Serie Chefsache : Führungskräfte sollten Verschnaufpausen schaffen

Immer wieder neue Projekte! Auch wenn der Druck enorm ist: Führungskräfte müssen ihren Mitarbeitern auch mal ruhigere Phasen gönnen, ansonsten leidet die Produktivität.

Bei uns im Unternehmen herrscht seit langer Zeit ein enormes Tempo, ständig werden neue Projekte aufgesetzt. Die Folge: Meine Kollegen und ich sind erschöpft und ideenlos. Wie komme ich mit meiner Abteilung aus diesem Tief?, fragt Manfred Weber, Marketingleiter bei einem Möbelhersteller.

Sehr geehrter Herr Weber,

viele Unternehmen neigen dazu, zu viele Projekte gleichzeitig umsetzen zu wollen. Für einen gewissen Zeitraum halten die meisten diese Überbelastung auch aus. Fehlen jedoch dauerhaft Ressourcen, um den Arbeitsaufwand bewältigen zu können, arbeitet man ständig unter Zeitdruck, ändern sich häufig die Prioritäten und fehlen im Arbeitsalltag regelmäßige Erholungsphasen, steuert ein Unternehmen mit seiner gesamten Belegschaft in die Erschöpfung.

Schauen Sie gemeinsam mit Ihren Kollegen, welche Projekte wichtig sind und welche gestrichen oder verschoben werden können. Um diesen Prozess in Gang zu setzen, erstellen Sie eine Liste mit drei Kategorien:

  • Notwendig (für das gesamte Unternehmen)
  • Wichtig, kann aber erst einmal verschoben werden
  • Lässt sich für einen längeren Zeitraum verschieben bzw. ist zu streichen.

Die Entscheidung, welche Projekte verschoben bzw. gestrichen werden können, hängt dabei aber nicht von Vorlieben ab, sondern davon, ob sie für die Firmenstrategie wichtig sind.

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Ist die Liste der Projekte mit dem Status "notwendig" immer noch zu lang, teilen Sie diese Aufgaben noch einmal in drei Stufen. Bei der Entscheidung, was gestrichen werden muss, hilft die Frage, welches Projekt man auch heute noch angehen würde, wenn es nicht bereits liefe?

Steht die Auswahl fest, dann streichen Sie die Projekte aber nicht einfach so, sondern schließen Sie sie ab, indem Sie allen für ihren bisherigen Einsatz danken und die positiven Aspekte hervorheben. Das ist wichtig für die Mitarbeiter, die hieran beteiligt waren.

Regelmäßige Ausleseprozesse zu festgelegten Zeitpunkten schützen davor, nicht rückfällig zu werden. Denn wer weiß, dass ausgemistet wird, verschleppt Projekte in der Regel nicht. Und auch Obergrenzen sind hilfreich, wenn Unternehmen sich mit zu vielen Aufgaben verzetteln. Ist das Maximum in einer Abteilung erreicht, dürfen neue (wichtigere) Projekte nur angenommen werden, wenn zusätzlich Ressourcen geschaffen oder anderes gestrichen wird.

Solch ein Ausleseprozess erfordert Durchsetzungsvermögen, vor allem, wenn Sie Tasks streichen, die einflussreiche Befürworter im Unternehmen haben. Oft droht bei Projektstreichungen ein Imageschaden. Hier kann das obere Management gegensteuern, indem es klar kommuniziert, dass der Ausleseprozess zur Unternehmenskultur gehört. Dabei müssen Sie allerdings mit gutem Beispiel vorangehen, denn wer von seinen Mitarbeitern eine Haltung erwartet, die er selbst nicht an den Tag legt, schafft keine Veränderung.

Pausen nicht als Störung wahrnehmen

Tempo aus einem Unternehmen herauszunehmen, ist für Führungskräfte eine große Herausforderung, werden "Verschnaufpausen" doch nicht selten als störende Unterbrechung angesehen. Dabei sind Pausen nach großen Anstrengungen enorm wichtig, um Energie und Kreativität für die nächste Hochleistungsphase sammeln zu können. Das Unternehmen Microsoft zum Beispiel gönnte seinen Mitarbeitern 2004 ein ganzes Jahr lang eine Verschnaufpause, indem es keine Veränderungen umsetzte. Der Grund: Die Belegschaft hatte zuvor mit großen Anstrengungen Umstrukturierungen umgesetzt.

Sind solche Auszeiten bei Ihnen nicht umsetzbar, können Sie Tempo herausnehmen, indem Sie nach jeder Phase der Anstrengung generell eine Erholungsphase einplanen. Schließen Sie dazu jedes Projekt ab, indem Sie es Revue passieren lassen und den Erfolg mit Ihrem Team feiern.

Ihre Sabine Hockling

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

5 Kommentare Kommentieren

Apropos Pausen

Es wäre auch angebracht, wenn man zum Beispiel Hochleistungs-Legehennen, die in einer Eierfabrik zusammengepfercht auf engstem Raum dahin vegetieren, ab und zu mal ein wenig Ausritt ins Freiland gönnen würde. Und zwar bevor sie geschlachtet werden. Warum ich ausgerechnet hier bei diesem Artikel darauf komme, ist mir bedauerlicherweise entfallen...

Die scheinheiligen sagen nichts als ob ...

Die scheinheiligen sagen nichts als ob sie wuessten sich mit dem
Leben von den Anderen nicht einzumischen.

Antwort auf:

Es wäre auch angebracht, wenn man zum Beispiel Hochleistungs-Legehennen, die in einer Eierfabrik zusammengepfercht auf engstem Raum dahin vegetieren, ab und zu mal ein wenig Ausritt ins Freiland gönnen würde. Und zwar bevor sie geschlachtet werden. Warum ich ausgerechnet hier bei diesem Artikel darauf komme, ist mir bedauerlicherweise entfallen...

Überlastung aka Stress

haben nur die Leistungsschwachen, dies gilt besonders für die nicht belastbaren dt. Arbeitnehmer, die es sich in ihrer sozialen Marktwirtschaftshängematte bequem gemacht haben. Daher sollten die Mitarbeiter die den Anforderungen der Globalisierung nicht gewachsen sind, entlassen werden und durch willigere, leistungsfähigere und billigere Fachkräfte aus dem Ausland ersetzt werden. Im Rahmen dieser Veränderungen sollten sie auch auf ihre lokalen Politiker einwirken, die die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen haben. Weiterhin bietet sich die Zwischenschaltung von Arbeitsvermittlungen in den Entsenderländern an um das dt. Arbeitsrecht zu umgehen.
Folgende Präsentation inklusive Exceltabellen zeigt ihnen, wie sie den Profit steigern können und welches Optimierungspotential wir bei ihrer Firma sehen, dabei sollte auch vor kurzfristigen Verlagerungen in Länder mit einer höheren Leistungbereitschaft der Arbeitnehmer nicht zurückgeschreckt werden. Als gutes Beispiel sei dort die italienische Firma "Firem" genannt, die dies ohne Mitwissen ihrer Angestellten durchziehen konnte.
Ihr Unternehmensberater
(Zynismus aus)