Unternehmen müssen der jungen Generation etwas bieten. Die Generation Y verändert die Arbeitswelt. Die Jungen können sich aussuchen, wo und wie sie arbeiten wollen – das Bild, das Medien über die Generation der unter 35-Jährigen vermittelt, klingt erschreckend selbstbewusst. Arbeit soll den Einsteigern demnach vor allem Spaß machen und sinnvoll sein. Einen festen Arbeitsplatz mit fixem Schreibtisch und festen Arbeitszeiten sei den Jungen nicht so wichtig wie Flexibilität. Aufgewachsen mit dem Internet sei es die junge Generation gewöhnt, überall und jederzeit arbeiten zu können. Stimmt es wirklich, dass der Nachwuchs, nur weil er weniger wird, jetzt eine starke Position hat und angeblich eine Arbeitswelt mit anderen Spielregeln verlangen kann? 

Für den Personalexperten Nico Rose ist das Bild der Generation Y stimmig. Rose arbeitet als Senior Direktor für Bertelsmann und soll das Unternehmen als Arbeitgeber für junge Menschen attraktiv machen. "Die Jungen sind weniger bereit, Einschränkungen des Privatlebens für eine berufliche Karriere zu akzeptieren", sagt er. Der Wunsch nach Flexibilität bei Arbeitszeit und Beschäftigungsort sei ausgeprägt, auch wollten die unter 35-Jährigen Führung auf Augenhöhe. "Mitsprache, ein auch auf der persönlichen Ebene wertschätzender Umgang und regelmäßiges Feedback stehen hoch im Kurs."

Mitsprache auf Augenhöhe, mehr Flexibilität, keine festen Arbeitszeiten – der Arbeitsalltag von jungen Fachkräften im Handwerk, in der Pflege aber auch in der Metallindustrie sieht anders aus. Und die Wünsche der Jungen offenbar auch.

Die IG Metall etwa ermittelte 2013 in ihrer Beschäftigtenbefragung, dass die Jungen sich sehr wohl einen sicheren Job wünschen. Rund 120.000 Fragebögen von unter 35-Jährigen wurden ausgewertet. Ergebnis: Die junge Generation legt großen Wert auf ein klassisches Arbeitsverhältnis. 98 Prozent halten einen unbefristeten Arbeitsvertrag für "sehr wichtig bis wichtig". Damit unterscheiden sich die Jungen an diesem Punkt nicht von den Alten.

Mit traditionellen Werten geht es weiter. In der Studentenbefragung von Ernst & Young gibt die Mehrheit mit 74 Prozent an, dass Familie und Freunde im Leben höchste Priorität haben.

Hindernisse beim Berufseinstieg sind normal geworden

Für Nico Rose ist das schnell aufgeklärt. Der Trend gehe sehr wohl zu "kürzeren Gastspielen" im Unternehmen. Gleichzeitig sagen viele Jüngere, dass Sicherheit für sie einen hohen Wert darstellt. "Die junge Generation möchte gerne loyal zu ihren Arbeitgebern sein, findet aber häufig noch nicht die richtigen Rahmenbedingungen vor." Sie versuche nicht, bestehende Systeme über den Haufen zu werfen. "Wenn es nicht passt, ziehen die Jüngeren recht schnell weiter", so Rose.

Für eine kleine Gruppe von jungen Akademikern mag das ja stimmen. Die meisten jüngeren Arbeitnehmer haben aber eher Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Die HIS-Studie zu den Berufschancen von Hochschulabsolventen zeigt, wie schwer es nach wie vor für junge Akademiker ist, beruflich sofort durchzustarten. Nur einem Drittel gelingt nahtlos der Übergang vom Studium in eine unbefristete Vollzeitanstellung. Quer durch die Fächer ist zunächst eine Zeit mit Befristungen und Werkverträgen üblich.

"Unsicherheitsphasen gehören fast für alle mit zum Berufseinstieg. Bildungsrenditen machen sich in der Regel nicht sofort nach dem Studium bemerkbar", erklärt HIS-Forscher Kolja Briedis. In manchen Fächern bleiben diese Risiken bestehen. So haben selbst zehn Jahre nach dem Abschluss 20 Prozent der Geisteswissenschaftler keine reguläre Vollzeitanstellung. "Inadäquater Beschäftigungseinstieg" nennt das Briedes.