Serie Beruf der Woche : Ein krisensicherer Job, auch ohne Krise

Unternehmensberater werden nur gerufen, wenn es einem Unternehmen schlecht geht? Weit gefehlt. Die Tätigkeit ist von Firmen immer gefragt, zeigt unser Beruf der Woche.

Mehr als 28.000 Unternehmen mussten 2012 in Deutschland Insolvenz anmelden. Damit ein Unternehmen gar nicht erst soweit in die Krise gerät, ist es sinnvoll, rechtzeitig Hilfe von außen einzuholen. "Unternehmensberater können dabei helfen, einen Betrieb wirtschaftlich wieder auf Kurs zu bringen", sagt Hans-Werner Wurzel, Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater.

Ziel ist, ein vom Arbeitgeber vordefiniertes Ziel zu erreichen. Das kann etwa darin bestehen, eine Strategie zur Sanierung eines in finanzielle Schieflage geratenen Unternehmens zu erarbeiten. Dazu werden zu Beginn die Unternehmensstrukturen ausgiebig analysiert. Zahlen werden begutachtet und Interviews mit Mitarbeitern und Verantwortlichen geführt. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse kann dann eine Strategie ausgearbeitet werden.

Zuvor gilt es jedoch, die Ergebnisse der Analyse dem Auftraggeber verständlich zu präsentieren. "Das ist einer der wichtigsten Schritte während eines Projekts", sagt Wurzel. "Es ist entscheidend, dass uns der Auftraggeber voll und ganz vertraut. Er muss verstehen, was wir herausgefunden haben. Erst dann können wir Lösungsansätze, Handlungsalternativen und Strategien aufzeigen."

Bei finanziell angeschlagenen Unternehmen bedeutet das mitunter auch, das Portfolio zu bereinigen. Unrentable Geschäftsbereiche aufzugeben bedeute dann zwar auf den ersten Blick einen Rückgang des Umsatzes, bei genauerem Hinsehen aber zugleich auch verringerte Kosten und deshalb bisweilen eine Erhöhung der Profitabilität insgesamt, erklärt Wurzel. "Für ein Unternehmen kann es durchaus sinnvoll sein, in einem bestimmten Marken- oder Produktbereich nicht mehr tätig zu sein, um unter dem Strich profitabler zu arbeiten."

Auch Empfehlungen, sich von Personal zu trennen, gehören zum Job eines Unternehmensberaters. "Das sind dann oft die unerfreulichen Seiten des Berufs." Diese Vorschläge umzusetzen, liege aber immer in der Verantwortung des Auftraggebers, sagt Wurzel – es sei denn, es werde darüber hinaus Hilfe gewünscht. Zwar beschränkt sich die Arbeit von Unternehmensberatern in der Regel nur auf die Beratung, mitunter werden aber auch Verhandlungen mit Banken oder Gläubigern übernommen oder Gespräche mit Mitarbeitern oder dem Personalrat geführt. Das ist vor allem bei Sanierungen der Fall.

Die Bandbreite an Aufgaben ist sehr groß. Neben der Hilfe bei der Sanierung erarbeiten Unternehmensberater auch Strategien zur Markteinführung eines Produkts oder sind in der Software- oder Personalberatung tätig. "In der Regel spezialisieren sich Unternehmensberater im Laufe der Zeit auf einen Bereich", sagt Wurzel.

Entgegen der weitläufigen Meinung sind Unternehmensberater aber nicht nur gefordert, wenn es Unternehmen schlecht geht. In wirtschaftlich guten Zeiten helfen sie auch dabei, neue Märkte zu erschließen. "Wenn es der Wirtschaft gut geht, dann schauen die Unternehmen, wo sie noch wachsen können. Geht es den Unternehmen schlecht, dann wird geprüft, wo gespart werden kann. Bei beiden Maßnahmen sind oft Unternehmensberater involviert", sagt der Verbandsexperte.

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