Meine Mitarbeiter beklagen sich darüber, dass sie mich nicht verstehen. Eine meiner Führungskräfte signalisierte, dass meine Aussagen nicht zu meiner Körperhaltung passen. Sind meine Körpersignale wirklich aussagekräftiger als meine Äußerungen?, fragt Walter Horstmann, Geschäftsführer einer Bekleidungskette.

Sehr geehrter Herr Horstmann,

Sie senden nicht nur durch Ihre Gestik, Mimik oder Stimme Signale, Ihre Mitarbeiter interpretieren diese auch. Diese Kommunikation ohne Worte läuft in der Regel jedoch unbewusst ab. Studien belegen, dass Menschen andere nur zu sieben Prozent nach ihren Äußerungen bewerten, zu 38 Prozent nach ihrer Stimme und zu 55 Prozent nach ihrer Körpersprache. Ein Erklärung dafür, dass Personen, die über eine gute Körpersprache verfügen, auch mit weniger Know-how erfolgreich wirken können und andersherum.

Bei all dem müssen Sie aber auch bedenken, dass die Körpersprache sehr individuell ist. Das heißt, Körpersignale haben nicht immer für alle Personen die gleiche Bedeutung, sind also nicht hundertprozentig zu interpretieren. Ein typisches Beispiel sind verschränkte Arme. Während der eine sie zur Konzentration verschränkt, macht ein anderer die Geste, um Abwehr zu signalisieren.

Verschränkte Arme sind nicht immer ein Zeichen von Abwehr

Merkmale einer positiven Körpersprache sind ein offener Blick (negativ wirkt Starren), das Gestikulieren mit offenen Händen über der Gürtellinie, ein fester Stand mit aufgerichtetem Rücken bzw. eine entspannte Sitzhaltung (negativ wirken weit auseinander stehende Beine und Knie über der Tischkante).

Legen Sie die Körpersprache anderer daher grundsätzlich nur situationsbedingt aus. Ebenfalls wichtig bei der Interpretation ist auch die Kultur, aus die der Gesprächspartner stammt. Große Unterschiede gibt es beispielsweise beim Augenkontakt (in einigen Kulturen signalisiert er Macht, in anderen Ehrlichkeit).

Ihre Körpersignale verstärken sich zudem durch Nähe bzw. Distanz. Einerseits kann zu viel Nähe Vertrauen signalisieren, andererseits blockieren. Distanz kann isolieren (Gegenstände, die zwischen Personen platziert sind, verstärken diese Wirkung), aber auch entfalten. Auch unterschiedliche Positionen in einem Raum wirken: So erhalten Personen vorne oder in der Mitte eines Raumes mehr Beachtung als hinten.

Möchten Sie an Ihren Körpersignalen arbeiten, müssen Sie sich zuerst Ihrer unbewussten Gesten und Mimik bewusst werden. Beobachten Sie dazu sich selbst und andere im Alltag, fordern Sie aber auch Personen Ihres Vertrauens auf, Sie zu beobachten und ehrlich zu bewerten. Überprüfen Sie ferner, in welchen Situationen Sie welche Signale unbewusst senden, welche Emotionen dazu gehören und wie Ihre Gesprächspartner darauf reagieren.
Sind Ihnen Ihre unbewussten Körpersignale bewusst, können Sie die unerwünschten gegen erwünschte tauschen. Und das Wichtigste: Bleiben Sie authentisch, denn Ihre Gesprächspartner spüren mögliche Divergenzen. Übung macht aber auch hier den Meister.

Kommen Sie allein nicht weiter oder möchten Sie ohne Ihr persönliches Umfeld an Ihren Körpersignalen arbeiten, besteht die Möglichkeit, mit einem Schauspieltrainer oder Körpertherapeuten zu üben.

Ihre Sabine Hockling