblich das die Manager weniger verdienen als das rare Fachpersonal das sie führen. Auch das gesellschaftliche Ansehen ist nicht so linear.

    Aber die Deutschen sitzen wie so oft in der Zwickmühle, dass jeder klammheimlich gern der Obermufti wäre, es aber halt nicht kann - meist weil die soziale Kompetenz und der Durchsetzungswille fehlt - und dann wird gejammert... alles über mir selbstherrliche Idioten und alles unter mir inkompetente Deppen... und da sind meiner Erfahrung nach die Männer zehnmal schlimmer als die Frauen, wenn man es schon in Geschlechterschemata pressen will.

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  • Schlagworte Führungskraft | Management | Personal | Personalberatung | Studie
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