Ich war mehr als ein Jahr arbeitsunfähig geschrieben – vom 4. Dezember 2012 bis zum 19. Januar 2014. Daher konnte ich meinen Urlaub im Jahr 2013 nicht nehmen. Als ich am 20. Januar 2014 wieder zur Arbeit ging, beantragte ich meinen Resturlaub von 2013. Jetzt heißt es, dass mein kompletter Urlaub verfallen ist, da ich nicht bis zum 31. Dezember 2013 einen Antrag auf Übernahme meiner Urlaubstage ins Jahr 2014 gestellt habe. Ist das rechtens?, fragt Melanie Winkelmann.

Sehr geehrte Frau Winkelmann,

vielen Arbeitnehmern ist gar nicht bewusst, dass der Resturlaub nicht einfach ins Folgejahr übertragen werden kann, zumindest wenn kein triftiger Grund dafür vorliegt. Nur wenn der Arbeitgeber kulant ist, geht es doch. Auch ein Erholungsurlaub ist stets auf das laufende Kalenderjahr befristet. Anders sieht es nur aus, wenn der Arbeitnehmer mit seiner Firma andere Vereinbarungen getroffen hat, wenn zum Beispiel Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge bestehen, die etwas anderes vorsehen.

Auch in dringenden betrieblichen Fällen (etwa wenn unerwartete Aufträge anstehen) oder persönlichen (zum Beispiel die Erkrankung des Mitarbeiters) Fällen kann der Resturlaub auf die ersten drei Monate des Folgejahres übertragen werden (gemäß § 7 Abs. 3 Satz 2 Bundesurlaubsgesetz). Sind keine individuellen Vereinbarungen über die ersten drei Monate hinaus vereinbart, verfällt der Anspruch auf den Resturlaub ersatzlos. Daher ist für Arbeitnehmer wichtig, rechtzeitig die Geltendmachung vorzunehmen – am besten schriftlich.

Erkrankt ein Mitarbeiter, wie in Ihrem Fall, und kann er seinen Urlaub nicht mehr im Kalenderjahr nehmen, muss der Arbeitgeber den Resturlaub ins Folgejahr übertragen – vorausgesetzt, der Mitarbeiter kann belegen, dass eine Arbeitsunfähigkeit vorlag, etwa in Form einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt.

Im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit kann der Resturlaub über den Monat März hinaus übertragen werden. Das gilt allerdings nicht unbegrenzt. Wer 15 Monate über das Urlaubsjahr hinaus fehlt, verliert seinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub.

Und obwohl die Urlaubsabgeltung dem Prinzip des Erholungsurlaubs widerspricht, kann in Ausnahmefällen ein Mitarbeiter sich seinen Resturlaubsanspruch auszahlen lassen. Und zwar dann, wenn er das Unternehmen verlässt.

Ihr Ulf Weigelt