Eine 1.200 Grad heiße Flamme, ein wenige Millimeter dickes Glasröhrchen, ganz viel Puste und Feingefühl – das sind die Zutaten, die Brigitte Schneider für die Herstellung eines Thermometers benötigt. Die gelernte Thermometermacherin ist Geschäftsführerin eines von bundesweit lediglich drei verbliebenen Unternehmen, die noch analoge Thermometer für Industrie, Wissenschaft und den Hausgebrauch herstellt.

"Wir bauen Thermometer noch so wie vor hundert Jahren", sagt sie. Der Beruf des Thermometermachers ist in zwei Fachrichtungen unterteilt – die Thermometerbläser bringen die Glasrohlinge durch Erhitzen und Aufblasen, Ziehen und Biegen in die gewünschte Zylinderform. Thermometerjustierer ermitteln mithilfe von Trockeneis oder siedendem Wasser den Null- und Siedepunkt, um die Messpunkte für die Skala festzulegen. "Die Justierer sind sozusagen für das Feintuning verantwortlich, die Bläser für die Verpackung", sagt Schneider. Besonders beim Justieren ist Präzision gefragt. Eine Ungenauigkeit von nur einem Grad macht das ganze Thermometer unbrauchbar.

Aber wer setzt im digitalen Zeitalter überhaupt noch auf analoge Messtechnik? Auftraggeber sind Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie, der Erdölindustrie oder der Pharma- und Medizinindustrie. Diese Kunden brauchen genaue Ergebnisse, sagt Schneider. Denn die digitalen Thermometer seien ungenau. Mehr noch: Die analogen Messgeräte werden zur Eichung der digitalen benutzt. Zudem seien die Glasthermometer auch wegen ihrer Energieunabhängigkeit haltbarer. "Digitale Messgeräte müssen in kürzeren Abständen überprüft werden. Flüssigkeitsthermometer arbeiten viele Jahre genau, solange sie nicht runterfallen."            

Hinzu kommen wesentlich größere Einsatzmöglichkeiten. Denn die Glasthermometer sind stärker hitze- und kältebeständig. Temperaturen von Minus 200 bis 1.850 Grad können mit den analogen Messinstrumenten erfasst werden. "Ein digitales Thermometer schmilzt sehr viel früher", sagt Schneider.

Für die Arbeit ist ein hohes Maß an Konzentration, Feingefühl, zeichnerischem Talent und technischem Verständnis wichtig. Außerdem sind Grundkenntnissen in Naturwissenschaften, ein gutes Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick nötig. "Trotz moderner Technik ist hier noch viel Handarbeit gefragt, jedes unserer Thermometer ist ein Unikat."

Die duale Ausbildung ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Während der Ausbildung steht viel Mathematik auf dem Lehrplan: Volumen- und Temperaturumrechnung oder die Berechnung des Ausdehnungskoeffizienten sollten die Azubis aus dem Effeff beherrschen.          

Auszubildende werden dringend gesucht

Außerdem lernen sie alles über die verwendeten Materialien und Werkstoffe, den Umgang mit Maschinen sowie Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Die Ausbildung wird mit einer theoretischen, praktischen und mündlichen Prüfung abgeschlossen. Danach darf sich der Nachwuchs Thermometermachergeselle nennen. Mit ein paar Jahren Erfahrung ist eine Weiterbildung zum Meister möglich.

Einzige Schattenseite des Berufes ist der Umgang mit teils gesundheitsschädlichen Stoffen. Auch die Arbeit mit Feuer und heißem Glas ist riskant. Dafür sind die Berufsaussichten sehr gut. Die Branche sucht dringend Nachwuchs. Im Jahr 2009 gab es bundesweit nur sechs Auszubildende. Die Zahl ist so gering, weil der Beruf weitgehend unbekannt ist.

Schneider sieht neben den guten Jobaussichten auch einigen Spielraum für Kreativität als positive Seite an ihrem Beruf. "Ich kann bei individuell auf den Kunden angepassten Aufträgen kreativ sein. Die Arbeit ist immer wieder eine neue Herausforderung."

  • Gehalt: etwa 2.100 bis 2.400 Euro brutto;
  • Ausbildung: staatlich anerkannt, Dauer drei Jahre;
  • Arbeitszeit: zwischen 37,5 und 40 Stunden in der Woche;