Ständig werden dem Kollegen Informationen vorenthalten, oder er wird absichtlich falsch informiert. Irgendwann zieht ihn der Chef zur Rechenschaft. Kritik ist alltäglich, selbst kleinste Vergehen werden aufgebauscht. Irgendwann bekommt der Mitarbeiter nur noch unliebsame und stumpfsinnige Arbeiten. Vielleicht versetzt man ihn. Aufstiegschancen, Anerkennung und Ermutigung gibt es nicht. Immer mehr Kollegen distanzieren sich, oder sie halten sich lieber heraus. "Ich will da nicht reingezogen werden." Irgendwann stellt der Betroffene fest: Ich bin Mobbingopfer geworden.

Die beiden Filmemacher Jürgen J. Köster und Ruben van den Belt sind der Abwärtsspirale des Mobbings nachgegangen. Sie haben in Deutschland und den Niederlanden mit Opfern gesprochen und Psychologen, Mobbingexperten, Arbeitsberater und Juristen interviewt. Der Film Mobbing und nun... analysiert Mobbingprozesse und zeigt, welche fatalen Auswirkungen Mobbing hat. 

Gut jeder Neunte wird im Laufe seines Berufslebens einmal Opfer von Mobbing und Schikane, zeigt eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Die Folgen können dramatisch sein: Gezielte Schikane kann Menschen zerstören. Eine Betroffene, die der Dokumentarfilm zeigt, möchte nicht erkannt werden. Unkenntlich gemacht und mit verzerrter Stimme berichtet sie von ihrer auswegslos scheinenden Lage. "Ich wachte nachts oft schweißgebadet auf, mein Schlafanzug war pitschnass." Ein anderer berichtet, wie ihn Mobbing in eine tiefe Depression gebracht hat: "Ich fahre über die Landstraße und mir ist alles egal."


Wo genau verläuft die Grenze zwischen normalen Streitereien und gezielter Schikane? Experten sagen: Solange sich das Opfer wehren kann, ist es noch kein Mobbing. Erst wenn der Prozess über ein längere Zeit hinweg stattfindet, sich eine Systematik zeigt und das Opfer in dauerhafte Unterlegenheit gerät, kann von Mobbing gesprochen werden. Der Konfliktforscher Friedrich Glasl hat verschiedene Eskalationsstufen ausgemacht. Im extremsten Fall geht es ihm zufolge darum, das Mobbingopfer komplett niederzumachen. Nicht selten erreicht ein Mobbingprozess diese Stufe.

Selten Antwort auf die Frage nach dem Warum

Die Suche nach Ursachen ist für die Opfer quälend. Das zeigen die beiden Regisseure eindringlich. Bin ich schuld? Was habe ich falsch gemacht? Oft gibt es darauf keine Antwort. Zwar kann Mobbing aus einem Konflikt heraus entstehen, aber das muss nicht so sein. Fatal ist, dass sich das Opfer während der anhaltenden Schikane verändert. Die ständigen Angriffe gehen nicht spurlos an der Seele vorbei. Das kann auch das soziale Umfeld belasten.

Eine Interviewte berichtet, dass ihr Ehemann ihr eines Tages nicht mehr glauben wollte. "Man damaliger Mann mutmaßte: Irgendwo musst du einen Grund dafür gegeben haben, gemobbt zu werden." Victim-Blaming wird es genannt, wenn dem Opfer selbst die Schuld an seiner Misere zugeschoben wird. Bei Mobbing kommt es in der Regel zu so einem Verhalten. Die Täter und die Mitläufer weisen die Verantwortung von sich und dem Opfer zu.

Nicht selten liegen die Gründe vor allem auch im betrieblichen Umfeld. Unsichere, prekäre Arbeitsplätze, ein schlechtes Betriebsklima, viel Druck, Führungsschwäche, aber ebenso Langeweile oder ungeklärte Arbeitsvergaben und Hierarchien können den Recherchen der Filmemacher nach Mobbing bedingen. Fakt ist: Der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Nicht nur fallen Mobbingopfer oft krankheitsbedingt aus. Sie sind außerdem für eine lange Zeit nicht richtig leistungsfähig.

Auch die Täter sind selten Highperformer. Ein Mobbingfall vergiftet das Betriebsklima und strahlt auch auf jene Kollegen aus, die sich lieber raushalten wollen. Mobbing geht also immer zu Lasten von Produktivität und Innovation. Noch schlimmer ist es, wenn das Mobbing durch Vorgesetzte betrieben wird oder diese nicht konsequent dagegen vorgehen. Oft führt Mobbing dazu, dass das Opfer irgendwann den Arbeitsplatz aufgibt – teure und langwierige Kündigungsschutzprozesse sind dann die Folge. Mit entsprechender Außenwirkung: Bei einer Firma, in der es Mobbing gibt, wollen interessante Bewerber lieber nicht arbeiten. Hinzukommen Kosten für die Personalsuche, um Ersatz zu finden.