Serie Beruf der WocheMehr Lebensqualität für Schielende

Das Berufsbild der Orthoptisten ist weitgehend unbekannt. Die Augenspezialisten dürfen Diagnosen erstellen, obwohl sie keine Ärzte sind, zeigt der Beruf der Woche. von 

Schielen ist kein harmloser Makel, sondern eine ernstzunehmende Sehbehinderung: Strabismus – so der Fachausdruck – tritt insbesondere bei Kleinkindern häufig auf. Etwa fünf bis sieben Prozent der Kinder in Deutschland sind vom Silberblick betroffen. Unbehandelt führt er oft dazu, dass die Leistung eines Auges abnimmt. Ab einem bestimmten Alter ist dieser Prozess nicht mehr behandelbar.

Abhilfe schaffen Orthoptisten. Der Begriff leitet sich aus dem griechischen Wort orthoptiki ab, was "gerade sehen" bedeutet. Orthoptisten sind für die Prävention und Behandlung von Patienten mit Schielerkrankungen zuständig, sie kümmern sich aber auch um Sehschwächen, Augenzittern und sämtliche Augenbewegungsstörungen. "Obwohl wir keine Ärzte sind, sind wir auch diagnostisch tätig. Das ist unter den Gesundheitsberufen einmalig", sagt Dagmar Verlohr, die Erste Vorsitzende des Berufsverbands der Orthoptistinnen Deutschlands.

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Die Spezialisierung auf die genannten Bereiche unterscheidet laut Verlohr die Orthoptisten von den Augenärzten. Diese sind für alle gesundheitlichen Aspekte des Sehapparates zuständig, Orthoptisten sind hingegen ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet. Patienten werden deshalb von Augenärzten meistens an einen Orthoptisten überwiesen.

Dreijährige Ausbildung an Fachschulen

Drei von vier Patienten sind Schielkinder. Bei Problemen wird zunächst die Sehschärfe auf beiden Augen untersucht, dann die Zusammenarbeit beider Augen, das Binokularsehen. Anschließend werden die Augenbewegungen analysiert. Wie gut funktioniert jeder einzelne Augenmuskel, wie gut die Pupille?

Die einzige, aber bewährte Therapiemöglichkeit bei Schielkindern ist das Zukleben eines Auges, um das schwächere Auge zu stärken. Dabei muss dann die Sehleistung intensiv überwacht werden. Zudem kann das Kind zur Unterstützung Übungen im Nahsichtbereich machen, zum Beispiel Bilder ausmalen. Auch Spielen am Computer hat sich als Übung zur Verbesserung der Sehfähigkeit herausgestellt. Die Erfolgsquote hängt vom Beginn der Therapie ab. Wie so oft in der Medizin gilt auch hier: Je früher entdeckt und behandelt, desto besser die Chance.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Doch nicht nur Kinder, auch Erwachsene suchen den Weg zu den Augenspezialisten. "Oft ist hier das Sehen durch latentes Schielen gestört oder die Zusammenarbeit beider Augen nach Schlaganfällen oder Tumorerkrankungen beeinträchtigt", sagt Verlohr. "Hier kann durch spezielle Brillengläser geholfen werden."

Für die Arbeit als Orthoptisten sind Geduld, Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl und Verantwortungsbewusstsein vonnöten. Die Ausbildung dauert drei Jahre und kann an einer der bundesweit 14 Fachschulen absolviert werden. Sie sind allesamt Universitätsaugenkliniken angegliedert.

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