Führung : Management-Schulen entdecken das Glück

Risikomanagement, Bilanzanalyse, Datenauswertung stehen traditionell auf dem Stundenplan der Business Schools. Immer mehr widmen sich auch dem Thema Glückssuche.

46.000 Euro kostet der Teilzeit-Master "Positive Leadership" an der renommierten Business School IE in Madrid. Viel Geld für eine Weiterbildung, die gerade mal fünf Wochen dauert. Ebenso außergewöhnlich ist der Stundenplan. Bei Meditation und Yoga sollen die 24 Teilnehmer beispielsweise von Buddhisten lernen, wie sie im Berufsalltag bewusstere Entscheidungen treffen. Das Training findet über einen Zeitraum von 13 Monaten statt, fünf Mal reisen die Studenten für jeweils eine Woche nach Madrid. In der Zwischenzeit versuchen sie, das Erlernte in ihren Betrieben umzusetzen.

"Unternehmen kommen besser durch Krisen, wenn sich Mitarbeiter auf allen Ebenen wohl fühlen und bewusstere Entscheidungen treffen," sagt der Psychologe Lee Newman von der IE. Bei Positive Leadership gehe es darum, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und negative Emotionen loszulassen. Entscheidend seien Glück und Wohlbefinden, behauptet Newman.

Die wissenschaftlichen Grundlagen für solche Führungsansätze stammen aus der positiven Psychologie. Sie konzentriert sich bei Konflikten und Krisen auf die Zukunft. Statt in der Vergangenheit nach mehr oder weniger traumatischen Erlebnissen zu suchen, stellt man eher die Frage: Wie kann ein Leben erfüllend und erfolgreich sein?

Für manche mag der Begriff nicht mehr sein, als eine angesagte Management-Floskel oder ein geschicktes Marketingvehikel der Business Schools. Doch zahlreiche Studien konnten in den vergangenen Jahren bestätigen: Es existiert tatsächlich ein Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit der Mitarbeiter und dem Erfolg des Unternehmens.

Shawn Achor, Autor des Buches The happiness advantage, hat für die Harvard Universität in 45 Ländern geforscht und gezeigt, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Mitarbeiterglück und Unternehmenserfolg gibt. In einer Meta-Studie konnten die Wissenschaftler Sonja Lyubomirsky, Laura King und Ed Diener diesen Zusammenhang bestätigen. Die Forscher werteten hatten dafür 225 akademische Studien zu dem Thema Glück und Erfolg ausgewertet.

Das Interesse der Unternehmen steigt

Zwar gibt es  verschiedene Auffassungen von Glück. Manche Forscher sprechen von subjektivem Wohlbefinden (subjective well-being) und meinen langfristige Zufriedenheit. Andere reden von "meaning", also Sinn oder Bedeutung. Einigkeit wird wohl darüber herrschen, dass nicht jeder Mitarbeiter immer und überall gut drauf ist.

Was Kollegen und Vorgesetzte dazu beitragen können, dass die Laune möglichst oft gut ist, will ihnen jetzt die IE in Madrid beibringen. Sie ist die erste Hochschule, die positive Führung mit einem eigenen Master-Programm lehrt. Doch auch andere Einrichtungen beschäftigen sich mit dem Thema:

Die École Centrale Paris veranstaltete im vergangenen Jahr ein Training zu positivem Management. Und auch an der Management-Universität von Singapur, der Chicago Booth School und Harvard verbinden Forscher Ansätze aus der Verhaltenswissenschaft und dem klassischen Management. Immer auf der Suche nach Wegen, die Frustration in Betrieben mindestens zu schmälern, bestenfalls zu vermeiden.

Die IE ist zuversichtlich, dass in Zukunft auch andere Business Schools Verhaltensforschung in die Stundenpläne aufnehmen werden. "Das Interesse der Unternehmen steigt", sagt Newman. Denn in Zeiten von Euro-Krise und Rezession steigt in weiten Teilen Europas auch das Frustrationspotenzial. Ein bisschen Optimismus aus dem Management könnte da ganz gut tun.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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