Ob Nasen richten, Fett absaugen, Falten straffen: Gut 117.000 Schönheitsoperationen wurden im vergangenen Jahr durchgeführt, Tendenz steigend. Das Aussehen spielt für viele Menschen eine stärkere Rolle. "Die Patienten kommen heute aus allen Gesellschaftsschichten", sagt Johannes C. Bruck, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie und Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-plastischen Chirurgen (VDÄPC). Zwar würden sich nach wie vor mehr Frauen als Männer unters Messer legen – Renner unter den Behandlungen sei immer noch die Brustvergrößerung – doch die Männer holen langsam auf.

Das Aufgabenfeld der Fachärzte ist in vier Bereiche aufgeteilt: Während sich in der Rekonstruktiven Chirurgie alles um durch Verletzungen, Tumore oder Fehlbildungen verursachte körperliche Makel und Einschränkungen dreht, die operativ korrigiert werden sollen, befassen sich Verbrennungschirurgen mit der akuten und nachträglichen Behandlung von Patienten mit schweren Brandwunden.

Handchirurgen sind, wie es die Berufsbezeichnung bereits sagt, auf die Behandlung von Verletzungen, Fehlbildungen und Erkrankungen an Hand und Unterarm spezialisiert. Für Ästhetische Chirurgen dagegen geht es weniger um Linderung gesundheitlicher Beschwerden. Sie greifen aus kosmetischen Gründen zu Messer und Skalpell.

"Unsere Behandlungen haben in der Regel keine medizinische Notwendigkeit. Sie entsprechen dem Wunsch des Patienten. Meist soll der Eingriff das optische Erscheinungsbild des Patienten verändernt", sagt Bruck. Die Bezeichnung Schönheitschirurg hören Plastische Chirurgen allerdings nicht gerne. Für manche ist das Wort sogar eine Beleidigung.   

Die Motivation des Patienten hinterfragen

Als Grund dafür nennt Bruck einige schwarze Schafe in der Branche, die den Ruf der Plastischen Chirurgen ruinieren würden. Für diese Kollege stünden die Geschäftsinteressen im Vordergrund. "Sei es Botox to Go oder Fett absaugen in der Mittagspause: Diese Kollegen locken Kunden mit Eingriffen, die nicht nötig sind." Solche Praktiken zerstörten die soziale Akzeptanz des Berufsstandes sowie das Vertrauen der Patienten. 

Bruck betont, dass seriöse Chirurgen auf gewisse Standards achten. Ein intensives Anfangsgespräch gehört mit dazu. Was ist das Problem des Patienten? Welche Operation ist sinnvoll und notwendig? Wenn es sich um einen ausschließlich kosmetischen Eingriff handelt, sollte auch die Motivation des Patienten hinterfragt werden. Dann erklärt der Facharzt den Ablauf der Operation und welche Risiken auftreten können.

Für die Arbeit benötigen die Fachärzte neben den entsprechenden umfangreichen medizinischen Kenntnissen viel Geduld im Umgang mit den Patienten und bei den eigentlichen Operationen. Außerdem ist gutes räumliches Vorstellungsvermögen wichtig. "Der Körper ist ja nicht zweidimensional", sagt Bruck.

Wer als Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie arbeiten möchte, muss zunächst eine mindestens sechsjährige Ausbildung durchlaufen. Dafür benötigen die Fachärzte ein abgeschlossenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation sowie die zweijährige Weiterbildung in der Chirurgie. Danach müssen vier Jahre lang Erfahrungen in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie gesammelt werden, davon muss ein Jahr in einem anderen chirurgischen Gebiet oder einem anderen Bereich wie der Frauenheilkunde oder der Pathologie absolviert werden. Gut 600 Eingriffe müssen die angehenden Chirurgen in dieser Zeit unter Anleitung eines erfahrenen Arztes durchführen. Erst dann ist es möglich, die Facharztprüfung abzulegen. Mit Bestehen darf dann der begehrte Facharzt-Titel geführt werden.

Die Jobchancen stehen gut. "Chirurgen sind gefragt", sagt Bruck. Feste Jobs gibt es in öffentlichen Krankenhäusern und privaten Kliniken. Einige machen sich mit einigen Jahren Berufserfahrung mit einer eigenen Klinik selbstständig. Das Geschäft lohnt sich. Auch wenn viele kosmetische Eingriffe nicht von der Kasse bezahlt werden, sind viele Patienten bereit, privat tief für die eigene Schönheit in die Taschen zu greifen.

Schattenseiten kann der Mediziner Bruck an seinem Beruf nicht erkennen. Allenfalls die große Verantwortung für den Patienten sei eine Herausforderung. "Aber damit weiß man irgendwann umzugehen. Alles in allem es das ein wunderbar vielfältiger Job."       

  • Verdienst: abhängig von Schwerpunkt und Erfahrung;
  • Ausbildung: sechsjährige Ausbildung nach vorangegangenem Humanmedizinstudium;
  • Arbeitszeit: variiert;