BerufsanfängerDie superflexible junge Generation ist ein Mythos

Arbeit soll Spaß machen, feste Jobs und fixe Arbeitszeiten sind unwichtig – stimmt nicht, stellen Studien fest. Die Werteorientierung der Jungen bleibt traditionell. von Klaus Heimann

Unternehmen müssen der jungen Generation etwas bieten. Die Generation Y verändert die Arbeitswelt. Die Jungen können sich aussuchen, wo und wie sie arbeiten wollen – das Bild, das Medien über die Generation der unter 35-Jährigen vermittelt, klingt erschreckend selbstbewusst. Arbeit soll den Einsteigern demnach vor allem Spaß machen und sinnvoll sein. Einen festen Arbeitsplatz mit fixem Schreibtisch und festen Arbeitszeiten sei den Jungen nicht so wichtig wie Flexibilität. Aufgewachsen mit dem Internet sei es die junge Generation gewöhnt, überall und jederzeit arbeiten zu können. Stimmt es wirklich, dass der Nachwuchs, nur weil er weniger wird, jetzt eine starke Position hat und angeblich eine Arbeitswelt mit anderen Spielregeln verlangen kann? 

Für den Personalexperten Nico Rose ist das Bild der Generation Y stimmig. Rose arbeitet als Senior Direktor für Bertelsmann und soll das Unternehmen als Arbeitgeber für junge Menschen attraktiv machen. "Die Jungen sind weniger bereit, Einschränkungen des Privatlebens für eine berufliche Karriere zu akzeptieren", sagt er. Der Wunsch nach Flexibilität bei Arbeitszeit und Beschäftigungsort sei ausgeprägt, auch wollten die unter 35-Jährigen Führung auf Augenhöhe. "Mitsprache, ein auch auf der persönlichen Ebene wertschätzender Umgang und regelmäßiges Feedback stehen hoch im Kurs."

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Mitsprache auf Augenhöhe, mehr Flexibilität, keine festen Arbeitszeiten – der Arbeitsalltag von jungen Fachkräften im Handwerk, in der Pflege aber auch in der Metallindustrie sieht anders aus. Und die Wünsche der Jungen offenbar auch.

Die IG Metall etwa ermittelte 2013 in ihrer Beschäftigtenbefragung, dass die Jungen sich sehr wohl einen sicheren Job wünschen. Rund 120.000 Fragebögen von unter 35-Jährigen wurden ausgewertet. Ergebnis: Die junge Generation legt großen Wert auf ein klassisches Arbeitsverhältnis. 98 Prozent halten einen unbefristeten Arbeitsvertrag für "sehr wichtig bis wichtig". Damit unterscheiden sich die Jungen an diesem Punkt nicht von den Alten.

Mit traditionellen Werten geht es weiter. In der Studentenbefragung von Ernst & Young gibt die Mehrheit mit 74 Prozent an, dass Familie und Freunde im Leben höchste Priorität haben.

Hindernisse beim Berufseinstieg sind normal geworden

Für Nico Rose ist das schnell aufgeklärt. Der Trend gehe sehr wohl zu "kürzeren Gastspielen" im Unternehmen. Gleichzeitig sagen viele Jüngere, dass Sicherheit für sie einen hohen Wert darstellt. "Die junge Generation möchte gerne loyal zu ihren Arbeitgebern sein, findet aber häufig noch nicht die richtigen Rahmenbedingungen vor." Sie versuche nicht, bestehende Systeme über den Haufen zu werfen. "Wenn es nicht passt, ziehen die Jüngeren recht schnell weiter", so Rose.

Für eine kleine Gruppe von jungen Akademikern mag das ja stimmen. Die meisten jüngeren Arbeitnehmer haben aber eher Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Die HIS-Studie zu den Berufschancen von Hochschulabsolventen zeigt, wie schwer es nach wie vor für junge Akademiker ist, beruflich sofort durchzustarten. Nur einem Drittel gelingt nahtlos der Übergang vom Studium in eine unbefristete Vollzeitanstellung. Quer durch die Fächer ist zunächst eine Zeit mit Befristungen und Werkverträgen üblich.

"Unsicherheitsphasen gehören fast für alle mit zum Berufseinstieg. Bildungsrenditen machen sich in der Regel nicht sofort nach dem Studium bemerkbar", erklärt HIS-Forscher Kolja Briedis. In manchen Fächern bleiben diese Risiken bestehen. So haben selbst zehn Jahre nach dem Abschluss 20 Prozent der Geisteswissenschaftler keine reguläre Vollzeitanstellung. "Inadäquater Beschäftigungseinstieg" nennt das Briedes.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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    ... jemand heute mit dem falschen Fuß aufgestanden ;-)

    • Gerry10
    • 20. September 2013 7:36 Uhr

    [...]
    Ich hatte meinen ersten Job 1983(!) und mir wurde genau das gleiche vorgeworfen. Ich erinnere mich an einen so Mitte 50 jährigen der damals meinte meine Generation würde das Land ruinieren das seine Generation so mühsam aufgebaut hat.
    Na, so viel ich weis steht Deutschland immer noch.
    Und ja,heute kratz mir manchmal auch der Kopf und ich frage mich warum ein junger Mensch es nicht schafft pünktlich zu sein, ich habe es, verdammt noch mal, in seinem Alter ja auch geschafft.
    Manche Dinge ändern sich eben nie auch wenn sie eigentlich das gleiche bleiben.

    "Erziehung ist organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend."
    Mark Twain

    Gekürzt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Die Redaktion/ls

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    von uns Jungen. Aber sie sollte von mir bestimmt werden. Geht es von den äußeren Bedingungen aus, ist es schlicht Ausnutzen und rumschubsen.

  2. Gerade so ein Artikel wäre doch mal ideal als Aufhänger gewesen, den jahrelang gepredigten (von nichts anderem als religiösem Eifer kann man hier mehr sprechen) Fachkräftemangel zu hinterfragen, aber außer einem kurzen Absatz über einen Handwerker, der keine guten Azubis findet... nichts.

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    • hairy
    • 20. September 2013 8:09 Uhr

    und es fragt sich einmal mehr, wer den Mythos vom Fachkräftemangel wie den vom Superflexarbeiter in die Welt gesetzt hat. Wir dürfen antworten: natürlich die Nutznießer dieser Mythen.

    Die Tatsachen, dass auf der einen Seite viele junge Menschen -auch Akademiker- Mühe haben, einen festen Job zu finden und auf der anderen Seite ein Mangel an Fachkräften herrscht schließen sich nicht aus, die zugehörigen Phänomene finden lediglich in unterschiedlichen Branchen statt:

    Ich habe als Physiker z.B. keinerlei Mühe gehabt, nach dem Studium innerhalb von kurzer Zeit einen gutbezahlten und sicheren Job zu finden, wohingegen Freunde von mir, die ihr Studium in den Geisteswissenschaften absolviert haben teilweise mehr als 200 Bewerbungen schreiben mussten und am Ende doch nur einen befristeten Vertrag mit geringem Gehalt ergattern konnten. Sowohl Fachkräftemangel als auch prekäre Anstellungsverhältnisse für Akademiker existieren daher, allerdings in unterschiedlichen Branchen bzw. für unterschiedliche Berufsbilder.

    Der Vorschlag, natur- oder ingenieurwissenschaftliche Stellen (dort wo Mangel herrscht) mit umgeschulten Geisteswissenschaftlern (dort wo Überangebot herrscht) zu besetzen ist dabei leider unrealistisch, da beide Berufsfelder nun einmal ganz unterschiedliche Anforderungen und Neigungen erfordern und man 5-10 Jahre Ausbildung nicht in einem Umschulungskurs nachholen kann.

    ...finde ich, dass dieser Artikel einmal einer der ehrlicheren und ausgewogeneren zum Thema ist. Ein bisschen mehr Biss bei der Interpretation der Ursachen für die Fakten wäre gut, aber wenigstens werden die dramatischen realen Zahlen mal genannt.

    Und nicht immer nur die offizielle Propaganda von den "2% arbeitslosen Akademikern".

    Alleine, dass 50% die Familiengründung auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben, sollte zu denken geben. Da könnte dann in einigen Jahrzehnten TATSÄCHLICH mal ein demographisches Problem entstehen, während im Moment der Verlust von Arbeitsnachfrage noch deutlich höher ist als der Rückgang der Bevölkerung.

    Man sollte auch mal in die Gesamtkalkulation mit einbeziehen, was diese Zustände mit der Psyche der jungen Menschen anrichtet und käme vielleicht der Frage näher, warum z.B. Depressionen und Burn-out stark ansteigen, incl. Kosten in Millionenhöhe für die Gesellschaft. Auch die werden im Wesentlichen nicht von den Verursachern getragen.

    Noch ein Wort zu den "gewöhnlichen Ausbildungsberufen": Deren Bedarf wurde auch auch durch die Zeitarbeitsseuche massiv gepusht. Wenn man die Anzeigen so durchliest sieht man, dass die meisten dieser Jobs nur für armseelige Gehälter angeboten werden, woran sich wiederum einige Wenige gesundstoßen. Mit anderen Worten: Bedarf gibt es nur, wenn man nichts kostet. Das war wirklich ein "Zauberkunststück" um so mit einem prekären Niedriglohnsektor "mehr" Arbeit zu schaffen...

    • tobmat
    • 20. September 2013 10:52 Uhr

    Es gibt durchaus Fachkräftemangel. Wie bereits gesagt wurde allerdings nur in bestimmten Branchen und in bestimmten Regionen. Ein aktuelles Beispiel sind zum Beispiel Pflegekräfte oder auch Auszubildende. Bei letzteren kenne ich nur die Situation in den neuen Bundesländern. Die ist allerdings erst seit den letzten ein zwei Jahren angespannt und liegt an den demografischen Besonderheiten der neuen Bundesländer.

  3. ... jemand heute mit dem falschen Fuß aufgestanden ;-)

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    Antwort auf "[...]"
  4. Auf Seite 2 im Abschnitt "Für Hurrelmann ist das Verhalten der Generation Y .... " wollten Sie wohl den Text editieren und sind bei "Vielmehr stünden sie ." irgendwie eingeschlafen ;-).

    Ich stehe jetzt auch,
    Guten Morgen

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    Redaktion

    Besten Dank, wir haben den Fehler korrigiert.

    • Gerry10
    • 20. September 2013 7:36 Uhr

    [...]
    Ich hatte meinen ersten Job 1983(!) und mir wurde genau das gleiche vorgeworfen. Ich erinnere mich an einen so Mitte 50 jährigen der damals meinte meine Generation würde das Land ruinieren das seine Generation so mühsam aufgebaut hat.
    Na, so viel ich weis steht Deutschland immer noch.
    Und ja,heute kratz mir manchmal auch der Kopf und ich frage mich warum ein junger Mensch es nicht schafft pünktlich zu sein, ich habe es, verdammt noch mal, in seinem Alter ja auch geschafft.
    Manche Dinge ändern sich eben nie auch wenn sie eigentlich das gleiche bleiben.

    "Erziehung ist organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend."
    Mark Twain

    Gekürzt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Die Redaktion/ls

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    Antwort auf "[...]"
  5. 6. [....]

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  6. Mal wieder wird in eine absolut nutzlose Statistik viel zu viel hineininterpretiert. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass empirisches Arbeiten nicht wirklich die Stärke der Soziologen ist.

    Klar, dass jeder antwortet eine unbefristete Stelle sei ihm oder ihr wichtig. Daraus lässt sich rein gar nichts ableiten. Das bedeutet nämlich nicht, dass ich deswegen unflexibel bin, sondern dass die Wahl, ob und wie lange ich bei einem Arbeitgeber bleibe doch bitte bei MIR liegen sollte. Keiner möchte den Traumjob - der übrigens auch flexibel angelegt sein kann - finden und ihn dann aufgrund eines befristeten Arbeitsvertrages verlieren. Das gilt sowohl für den Büroarbeiter, der seine Heimatstadt noch nie verlassen haben, als auch für den Naturforscher, der alle sechs Monate seine Heimat wechselt.

    Selbiges gilt für Familie und Freunde. In einem generellen Trend zu mehr Flexibilität würde sich auch das Familienbild entsprechend verändern. Beispiel Amerika, dort ist es für Jugendliche nicht ungewöhnlich einmal alle paar Jahre mit der Familie in eine neue Stadt zu ziehen.

    Genausogut könnte ich auf die Straße gehen und beliebige Passanten fragen, ob sie Schokolade mögen. Wenn ich danach allerdings verkünde, dass die Deutschen keine Ahnung von gesunder Ernährung haben, werde ich zurecht ausgelacht. Schließlich habe ich nicht gefragt, welchen Stellenwert Schokolade für sie hat.

    So viel zur Empirie und den Geisteswissenschaften...

    6 Leserempfehlungen
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    Bei einer solchen Kategorisierung fällt es schwer, niemanden zu finden, der einem nicht doch wichtig ist.

    Zum Thema Fachkräftemangel kann man wohl sagen, daß dieser branchenabhängig ist. Die Anzahl der Bewerber auf eine Stelle im Bereich IT Entwicklung bei meinem aktuellen Arbeitgeber, läßt darauf schließen, das zumindest ein Mangel an studierten Informatikern im Bereich Softwareentwicklung herrscht. Wer Berufserfahrung hat, hat kaum Probleme eine sehr gute Stelle zu finden.

    "Mal wieder wird in eine absolut nutzlose Statistik viel zu viel hineininterpretiert."

    Kann man so sehen. Kann man aber auch anders sehen. Es gibt viele widersprüchliche "Wahrheiten".

    Es geht hier allerdings um mehrere Studien und Untersuchungen, deren Aussagen recht gut abgewogen werden.

    Die Aussage, 98 Prozent hielten einen unbefristeten Arbeitsvertrag für "sehr wichtig bis wichtig", ist eindeutig:
    Der Mensch muss wissen, wo und wofür er steht, was seine Rolle ist, im Großen, erst recht aber im Kleinen.

    Diese Gewissheit gibt es heute kaum noch. Alle Strukturen lösen sich auf. Abgesehen von denen, die den globalen Geldströmen dienen. Deshalb bleibt vielen nichts anderes übrig, als flexibel zu sein.

    Es ist, wie es ist. Aber das bedeutet nicht, daß alle es so wollten.

    Es bedeutet vielmehr, daß es einige wenige mit viel zu viel Macht gab und gibt, die das so eingefädelt haben, wie es ist, und weiter daran arbeiten und arbeiten lassen, daß es so bleibt.

  7. "So haben selbst zehn Jahre nach dem Abschluss 20 Prozent der Geisteswissenschaftler keine reguläre Vollzeitanstellung. "Inadäquater Beschäftigungseinstieg" nennt das Briedes."

    Nach 10 Jahren kann man sicher nicht mehr von EINSTIEG reden...

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