Die Personalsuche wird für Unternehmen im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe schwieriger. Deshalb versuchen Arbeitgeber, sich auf möglichst vielen Kanälen zu präsentieren. Die eigene Karriere-Website sowie das Facebook-Profil, das über freie Stellen informiert, sind mittlerweile Standard. Allerdings suchen immer mehr Kandidaten mit dem Smartphone nach Jobs, aber nur jede dritte Seite ist auch für die mobile Ansicht optimiert. Das stellt eine Untersuchung von Karrierewebsites der 100 größten Arbeitgeber in Deutschland fest, die von der Unternehmensberatung NetFederation erstellt wurde.

Die Autoren haben die Unternehmensseiten nach 90 verschiedenen Kriterien wie gezielte Ansprache nach Bewerbergruppe, Übersichtlichkeit oder Möglichkeiten zur Direktbewerbung analysiert.

Vor allem bei der Übersichtlichkeit habe sich der Untersuchung nach einiges getan. 69 Prozent der Firmenseiten sprechen die Nutzer nach Zielgruppen (Schüler, Studenten und Absolventen oder Berufserfahrene) auf gleich der Startseite an. Konzerne mit vielen verschiedenen Standorten bieten in der Regel eine Suche nach Regionen an.

Auch scheinen die meisten Arbeitgeber verstanden zu haben, dass auch sie sich um Talente bewerben müssen. So informierten die meisten, wie es ist, bei ihnen zu arbeiten. Allerdings nennen nur 18 Prozent konkrete Gründe, warum sich eine Bewerbung bei ihnen lohnt.

Die meisten Unternehmen werben zwar mit dem Schlagwort Work-Life-Balance, allerdings bleibt der Studie zufolge häufig unklar, was die Firmen konkret damit meinen. Informationen zu Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierewegen fehlten weitgehend. 

Mitarbeitervideos werden von Bewerbern geschätzt

Immerhin 61 Prozent lassen eigene Mitarbeiter zu Wort kommen. Die berichten über ihre Jobs, ihre Motivation oder das Arbeitsumfeld. Solche Testimonials – sofern sie authentisch und nicht wie Unternehmenswerbung wirken – werden von Bewerbern gerne genutzt. In Befragungen geben Jobsuchende an, solche Berichte von Mitarbeitern würden ihnen einen Eindruck von zukünftigen Kollegen geben. Auf Videos, in denen Mitarbeiter exemplarisch vorgestellt werden, setzten allerdings nur 36 Prozent der Firmen, so die Studie.

Immerhin jedes zweite Unternehmen informiere transparent über den Bewerbungsprozess. Wie läuft das Auswahlverfahren ab, wann können Kandidaten mit einer Antwort rechnen? Bei der Deutschen Post etwa erhalten Bewerber, die nicht auf ein Stellenangebot passen, umgehend Antwort. Unilever informiert Bewerber ausführlich mit Erfahrungsberichten von Mitarbeitern über den Prozess. Viele Firmen bieten registrierten Nutzern auch an, den Status der Bewerbung prüfen zu können.

45 Prozent der Firmen ermögliche es den Bewerbern außerdem, Anzeigen für bestimmte Positionen und Tätigkeiten zu abonnieren. Fast ebenso viele (43 Prozent) böten Weiterleitungen von Stellenangeboten an oder die Jobs auf Facebook, Google+ und Twitter zu teilen.

Job-Apps sind kaum im Einsatz

Mobil nutzbar seien hingegen nur wenige Webseiten: Lediglich ein Drittel der Firmen bietet der Studie zufolge ihre Karriereseite auch für mobile Endgeräte an. Job-Apps, die sich vor allem für Großkonzerne mit Hunderten oder Tausenden Stellen lohnen, haben nur die allerwenigsten. Dabei suchen laut einer aktuellen Umfrage drei von zehn Jobsuchenden vor allem mit dem Smartphone.

Die Studie stellt außerdem fest, dass die Karriereseiten mehr Service bieten könnten. So werden nur bei 27 Prozent der untersuchten Seiten Bewerbungstipps etwa auf der Navigationsebene aufgeführt. Kaum zu Einsatz kämen zeit- und kostensparende Anwendungen, mit denen die Arbeitgeber bei den Onlinebewerbungen vorsortieren können. Nur neun Prozent der Firmen haben solche Tools in ihre Seiten implementiert. Bei der Lufthansa etwa können Bewerber spielerisch herausfinden, ob sie für den Job als Pilot qualifiziert wären. Die Munich RE stellt den Interessierten wie in einem Assessmentcenter ein Quiz zum Thema Rückversicherungen zur Verfügung.

Als besonders gelungen hinsichtlich der 90 untersuchten Kriterien stuften die Autoren der Studie die Seiten von Daimler, der Otto-Group und der Deutschen Post ein.

Die Unternehmensberatung NetFederation untersucht seit 2003, wie sich die Webseiten von Unternehmen verändern.