Führungskräfte : Sensible Manager sind gefragt

Offenheit und Verständnis sind im Top-Management stärker gefragt als Fachkenntnisse. Immer mehr Firmen suchen im Ausland nach Führungskräften, zeigt eine neue Studie.

Offenheit, Sensibilität und Anpassungsfähigkeit – diese Fähigkeiten sollten Manager mitbringen. "Der durchsetzungsfähige Top-Manager, der sich hauptsächlich aufgrund seines Fachwissens im oberen und mittleren Management erfolgreich durchsetzt, hat wohl ausgedient", sagt Rolf Stokburger, Managing Partner bei der Personalberatung Boyden. Seine Erkenntnis zieht er aus einer aktuellen Studie, die seine Beratung in Zusammenarbeit mit der EBS Business School angefertigt hat. Darin wurden etwa 700 Führungskräfte aus verschiedenen Branchen befragt.

Zentrales Ergebnis: Deutsche Unternehmen suchen ihre Manager vor allem nach Softskills aus. Am wichtigsten ist hierbei Offenheit und Sensibilität. 87 Prozent der Befragten zählen dies zu den Mindestvoraussetzungen für Führungskräfte. Gefolgt von Anpassungsfähigkeit (82 Prozent) und Durchsetzungsstärke (78 Prozent).

Internationalität ist ein weiteres Auswahlkriterium. Immerhin sind etwa 80 Prozent der Studienteilnehmer schon heute außerhalb Deutschlands tätig. Um zukünftig Führungskräfte zu rekrutieren, die in dieses globale Umfeld passen, legen Unternehmen Wert auf Berufserfahrung im Ausland (65 Prozent) und erweiterte Sprachkenntnisse (62 Prozent). Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen stellen auch Führungskräfte ein, die nicht unbedingt deutschsprachiger Herkunft sind. Deutsche Sprachkenntnisse bleiben für 43 Prozent ein Muss.

Personalsuche international

Um bei der Suche nach Personal aber nicht auf die Bundesrepublik beschränkt zu sein, suchen mehr als ein Drittel der  Unternehmen auch gezielt außerhalb Deutschlands. Einige konzentrieren sich dabei gezielt auf Österreich und die Schweiz. Mit Blick auf ausländische Niederlassungen oder Werke gibt die Mehrheit der Unternehmen (69 Prozent) an, sowohl Manager aus dem deutschen Stammhaus zu entsenden als auch lokale Führungskräfte aufzubauen. Ausschließlich auf lokale Manger setzen gerademal sieben Prozent der Firmen.

Doch auch innerhalb Deutschlands schlummert noch ungenutztes Potenzial. Frauen zum Beispiel sind in den Führungsetagen deutscher Firmen immer noch unterrepräsentiert. 39 Prozent der Befragten haben keine Frau auf der obersten Führungsebene. Auf der zweiten Hierarchiestufe sind immerhin noch zehn Prozent ohne weibliche Beteiligung. Das wollen etwa ein Drittel der Unternehmen mit gezielten Förderprogrammen ändern. Recruiting-Veranstaltungen für weibliche High-Potentials sind eine weitere Maßnahme, um mehr Frauen anzulocken.

"Immer häufiger korrigieren Unternehmen bei der Suche nach Führungskräften ihre Vorstellungen, was das Alter betrifft", sagt Stokburger. Die Altersobergrenze liege heute bereits zehn Jahre über der von vor zwanzig Jahren.

Eine Position die gerne älteren Führungskräften mit viel Erfahrung angeboten wird, ist die des Interims-Managers. Und der Großteil der Befragten ist zufrieden mit den Leistungen der Übergangs-Chefs. 35 Prozent gaben an, die Führungskräfte hätten die Situation gut gemeistert.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Sie wollen mir doch nicht erzählen,...

...dass alle Herren in den oberen Etagen Talent haben, Überzeugungskraft und Sachverstand besitzen und durchsetzungsfähig sind? Da habe ich einen ganz anderen Eindruck.
Das Geheule mancher Herren hier ist wirklich schlimm und erweckt den Eindruck sie würden sich durch Frauen irgendwie bedroht fühlen... Bitte nehmen Sie sich ein Taschentuch, trocknen Ihre Tränen und sehen endlich ein, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Frauen in Führungsetagen sind schon allein deswegen sinnvoll, weil Kunden und Mitarbeiter zum Teil ebenfalls weiblich sind. Zudem schaden neue Impulse selten, sondern zwingen manche Alteingesessenen vielleicht dazu, sich mit Themen auseinander zu setzen mit denen sie sich vorher nicht auseinandergesetzt haben. Das hat noch keinem Kopf geschadet. Des Weiteren gibt es viele kompetente, gut ausgebildete und durchsetzungsfähige Frauen. Man muss also nicht „irgendeine“ Frau nehmen, nur damit eine Frau vorhanden ist, sondern kann eine fähige Dame finden.

Falsche Fragestellung

Dass Gras nicht schneller wächst, wenn man es zieht, ist eine Binsenweisheit. Obwohl also dem Einzelnen von Natur aus Grenzen unüberwindbar gezogen sind, die lediglich um den Preis seines körperlichen Verlustes übertreten werden können, gefallen sich nach wie vor nicht wenige vor allem unter der hiesigen Bevölkerung, gegen besagten Grundsatz brachial zu verstoßen. Ob sich daher auch in den Managements von an sich aufgeklärt gebenden Unternehmen solche Übeltäter finden, könnte insofern nicht nachrangiger sein, wenn das in Rede stehende und den wirtschaftlichen Erfolg äußerst gefährdende Fehlverhalten nach wie vor massiv Unterstützung findet.