"Meine Leidenschaft ist Geld", sagt Özlem Denizman Kocatepe. Anderen treibt schon der Gedanke, das eigene Geld gewinnbringend in Aktien, Fonds oder Immobilien anzulegen, Angstschweiß auf die Stirn. Nicht so der türkischen Finanzexpertin. In einer eigenen Fernsehshow, in Vorträgen und Büchern gibt sie ihr Wissen weiter und ermutigt vor allem Frauen, klug zu investieren und zu sparen.
Kocatepe kommt aus einer türkischen Mittelschichtsfamilie, hat zwölf Jahre in den USA gelebt und dort studiert. Die resolute Geschäftsfrau hatte schon als Teenager große Ziele, etwa bis zu ihrem 30. Lebensjahr drei Sprachen zu erlernen. Doch zum Beruf machte sie ihre Leidenschaft, andere für Geld zu begeistern. Mit einem MBA in Finance erarbeitete sie sich die Grundlage für ihre Geschäftsidee.
In den vergangenen Jahren florierte die türkische Wirtschaft, Istanbul gilt als Boomregion. Davon profitierten auch berufstätige Frauen, deren Anteil zwar nur 29 Prozent beträgt, doch zwölf Prozent von ihnen haben eine Spitzenposition in der Wirtschaft inne. "In der Türkei machen Frauen in Familienunternehmen und internationalen Konzernen Karriere", sagt etwa Melek Pulatkonak, die vor drei Jahren das Business Netzwerk Turkish Win gegründet hat.
Viele erfolgreiche türkische Unternehmerinnen kommen aus der Mittelschicht und haben im Ausland studiert. Die Microsoft-Managerin Pulatkonak beispielsweise studierte an der London School of Economics (LSE), arbeitete viele Jahre in New York und lebt heute wieder in Istanbul. Mit ihrem Netzwerk möchte sie erfolgreiche Managerinnen mit türkischen Wurzeln und Familie miteinander verbinden. Dort engagieren sich mittlerweile 400 erfolgreiche Frauen, die ähnliche Werte und Ziele teilen und sich beruflich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Erklärtes Ziel von Pulatkonak ist es, bis Ende 2015 das 10.000. Mitglied zu begrüßen. Mentorenprogramme und Stipendien für türkische Mädchen und junge Frauen tragen die Idee weiter, denn die Netzwerkerinnen verstehen sich auch als Vorbild für andere.
Immer mehr Frauen gründen eine Firma
Zwar richtet sich ihr Business-Netzwerk ausschließlich an Frauen, nur am 8. März, dem internationalen Frauentag, lädt sie einen Mann zum Vortrag ein. "Wir nennen das Guys who rock", sagt sie. "In der Türkei gründen momentan viele junge Frauen eigene Firmen." Über eine gute Ausbildung verfügen viele, denn 44 Prozent der Studierenden an türkischen Universitäten sind weiblich.
Allerdings stehen die Türkinnen ähnlich wie die deutschen Frauen vor
dem Problem der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es gibt zu
wenige Betreuungsplätze für Kinder und das traditionelle Frauenbild hindert
manch gut ausgebildete Mutter daran, weiterhin ihre Karriere zu verfolgen. Vom
konservativen Frauenbild ihres Ministerpräsidenten, der eine Dreikind-Politik
propagiert, halten die meisten selbstbewussten Unternehmerinnen nicht viel,
auch wenn viele offen keine Kritik üben.
Der Spagat zwischen Karriere und Tradition ist für sie eine Herausforderung: Nicht nur in den traditionellen Familien erwarten viele Männer immer noch, dass ihre Ehefrauen ihren Beruf aufgeben und sich ganz um Haushalt und Kinder kümmern. Möchten sie doch arbeiten, brauchen sie oftmals die Erlaubnis ihrer Ehegatten dazu. Was antiquiert klingt, war auch in Deutschland bis 1977 selbstverständlich.
Kommentare
Ist doch cool!
Wenn Frauen Chef werden ists doch cool, ich verstehe aber nicht, wieso Zeitonline immer auf Erdogan rumhakt. Ist es so schlimm, wenn ein gewählter Ministerpräsident aus demografischen Gründen 3 Kinder pro Familie vorschlägt? Es besteht kein Zwang.
Die "demografischen Gründe" für die Propagierung der 3-Kind-
Familie sind doch lächerlich. Die sinkenden Geburtenzahlen werden durch Zuwanderung mehr als ausgeglichen. Erdogan sollte sich lieber um eine bessere Integration der syrischen Flüchtlinge kümmern. Der Krieg dort wird ob mit Militärintervention oder ohne Militärintervention noch etliche Jahre dauern. Die Flüchtlinge werden dauerhaft in der Türkei bleiben. Gleichzeitig sind die wirtschaftlichen Boomjahre vorbei.
traditionelle Rollenbilder
In den traditionellen türkischen Familien haben Frauen die Hosen an, verwalten das Geld und bringen ihren Männern lediglich die Pantoffeln, damit diese nicht auf die Idee kommen sich in die wichtigen Dinge des Lebens einzumischen.
Schön, dass sie sich nun trauen ihr jahrhundertealtes Fachwissen gewerblich zu nutzen und damit öffentlich aufzutreten.
Frauenrolle in türkischen Familien
"In den traditionellen türkischen Familien haben Frauen die Hosen an"
Haha, das wird uns immer erzählt! Die Realität schaut leider völlig anders aus...
Ich kenn es aus erster Hand aus der Familie meiner türkischen Freundin! Meine Besuche in der "westlichen" Stadt Istanbul haben mir auch so manchen gezeigt.
Schauen Sie sich mal türkische Filme an: Nicht selten übernehmen die Frauen die Rolle des Clowns, der nicht wirklich ernst genommen wird und dem die Kinder auf der Nase rumtanzen. Die Männer entscheiden alles und sind auch die Vorbilder für die Kinder.
Viele dieser Frauen sind religiös
Wie bereits einige Kommentatoren bereits angemerkt haben, spielen türkische Frauen traditionell sehr starke Rollen in ihrer Familie, verwalten oft die Finanzen und sind bei wichtigen Entscheidungen stets eingebunden bzw. führen diese z.T. an.
Wenn man die pro-Edogan-Veranstaltungen und auch die Wählerdemografik in der Türkei wahrnimmt, dann merkt man, dass viele dieser Frauen religiös orientierte Lebensstile führen, was ja selbstverständlich ihr gutes Recht ist.
Dieser Ruf hat sogar andere Länder erreicht, neulich war ich in Jordanien und hatte über meine türkische Frau erzählt, dann hiess es gleich, "oooh, die türkischen Frauen haben starken Charakter", was ich gerne bejahte.
Es ist also keinerlei Überraschung dass viele türkische Frauen eigene Unternehmen gründen, dies haben sie bereits geschichtlich auch immer getan, gerade auch die geschiedenen und verwitweten unter ihnen, und auch andere mit der vollen Unterstützung ihrer Ehemänner.
Andere Kommentatoren und scheinbar auch der Autor des Artikels sollten sich lieber mit den Realitäten in der Türkei auseinander setzen, anstatt einfach immer wieder den gleichgeschalteten "anti-Erdogan"-Stuss von sich zu geben. Das Leben ist lernen...
Viel Erfolg dabei wünscht
Sadra
Religiöse Frauen?
Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass nicht jeder die religiösen Einstellungen von Erdogan teilt. Es gibt sekulare Sunniten und Aleviten, die Recep bey ein Dorn im Auge sind. Und mind. die Hälfte der in der Türkei lebenden Bürger wählt ihn nicht.
Zitat: "Andere Kommentatoren und scheinbar auch der Autor des Artikels sollten sich lieber mit den Realitäten in der Türkei auseinander setzen, anstatt einfach immer wieder den gleichgeschalteten "anti-Erdogan"-Stuss
von sich zu geben. Das Leben ist lernen"
Und wir lernen durch die provokativen ja unverzeihlichen Äusserungen des Recep bey wie feindselig er gegenüber andersdenkenden ist. Sollen wir es ignorieren, wie er Polizisten, die mutwillig unschuldige Menschen im Gezi Park getöetet haben verteidigt? Das ist Leben und das ist Lernen.
Wer die Hassprädigten von ihm leugnet der muss sich die Frage stellen, weshalb er vor unangenehmen Warheiten zurückschreckt.
Ist ein bischen Menschenwürde zuviel?
Ein GESUNDES Mass?
..."genügend deutsche Freundinnen, deren Freiheiten auf ein gesundes Maß beschränkt waren."
Könnten Sie bitte erklären was Sie damit meinen, d.h. von WEM beschränkt und was Sie in diesem Zusammenhang für ein "gesundes Mass" halten?
Alles eine Frage der Definition!
Genau!
Das ist es nämlich! "Gesundes Maß"! Kommt darauf an, wie man gesund definiert...
Für Türken z.B. so: Die Jungfräulichkeit eines Mädchen hat für die Familie eine so hohe Bedeutung, dass dieses einen Freund so lange "vermeidet", wie es geht. Wenn sie dann doch einen hat, dann ist die eigene Sexualität fremdbestimmt und eingeschränkt durch die strengen moralischen Vorstellungen der - ich wiederhole mich - Großeltern, Eltern, Onkeln, Tanten, Brüdern, Schwestern, Bekannten! Der Freund wird so lange geheimgehalten, wie es nur geht. Zusammenziehen und öffentlich machen ist allerfrühestens (!) möglich, wenn eine Heirat in Aussicht steht. Aber für diesen Punkt muss die Familie schon sehr liberal sein. Erst recht, wenn es sich noch um einen Ungläubigen handelt.
Aber gut, wenn das "gesund" sein soll...