ArbeitsrechtskolumneWie viel Bildungsurlaub steht Mitarbeitern zu?

Meine Mitarbeiter möchten, dass ich ihnen Bildungsurlaub genehmige. Wie sehen meine Pflichten als Arbeitgeber aus?, fragt Annette Daniel. von 

Meine Mitarbeiter möchten, dass ich ihnen Bildungsurlaub genehmige. Wie sehen meine Pflichten als Arbeitgeber aus?, fragt Annette Daniel.

Sehr geehrte Frau Daniel,

zwölf Bundesländer in Deutschland regeln den Bildungsurlaub individuell in einem eigenen Bildungsurlaubsgesetz. Das heißt, was Arbeitgeber konkret leisten müssen, hängt davon ab, in welchem Bundesland Ihr Unternehmenssitz bzw. der Arbeitsort des Mitarbeiters ist.

Anzeige

Die Übersicht zeigt, wo Arbeitgeber was ermöglichen müssen:

  • Berlin: zehn Tage innerhalb von zwei Jahren
  • Brandenburg: zehn Tage innerhalb von zwei Jahren
  • Bremen: zehn Tage innerhalb von zwei Jahren
  • Hamburg: zehn Tage innerhalb von zwei Jahren
  • Hessen: fünf Tage; Kumulierung innerhalb von zwei Jahren
  • Mecklenburg-Vorpommern: fünf Tage pro Kalenderjahr
  • Nordrhein-Westfalen: fünf Tage pro Jahr
  • Rheinland-Pfalz: zehn Tage innerhalb von zwei Jahren
  • Saarland: bis zu sechs Tage jährlich, allerdings erhalten Mitarbeiter "nur" bis zu drei Tage Lohnfortzahlung. Das bedeutet konkret, dass Mitarbeiter bei sechs Tagen drei als unbezahlten Urlaub nehmen müssen.
  • Sachsen-Anhalt: fünf Tage; Kumulierung innerhalb von zwei Jahren
  • Schleswig-Holstein: fünf Tage jährlich mit Übertragungsmöglichkeit auf das Folgejahr, dann zehn Tage im zweiten Jahr
  • In Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen existieren keine derartigen Regelungen. Für Mitarbeiter bedeutet dies, dass sie zwar bezahlten Weiterbildungsurlaub erhalten, die Kosten dafür (z.B. Seminarkosten, Reisekosten etc.) vom Grundsatz her jedoch selbst tragen müssen – wenn mit dem Arbeitgeber keine abweichende Vereinbarung getroffen wird.
"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Haftungsausschluss

Bitte beachten Sie: Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Antworten und Informationen sowie der Rechtsprechung. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen. Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Ulf Weigelt, Choriner Straße 63, 10435 Berlin. Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Autors bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

ALS E-BOOK KAUFEN

Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Für Beamte gelten in den meisten Bundesländern Sonderregelungen.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Das heißt nun aber nicht, dass Sie grundsätzlich Bildungsurlaub gewähren müssen. Denn Ziel der Weiterbildung sollte immer sein, dass Unternehmen davon profitieren. Daher können Sie von Ihren Mitarbeitern erwarten, dass sie ihre Fortbildung entsprechend der betrieblichen Anwendungsmöglichkeiten aussuchen. Sie können den Antrag ebenfalls ablehnen, wenn der entsprechende Mitarbeiter dringend im Betrieb benötigt wird, seine Abwesenheit also zu einer starken Beeinträchtigung des Betriebsablaufes führen würde. Auch können Sie ablehnen, wenn die Urlaubspläne anderer Mitarbeiter (die aus sozialen Gründen Vorrang haben) in das Zeitfenster der Weiterbildung fallen.

Haben zum Zeitpunkt des Antrags bereits diverse Mitarbeiter Ihres Betriebes eine Weiterbildung in Anspruch genommen und sind Ihre finanziellen Mittel in diesem Jahr daher ausgeschöpft, können Sie den Bildungsurlaub ebenfalls ablehnen. Auch müssen Sie den Bildungsurlaub erst gewähren, wenn ein Mitarbeiter mindestens sechs Monate in Ihrem Betrieb tätig ist. Und wird die von Ihren Mitarbeitern ausgesuchte Weiterbildung in Ihrem Bundesland nicht als solche anerkannt, können Sie den Antrag ebenfalls ablehnen. Darüber hinaus müssen Mitarbeiter immer darauf achten, Fristen und Formalitäten einzuhalten. Halten sie sich nicht daran, können Sie den fehlerhaften Antrag ablehnen. Achten Sie Ihrerseits darauf, die Begründung Ihrer Ablehnung generell schriftlich zu machen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. und auch dort gibt es Bildungsurlaub. Schlechte Recherche.

  2. zahlt man seine Reise- und Seminarkosten selbst. Sehr schlechte Recherche.

  3. Irgendwie störe ich mich an der unterschwelligen Betrachtungsweise des Artikels, wie der AN den Bildungsurlaub vorenthalten kann. Ist es nicht so, dass der AN von der Qualifizierung seiner MA profitiert? Sollte der Tenor dieses Artikels nicht vielmehr lauten "Freuen Sie sich doch, wenn sich Ihre MA freiwillig (und i.d.R. auf eigene Kosten) fortbilden wollen!"

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @hafensonne: ich empfinde diesen Artikel ebenfalls als richungsweisend, wie AG Bildungsurlaubsanträge unterbinden können--> da gebe ich Ihnen völlig Recht! Schade, denn dieses gesetzliche Recht eines jeden AN´s wird viel zu selten genutzt und dieser Artikel motiviert nicht, sich nach Veranstaltungen umzuschauen, die den eigenen Horizont erweitern könnten. Denn letztlich ist (fast) alles, was für die jeweiligen Bundesländer als Bildungsurlaub zertifiziert wurde (was der Artikel übrigens ebenfalls nicht thematisiert!) auch begründbar im Sinne eines Nutzens für den AG; denn welcher AG sollte nicht daran interessiert sein, dass seine Mitarbeiter auch politisch einen Background haben, dass sie die deutsche oder eine zusätzliche Sprache besser beherrschen, dass sie erweiterte Kommunikationskompetenzen besitzen, etc etc etc...
    Liebe Arbeitnehmer, nuztz doch Eure Rechte, die irgendwann mal erkämpft wurden; Bildungsurlaub gibt es in den unterschiedlichsten Preislagen und dieser sagt nichts über die Qualität aus ;-) Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass auch sehr günstige Angebote meinen Horizont noch immer erweitert haben und nicht zu vergessen: man lernt viele interessante Menschen kennen und kann auch seine eigenen privaten als auch beruflichen Netzwerke erweitern.

  4. "Den Externen darf ich keinen Bildungurlaub geben - und die Internen wollen nicht. Verkehrte Welt! Warum sind meine Festangestellten so doof?"

    • wauz
    • 15. August 2013 14:31 Uhr
  5. Bei den Einschränkungsmöglichkeiten stelle ich mir vor, dass die Mitarbeiter der DB seit Jahren nicht mehr fortgebildet werden konnten ("dringend im Betrieb benötigt").

  6. auch die möglichkeit der politischen bildung, zum bespiel beim dgb bildungswerk, da ist dann der mögliche nutzen für den betrieb wohl eher nicht kriterium einer ablehnung durch den betrieb. zudem sollte man abgelehnten bidlungsurlaub ins nächste jahr übertragen können, wenn dies vor ablauf des jahres dem betrieb schriftlich mitgeteilt wird. bei ablehnung durch den betrieb sollte auf jeden fall der betriebsrat und,wenn mitglied der gewerkschaft, diese konsultiert werden. da die regelungen öglicherweis eje bundesland unterschieddlich sind gilt auch hier, infos gibt es bei der einzelgewerkschaft und beim dgb. unbedingt nutzen.

    bildungsurlaub ist ein recht der beschäftigten und sollte unbedingt massenhaft in anspruch genommen werden.

    gebildete beschäftigte denken mit.

  7. @hafensonne: ich empfinde diesen Artikel ebenfalls als richungsweisend, wie AG Bildungsurlaubsanträge unterbinden können--> da gebe ich Ihnen völlig Recht! Schade, denn dieses gesetzliche Recht eines jeden AN´s wird viel zu selten genutzt und dieser Artikel motiviert nicht, sich nach Veranstaltungen umzuschauen, die den eigenen Horizont erweitern könnten. Denn letztlich ist (fast) alles, was für die jeweiligen Bundesländer als Bildungsurlaub zertifiziert wurde (was der Artikel übrigens ebenfalls nicht thematisiert!) auch begründbar im Sinne eines Nutzens für den AG; denn welcher AG sollte nicht daran interessiert sein, dass seine Mitarbeiter auch politisch einen Background haben, dass sie die deutsche oder eine zusätzliche Sprache besser beherrschen, dass sie erweiterte Kommunikationskompetenzen besitzen, etc etc etc...
    Liebe Arbeitnehmer, nuztz doch Eure Rechte, die irgendwann mal erkämpft wurden; Bildungsurlaub gibt es in den unterschiedlichsten Preislagen und dieser sagt nichts über die Qualität aus ;-) Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass auch sehr günstige Angebote meinen Horizont noch immer erweitert haben und nicht zu vergessen: man lernt viele interessante Menschen kennen und kann auch seine eigenen privaten als auch beruflichen Netzwerke erweitern.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Betrachtungsweise"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitgeber | Weiterbildung | Unternehmen
Service