Ein kräftiger Windstoß – und zu ist die Tür. Liegt dann der Schlüsselbund in der Wohnung, kann oft nur noch der Schlüsseldienst weiterhelfen. Das kann jedoch teuer werden, wenn man den falschen Türöffner zu Hilfe ruft. "Einige Schlüsseldienste stellen leider mitunter völlig überzogene Honorare in Rechnung", sagt Ralf Margout. Er ist Geschäftsstellenleiter von interkey, dem Fachverband Europäischer Sicherheits- und Schlüsselfachgeschäfte.

Die Notsituation der Betroffenen werde oft schamlos ausgenutzt, sagt Margout. Darum hat die Branche in der Öffentlichkeit einen schlechten Ruf. Das wiederum liegt in erster Linie daran, dass es kein eindeutig definiertes Berufsbild gibt und Zugangsvoraussetzungen fehlen, um den Beruf ausüben zu dürfen.

"Früher gab es den Beruf des Schloss- und Schlüsselmachers, doch der ist nach der letzten Ausbildungsreform weggefallen", erklärt Margout. "Seitdem hat sich die Technik auch durch das Zusammenwachsen von Mechanik und Elektronik rasant weiterentwickelt und es gibt keinen Beruf mehr, der die Tätigkeiten eines Schlüsseldienstes exakt zusammenfasst."

Eine Ausbildung ist entsprechend nicht notwendig und wird auch nicht angeboten. Es gibt lediglich Lehrgänge, in denen das für Schlüssel- und Sicherheitsdienste benötigte Wissen erlernt werden kann – diese Kurse setzen in der Regel aber keine abgeschlossene Ausbildung voraus.

Der Beruf ist nicht geschützt, jeder darf heute einen Schlüsseldienst betreiben. Für die Eröffnung braucht man nur ein sauberes Führungszeugnis und eine Anmeldung beim Gewerbeamt. "Das macht es unseriösen Schlüsseldiensten einfach und wirft ein schlechtes Licht auf die Branche", sagt Margout.

Dabei ist die Arbeit von Schlüsseldiensten durchaus vielschichtig und anspruchsvoll. Neben dem Anfertigen von Schlüsseln und dem Öffnen von Türen gehören die Montage und Reparatur von Schlössern zum Aufgabenfeld. Zudem beraten Schlüsseldienste Kunden über mechanische und elektronische Sicherheitstechnik, also etwa besondere Schließmechanismen und Alarmanlagen, und installiere diese dann auch.

Mitarbeiter von Schlüsseldiensten benötigen für ihre Arbeit handwerkliches Geschick. Sie müssen zudem umfänglich über die unterschiedlichen Schloss- und Schlüsseltypen und die verschiedenen Normungen Bescheid wissen. Je nach Unternehmensspezialisierung müssen sie sich auch mit mechanischer und elektronischer Sicherheitstechnik gut auskennen.