Ich bin schwerbehindert und in einer Küche tätig. Aufgrund von Cateringleistungen, die wir ebenfalls anbieten, kommt es häufig vor, dass wir Überstunden machen müssen. Mich belastet diese Mehrarbeit sehr. Mein Versuch, die abzulehnen, scheiterte bislang an meinem Chef. Der meint, ich müsse entsprechend meinem Arbeitsvertrag auch Überstunden leisten. Ist das so richtig?, fragt Manfred Schneider.

Sehr geehrter Herr Schneider,

schwerbehinderte Arbeitnehmer haben nach § 81 Abs. 4 Nr. 1 bis 5 SGB IX verschiedene Ansprüche. Unter anderem können schwerbehinderte Mitarbeiter technische Arbeitshilfen sowie die entsprechende Gestaltung ihres Arbeitsplatzes und der -organisation verlangen. 

Dazu zählt auch die behindertengerechte Gestaltung der Arbeitszeit. Das Bundesarbeitsgericht hat im Jahre 2002 beispielsweise entschieden, dass eine Beschränkung auf die Fünf-Tage-Woche für Arbeitnehmer mit Handicap zulässig ist.

Bezüglich der Überstunden speziell müssen sich Unternehmen bei schwerbehinderten Arbeitnehmern an den § 124 SGB IX halten. Das heißt, alles was Sie über acht Stunden täglich hinaus leisten, sind Überstunden. Der Paragraph regelt zudem, dass Sie auf Ihr Verlangen hin von der Mehrarbeit auszuschließen sind.

Im Klartext: Sie müssen an fünf Tagen pro Woche acht Stunden arbeiten. Was darüber hinausgeht, muss nicht von Ihnen erfüllt werden. Der Grund: Der Gesetzgeber möchte so schwerbehinderte Mitarbeiter vor einer Überbeanspruchung schützen.

Informieren Sie Ihren Arbeitgeber schriftlich darüber, dass Sie zukünftig keine Überstunden mehr leisten werden. Begründen müssen Sie das nicht. Und ein Nachteil darf Ihnen daraus auch nicht entstehen.

Ihr Ulf Weigelt