Sie sind ein enger Freund und eine große Hilfe: Ohne ihren Blindenführhund hätten viele Menschen mit einer Sehbehinderung weniger Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ausgebildet werden die Tiere in speziellen Blindenführhundschulen. Dafür sind Tiertrainer zuständig .

"Ein gut ausgebildeter Hund erkennt, wann eine Straße gefahrlos überquert werden kann und dirigiert Herrchen oder Frauchen an Hindernissen vorbei", sagt Jan Gutsmiedl, Betreiber einer Blindenführhundschule und Vorsitzender des Berufsverbandes Deutsche Blindenführhundschulen e.V.

In der Regel kommen Betroffene mit Wunsch nach einem Assistenzhund selbst auf die Trainer zu. In manchen Fällen treten auch die Krankenkassen, welche die Kosten für die Ausbildung der Tiere übernehmen, an die Hundeschulen heran.

Allerdings kann nicht jeder Mensch mit einer Erblindung auch einen Hund als Führer bekommen. Voraussetzung ist, dass sich der Betroffene selbstständig in seiner Umwelt – etwa mit einem Stock – bewegen kann. Ob diese Fähigkeit gegeben ist, wird zuvor mit einem Orientierungs- und Mobilitätstraining getestet. Nach erfolgreicher Teilnahme schaut sich der Hundetrainer das persönliche Umfeld des Kunden an. Ist es auch für eine Hundehaltung geeignet? Wie groß ist die Wohnung, gibt es einen Garten?

"Wir Trainer wollen den Menschen kennenlernen. Es geht ja auch um das Wohlergehen des Tieres", sagt Gutsmiedl. Die Ausbilder müssen außerdem die artgerechte Haltung gegenüber dem Kostenträger in einer schriftlichen Stellungnahme bestätigten.  

Nur bestimmte Hunde kommen infrage

Zur Ausbildung als Assistenzhunde kommen nur Tiere mit ganz bestimmten Eigenschaften in Frage. Sie müssen friedfertig, nervenstark, belastbar und natürlich jung sein. Die Hundetrainer führen bereits im Welpenalter Eignungstests mit dem Hundenachwuchs durch, der in der Regel von erfahrenen Züchtern stammt. Geeignete Welpen kommen dann zunächst in sogenannte Patenfamilien, in denen die Hunde etwa ein Jahr lang leben und sozialisiert werden. Die meisten Führhundeschulen arbeiten mit Familien zusammen, die vorher speziell für diese Aufgabe ausgesucht und angeleitet wurden. Während des ersten Jahres testet der Führhundeausbilder den Junghund immer mal wieder in unterschiedlichsten Ereignissen und Situationen. Ist das Tier nervlich stark genug? Wie entwickelt sich sein Aggressionsverhalten und sein Jagdtrieb, wie ist das Verhalten im Umgang mit den Menschen?

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, ist der Hund alt genug und hat die Krankenkasse für den Kunden mit Sehbehinderung die Kostenübernahme erklärt, geht es endlich an die Ausbildung.

Dabei lernt das Tier nicht nur die 76 Hörzeichen zu beherrschen, es muss auch lernen, manche Kommandos in bestimmten Gefahrensituationen zu verweigern – etwa auf einer vielbefahrenen Straße. Soll der Hund vorwärts laufen, aber ist das zu riskant, dann muss er eine bestimmte Protesthaltung einnehmen. So kann er später seinem blinden Halter anzeigen: Achtung, Gefahr! Führhundeausbilder nennen dieses Verhalten "intelligenten Ungehorsam".

Trainiert werden die Tiere mittels Belohnungen, wenn sie die Kommandos richtig ausführen. "Prinzipiell ist es egal, ob man einem Hund auf diese Weise Sitz und Platz beibringt oder an einer roten Ampel zu halten", sagt Gutsmiedl. Nur der Aufwand ist wesentlich größer. Darum dauert die Ausbildung auch lange – erst nach sechs Monaten bis etwa einem Jahr ist das Tier fertig ausgebildet. Das kostet natürlich etwas: Durchschnittlich schlägt die Ausbildung eines Tieres mit 25.000 bis 30.000 Euro zu Buche. In diesen Kosten ist allerdings nicht nur das Tiertraining enthalten.

Auch der neue Besitzer wird ausgebildet

"Auch dem zukünftigen Besitzer muss beigebracht werden, wie er mit dem Tier umzugehen hat. Auch er muss wissen, welches Verhalten was zu bedeuten hat", sagt Gutsmiedl. Dies lernen die Kunden in einem mehrwöchigen gemeinsamen Training mit ihrem künftigen Führhund. "Sehbehinderte haben ja keine visuelle Kontrolle über ihre Umwelt. Für sie ist es ungleich schwieriger, das Verhalten des Tieres richtig einzuschätzen", sagt Gutsmiedl. Hinzu kommt, dass Hunde die Welt aus einer anderen Perspektive wahrnehmen als Menschen. "Die Tiere sind meist mehr als einen Meter kleiner als Menschen." Anfangs fällt es den meisten Kunden deshalb schwer, gewissermaßen durch die Augen des Hundes zu sehen und auf jedes Ausweichen oder Anhalten des Tieres zu vertrauen. Erst allmählich entsteht während des intensiven Trainings zwischen Halter und Assistenzhund eine besondere Bindung, die von einem tiefen Vertrauen geprägt ist. 

Die gemeinsame Ausbildungszeit endet nach mehreren Wochen mit der sogenannten Gespannprüfung. Hier stellt eine von der Krankenkasse bestellte Prüfungskommission fest, ob sowohl Hund als auch Mensch richtig ausgebildet wurden. 

Für die Arbeit als Blindenführhundtrainer braucht man Spaß an der Arbeit mit Hunden und Menschen. Viel Geduld und Einführungsvermögen sind außerdem wichtig. Der Beruf ist nicht staatlich anerkannt, die Berufsbezeichnung nicht geschützt. Entsprechend gibt es auch keine einheitliche Ausbildung. Einige Trainer bieten kostenpflichtige Lehrgänge an. Die Qualität der Ausbildung variiert hier jedoch sehr. Die meisten Trainer fangen bei ihrem eigenen Ausbilder in der Schule an. Viele machen sich später selbstständig. Prinzipiell kann jeder in Deutschland eine Blindenführhundschule eröffnen. Dazu muss lediglich ein Gewerbeschein vorhanden sein. In einigen Bundesländern muss zudem ein Sachkundenachweis vom Veterinäramt nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes erbracht werden. Hilfreich für den Job als Blindenführhundetrainer ist es, wenn man bereits Vorkenntnisse aus der Hundezucht oder der Hundeausbildung mitbringt. 

Einzige Schattenseite an seinem Job ist für Gutsmiedl der Umstand, dass er sich immer wieder von seinen vierbeinigen Schützlingen verabschieden muss. Allerdings entschädige die Freude der neuen Halter über den neuen Begleiter an ihrer Seite. "Vor ein paar Wochen bekam ich eine Postkarte von einer Frau, die allein nur mit ihren Blindenführhund in den Urlaub gefahren ist. In solchen Momenten weiß ich dann, dass meine Arbeit sehr sinnvoll ist."

  • Gehalt: abhängig von Erfahrung und Größe des Arbeitgebers
  • Ausbildung: keine Ausbildung notwendig
  • Arbeitszeit: abhängig von der Auftragslage