In Bechhofen geht es wahlweise haarig oder borstig zu. Denn der kleine Ort in Mittelfranken ist das Zentrum der deutschen Bürsten- und Pinselindustrie. Zwölf Fachbetriebe für die Herstellung von Bürsten und Pinseln finden sich in dem knapp 6.000 Einwohner großen Ort – und der Verband der Deutschen Pinsel- und Bürstenhersteller

"Der Beruf unterscheidet auch diese beiden Fachrichtungen", sagt Hans Zahn vom Verband. Schließlich habe jedes Produkt seine ganz eigene Geschichte und speziellen Arbeitsabläufe, da sich Bürsten und Pinsel deutlich voneinander unterschieden. "Eine Bürste besteht nämlich aus mehreren Bündeln. Ein Pinsel hingegen – mit Ausnahme des Quastes – hat nur ein Bündel Haare oder Borsten."

Zum Einsatz kommen die Produkte in den unterschiedlichsten Bereichen. Manche Betriebe stellen ausschließlich Zahnbürsten her, andere haben sich auf Kosmetikpinsel spezialisiert. Andere fertigen Bürsten zur Reinigung von Teppichen und Textilien an. Wieder andere produzieren Maler- und Künstlerpinsel.  

So unterschiedlich die Produkte, so verschieden sind auch die Arbeitsschritte in der Herstellung. Bei der Produktion von Künstlerpinseln beispielsweise wird zunächst das erforderliche Material ausgesucht und anschließend entweder nach einer bestimmten Menge abgeteilt oder nach Gewicht portioniert. Das Haarbündel, auch Quaste genannt, wird in eine Metallhülse gesteckt. Sie heißt Zwinge. Diese wird mechanisch in einer Presse verformt, damit die Quaste hält. Hier ist die richtige Menge an Haar wichtig, damit das Bündel nicht zu fest und nicht zu locker in der Metallhülse sitzt. Bevor man den Pinselstil von der anderen Seite einfügt, wird das Haarbündel zusätzlich mit Klebstoff in der Zwinge fixiert. Nach dem Trocknen entfernen die Mitarbeiter das lose Haar und verkleben den Holzstil oder befestigen ihn mechanisch in der Zwinge – fertig ist der Pinsel.

Man braucht allerdings jede Menge Handarbeit dazu. "Bei hochwertigen Künstlerpinseln liegt der Anteil an Handarbeit bei etwa 90 Prozent", sagt Zahn.

Frauen sind offenbar begabter

Auch bei der Herstellung von Bürsten ist noch einiges an Handarbeit nötig. Bürstenmacher portionieren und bereiten vor. Sie verwenden in der Regel Borsten aus Kunststoff-, Natur- oder synthetischen Fasern und sogar Metall. Bei der Herstellung etwa einer Kleiderbürste wird anschließend durch Öffnungen, die sich im Bürstenkörper befinden, eine Drahtschlaufe gezogen. In diese Drahtschlaufe wird das Borstenbündel eingelegt, anschließend wird die Drahtschlaufe mitsamt Borstenbündel zurück durch den Bürstenkörper gezogen und das Bündel durch Kleber fixiert. Bei anderen Bürsten werden die Bündel bisweilen auch durch Stanzmaschinen eingesteckt. Zahnbürsten hingegen werden ausschließlich industriell hergestellt, auch die Produktion anderer Bürsten passiert heute überwiegend maschinell. 

Der Beruf des Bürsten- und Pinselmachers ist staatlich anerkannt, die Ausbildung dauert drei Jahre. Je nach Fachschwerpunkt des Ausbildungsbetriebs gehören die Auszubildenden einer der beiden Richtungen an. Auf dem Lernplan für alle die Materialkunde. Welche Arten von Haaren werden verwendet? Woher stammen die unterschiedlichen Haare und Borsten? Welche Vor- und welche Nachteile haben die unterschiedlichen Arten? "Pinselmacher müssen die einzelnen Haarsorten kennen und bestimmen können. Einige Haare sind für die Ölmalerei nicht geeignet, andere wiederum sind für die Aquarellmalerei untauglich", sagt Zahn.

Eine Allergie gegen Tierhaare muss vor der Ausbildung ausgeschlossen sein. Außerdem braucht es technisches Verständnis und viel Geduld für die Arbeit sowie handwerkliches Geschick. Offenbar sind Frauen hier begabter, sagt Zahn. "Mittlerweile möchten mehr junge Frauen als Männer das Handwerk erlernen. Feinmotorik und handwerkliches Geschick sind bei weiblichen Auszubildenden oft ausgeprägter", sagt Zahn. Der Frauenanteil im Beruf liegt bei mittlerweile gut 80 Prozent.

Das Handwerk ist stark regional fokussiert, viele Bürsten- und Pinselmacher sind in Bechstein beheimatet. Hier werden Fachkräfte auch noch gesucht. Andernorts sehen die Chancen eher schlecht aus. Zukünftig, so Zahn, könnte die Nachfrage insgesamt steigen, da der Bedarf an handwerklich gefertigten Pinsel und Bürsten wieder steigt, vor allem in der Kosmetikbranche.

  • Gehalt: nach der Ausbildung etwa 1.600 bis 1.800 Euro brutto
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden/Woche
  • Ausbildung: staatlich anerkannt, Dauer: drei Jahre