Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Sie ist flexibler, mobiler und unsicherer geworden. Viele Menschen haben jedoch das Gefühl, bei all den Veränderungen nicht mehr mithalten zu können. Denn ständiger Fortschritt ist zur Leitlinie des wirtschaftlichen Handels geworden. Und wer unfähig ist zum Wandel, wer nicht flexibel genug ist, der bleibt auf der Strecke. Kein Wunder, dass die Helden unserer Zeit unerschrockene Firmengründer und Innovatoren sind,  die mit ihren Produkten unser Leben völlig verändert haben – Apple-Gründer Steve Jobs, Facebook-Entwickler Mark Zuckerberg oder die Gründer von Google, Larry Page und Sergey Brin. Drei aktuelle Filme drehen sich um diese neuen Unternehmer und ihre innovativen Marken: Facebook (The Scocial Network), Google (Prakti.com) und Apple (Jobs).

Die technischen Errungenschaften sind faszinierend, noch mehr faszinieren die Personen hinter den Produkten. Was sind das für Menschen, die mit einer Idee das Leben von Millionen Menschen verändert haben? Steve Jobs galt als Mensch mit Ausnahmecharakter, der gegen Ignoranz und Mittelmäßigkeit kämpfte, um seine Ideen durchzusetzen. Zwar verlor er manchen Kampf, war schlussendlich jedoch erfolgreich. Think different, (denke anders) lautet eines seiner bekannten Zitate.  

Querdenken und ein ungebändigter Glaube an die eigene Idee sind entscheidend, um den technischen Fortschritt voranzubringen.   

Allerdings sind Innovationen nicht immer neue Erfindungen, sondern – wie etwa der Ökonom Schumpeter erkannte – Neukombinationen vorhandener Möglichkeiten. Auch Jobs hatte den MP3-Player nicht erfunden, sondern im iPod einen neuen Weg gefunden, diesen zu verwenden. Nach Schumpeter sind es vor allem die waghalsigen Unternehmer, die solche Neukombinationen als Innovationen vorantreiben. Diese Sichtweise ist stimmig mit dem kulturellen Hype um die Helden des digitalen Zeitalters. Der Film The Social Network beeindruckt uns mit der Schilderung mutiger, regelbrechender und nonkonformistischer Entrepreneure, die ein Milliardenunternehmen schaffen. 

Nonkonformistische Entrepreneure sind unsere Helden

Aber Innovation ist ja vor allem ein sozialer Prozess, an dem viele beteiligt sind, nicht nur ein einzelnes Genie. Ingenieure, Produktionsarbeiter, Marketing-Spezialisten und Anwender machen aus einer Idee erst einen ökonomischen Erfolg. Warum also schauen wir trotzdem vor allem auf die Entrepreneure und machen sie zu Ikonen des technologischen Zeitalters? Weil sie sich nicht den Regeln gebeugt haben, denen wir tagtäglich unterliegen. Den Regeln der Hierarchien, die nur allzu oft von irrationalen Machtspielen dominiert werden und unsere Talente und Motivationen, wenn überhaupt, nur in kleinen Teilen abrufen und verwenden. Wie wenig stimulierend die Hierarchie auf das Individuum wirkt, zeigte zuletzt eine weltweit durchgeführte Befragung von über 32.000 Mitarbeitern, die ergab, dass nur 35 Prozent der Arbeitnehmer hoch engagiert sind. 

Unsere Organisationen sind darauf ausgerichtet, Kosten zu senken. Nicht aber, um Experimente auszurichten. Bahnbrechende Entwicklungen sind deshalb meist ein düsteres Kapitel in Hierarchien und wenn man dies erkennt, bleibt als Lösung nur, Organisationen zu öffnen und dem Individuum wieder mehr Möglichkeiten innerhalb vernetzter Strukturen zu geben. Und in solchen Strukturen können viele an einer neuen Entwicklung mitarbeiten.

Neue unternehmerische Modelle, die angelehnt sind an den Erfolgen offener Softwareentwicklung, versuchen, die Motivation und die Talente von vielen Interessierten einfangen. Der Vorteil für die Unternehmen ist folgender: Der Preis der Innovation wird auf diese Weise erschwinglich. Freiberufler, Bürger, Interessierte, Hobby-Freidenker und Selbstständige entwickeln mit Unternehmen Innovationen: Sie bringen Ideen für neue Produkte ein und verbessern bestehende. Natürlich profitieren Unternehmen von dieser Kooperation mit der Crowd. Aber auch das Individuum kann Anerkennung, Wertschätzung und vermehrt auch Entlohnung erlangen.

Zugegeben, diese Entwicklung verändert die Arbeitswelt massiv. Denkt man dieses Szenario zu Ende, wird es in Zukunft weniger Festanstellungen und einen Bedarf an neuen sozialen Sicherungssystem geben. Es braucht dann aber auch keine stilisierten Ikonen mehr, weil prinzipiell jeder zur Ikone werden kann. Das ist die große Chance und vielleicht findet durch die Integration der Massen in den Innovationsprozess auch mehr Fortschritt statt.