Ein kurzer Weg zum Chef, die Aussicht auf feste Übernahme, Arbeiten in einem kleinem Team – ist das nicht attraktiv? Offenbar nicht, denn immer mehr kleinen und mittleren Unternehmen fällt es schwer, Personal zu finden, sagt Martin Dietz, Wissenschaftler beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Dabei haben die Kleinen mit weniger als 50 Mitarbeitern die meisten offenen Stellen. In der Summe ist es mehr als bei mittleren und großen Unternehmen zusammen. Die Kleinen, das ist die Masse der Betriebe: Von den rund zwei Millionen Betrieben in Deutschland zählen 95 Prozent zu den Kleinen. Doch jede vierte Suche nach neuem Personal bleibt erfolglos, ermittelt das IAB in zwei Betriebsbefragungen.

Auch die Conject AG in München kennt diese Schwierigkeit. Der Betrieb plant, baut und betreibt mit seinen 145 Mitarbeitern deutschlandweit Immobilienprojekte. Um qualifiziertes Personal zu finden, setzt die Firma seit einiger Zeit  auf Recruiting-Filme. Stellenanzeigen in Printmedien, aber auch Social Media gehören wie die eigene Karriere-Seite zum Standardprogramm. Trotzdem fällt die Suche schwer.

Den IAB-Forschern zufolge melden sich durchschnittlich neun Bewerber auf eine offene Stelle bei kleinen und mittleren Betrieben, bei Großbetrieben ab 250 Mitarbeitern und mehr sind es hingegen 23. Bewerber versprechen sich von den Großen vor allem Aufstiegschancen. Bei kleinen Firmen ist das oft ein Manko: Sie können ihren talentierten Fachkräften in der Regel nur wenige Perspektiven bieten. Auch ist das Arbeitsplatzrisiko bei den Kleinen statistisch gesehen größer. Auch glauben viele Bewerber, dass die Löhne bei den kleinen und mittleren Unternehmen im Durchschnitt geringer sind.

Die großen Firmen profitieren zudem oft von einer bereits bekannten Arbeitgebermarke. "Ein bekannter Name ist ungemein hilfreich", sagt Pierre Schwedler, Arbeitsvermittler bei der Berliner Arbeitsagentur. 

Welche Suchwege versprechen den besten Erfolg für die Kleinen?

"Große Betriebe haben außerdem eine Personalabteilung, die die Suche professionell betreiben und schnelle Einstellungen damit erleichtern kann", sagt Stefan Maschinski vom Arbeitgeber-Service der Berliner Arbeitsagentur. Bei besonders begehrten Fachkräften hilft das aber auch nicht immer. Da kämpft der Große genauso wie der Kleine.

Der Schlüssel für eine erfolgreiche Besetzung ist, dass möglichst viele Bewerber überhaupt von der Vakanz erfahren. Doch genau daran hapert es. Die Untersuchungen des IAB zeigen, dass Kleinbetriebe vor allem über persönliche Kontakte und die Arbeitsagentur neue Mitarbeiter suchen. Die Großen profitieren zum einen von einem Pool Kandidaten aus Initiativbewerbungen und sie setzen zusätzlich auf die Firmen-Homepage und auf Stellenbörsen im Internet.

Die besten Erfolgsaussichten versprechen die Kontakte der eigenen Mitarbeiter, zeigt die IAB-Untersuchung und bestätigt damit Ergebnisse von vorigen Studien. Fast 80 Prozent der offenen Stellen werden durch die Netzwerke der eigenen Arbeitnehmer besetzt. "Aus unserer Erfahrung schauen Betriebe zunächst, ob es im näheren Umfeld geeignete Kandidaten gibt", berichtet Vermittler Schwedler. Ob die Arbeitsagentur eingeschaltet wird, prüfen die Kleinen sehr genau. Stelleninserate werden von einem Drittel geschaltet. Geringer ist die Neigung, Stellenangebote auf der eigenen Homepage zu platzieren. Wer das Unternehmen nicht kennt, kommt auch nicht auf die Idee, sich hier zu besetzen. Die großen Stellenportale zu ignorieren, mindert die Besetzungschancen deutlich. Allerdings sind die Anzeigen in den Portalen recht teuer.

In manchen Branchen – etwa im Handwerk oder im Dienstleistungsbereich – zahlen die Kleineren oft tatsächlich etwas weniger als die Großen. Das Einkommen ist für die Bewerber aber entscheidend, vor allem für gefragte Fachkräfte. Wer die Wahl hat, heuert dann lieber bei den größeren Firmen an.