Ich muss zwischen unseren Filialen hin und her pendeln. Mein Chef meint, dass meine Fahrtzeit zwischen den verschiedenen Orten nicht als bezahlte Arbeitszeit gilt. Stimmt das?, fragt Wenke Hausmann.

Sehr geehrte Frau Hausmann,

selbstverständlich zählen die Fahrzeiten zwischen den verschiedenen Filialen als Arbeitszeit und müssen Ihnen dementsprechend von Ihrem Arbeitgeber auch vergütet werden.

Schließt ein Unternehmen dies per Arbeitsvertrag aus, ist diese Klausel unwirksam. Denn Arbeitgeber dürfen ihr Betriebs- und Wirtschaftsrisiko nicht auf ihre Mitarbeiter abwälzen, sondern müssen es selbst tragen.

Im Klartext: Solche Klauseln benachteiligen Mitarbeiter nach § 307 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) unangemessen.

Das bedeutet, dass Vertragsklauseln, die das Beschäftigungsrisiko auf Mitarbeiter abwälzen, generell unwirksam sind – vor allem, wenn ein Unternehmen Entscheidungen wie beispielsweise Arbeitspflichten einseitig trifft.

Ihr Arbeitgeber muss also die Fahrzeit zwischen den verschiedenen Filialen als Arbeitszeit anerkennen. Und das heißt auch, dass er Ihnen die Differenz zum Arbeitsentgelt (noch) zahlen muss – auch nachträglich innerhalb etwaiger Ausschlussfristen. Aber auch solche Ausschlussfristen müssen wirksam vereinbart sein. Machen Sie also schnell Ihren Differenzlohn nachweislich geltend.

Ihr Ulf Weigelt